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Donnerstag, 30. Juli 2015

Amphi 2015 - wie war's?

Nun sind bereits ein paar Tage vergangen und die vielfältigen Eindrücke, die Töchti und ich auf dem Amphi gesammelt haben, haben sich setzen können.
Das Amphi fand ja dieses Jahr das erste Mal in der Lanxess Arena und nicht mehr im Tanzbrunnen statt, dann spielte auch noch das Wetter verrückt: dank einer Unwetterwarnung dürfte der Außenbereich am Samstag erst gegen 21 Uhr öffnen, die Veranstaltungen, die auf den beiden open air-Bühnen hätten stattfinden sollen, wurden verschoben bzw. fielen gleich ganz aus.
Bis dahin waren die mehr oder weniger ungehaltenen Besucher in der Lanxess-Arena eingesperrt, wo sich etliche "das Festival schön saufen" mussten (so öfters auf Facebook zu lesen).

Amphioutfit Tag 1

Das Töchti und ich zogen wie 1000e andere unsere Kreise im Innenbereich um die Arena herum - so ungefähr müssen sich Muslime im Gedrängel bei der Umrundung der Ka'aba fühlen, nur daß wir nicht in weiß, sondern in schwarz unterwegs waren - und begutachteten das gastronomische Angebot. Das war dieses Jahr erstaunlich vielfältig (besonders, als schließlich der Außenbereich öffnete) und die Preise... naja, sooo viel günstiger als im Tanzbrunnen waren sie nicht, aber für das eine Wochenende zu verschmerzen. 3 Euro für eine Bratwurst ist ja fast schon normal und 4 Euro für fast einen halben Liter Cola im Plastikbecher, den man sich am Trinkwasserbrunnen kostenlos nachfüllen konnte, okeeee... Kinopreise halt... *grimassenschneidet*
Da wir beim Unrunden der Arena - der Samstagsplan inkl. Shoppingtour, Flanieren im Außenbereich und abends gemütlich DAF hören fiel ja ins Wasser - bald auf Bekannte trafen und neue kennenlernen dürften, hatten wir trotz dieses holprigen Amphistarts einen einigermaßen lustigen Tag. Wir quatschten viel, wir lästerten und lachten und hatten unter'm Strich doch ziemlich viel Spaß, besonders als Ian von Gotikatur - wir haben uns sehr gefreut, dich kennenzulernen :) - sein schwarzes Buch zückte und uns zu zeichnen begann. Mit Ian hingen wir dann auch den größten Teil des Tages ab - irgendwie hatten wir uns sehr viel zu erzählen - und begaben uns nach etlichen Hinweisen auf eine indoor-Händlermeile auf die Suche nach derselben. Die stellte sich als ziemlich tricky heraus, aber nach langem Herumgekreisele und Zickzackkursen im Labyrinth aus Absperrbändern und Bauzäunen - Wegweiser und Hinweisschilder fehlten definitiv - fanden wir ungefähr ein Dutzend Stände in einem Gebäude, wo auch noch genügend Platz für weitere gewesen wäre, die allerdings draußen standen und nicht öffnen dürften. 

Gotikatur: Muddi und Töchti

Am zweiten Amphitag - meinem Geburtstag - waren uns die Wettergötter dann endlich hold und die Sonne schien. Glücklicherweise wurde es jedoch nicht so heiß wie letztes Jahr, die Temperaturen blieben angenehm, das Make-up schmolz nicht und die Haare hielten trotz teils garstiger Windböen ebenso - dank viel, viel Haarlack. Vorsichtshalber hatten wir wieder eine Flasche davon dabei. Ein anständiger Grufti geht ja ohnehin nie ohne aus :D


Welchen Unterschied das gute Wetter und der endlich offene open air-Bereich doch machten! Die Masse, die am Tag zuvor in der Arena eingepfercht war, verteilte sich nun auf dem gesamten und doch recht großzügigen Gelände. Wir strolchten herum und entdeckten immer mehr und dabei auch die Liegewiese mit der Green Stage und ein paar Händlerständen. Dort machten wir dann auch das Zelt von Parfume Noire ausfindig, wo ich die liebe Nachtkatze vermutete. Ihr mißtrauischer Gesichtsausdruck, als ich sie ansprach, war unbezahlbar: "Oh, Goth, woher kennt die Trutsche mich?" *lach* Aber als ich das Töchti und mich dann vorstellte, änderte sich das schnell...


Nach ausgiebigem Shopping - das Kind war wild entschlossen, seiner Mama etwas Schönes zum Geburtstag zu schenken - war ich stolze Besitzerin der Fledermaushandtasche von Banned, die ich schon lange anschmachte, und dem passenden Portemonnaie, das das Töchti mir überreichte. Danke, meine Süße!

Das Töchti in Mamas antiken Samtklamotten

Irgendwann begaben wir uns doch in die Arena. Für mich stellt die Arena mit ihrem schier endlosen Platz und den unzähligen Sitzgelegenheiten einen enormen Vorteil dar, den der neue Veranstaltungsort gegenüber dem Tanzbrunnen hat. Auch wenn ich liebend gerne stundenlang direkt vor der Bühne abtanzen würde, schaffe ich's aus gesundheitlichen Gründen nicht. Ich hab' Rheuma und bekomme wahnsinnige Rücken- und Gelenkschmerzen, wenn ich mich längere Zeit nicht setzen kann. Das hat mir schon das Amphi letztes Jahr ein wenig verhagelt :P 
Dieses Jahr jedoch machte ich nicht schlapp, da ich die Konzerte, die ich mir anhören wollte bzw. musste *zumtöchtischielt*, auf einem der bequemen Sitze in der Lanxess Arena genießen konnte. Nur bei The Mission hielt mich nichts mehr, die musste ich in unmittelbarer Nähe erleben ;) 



Tja, wie war das Amphi nun? Alles in allem ein etwas holpriger Neustart für das Festival an einem Veranstaltungsort, der anscheinend den wenigsten Besuchern zusagt - diesen Eindruck gewinnt man jedenfalls, liest man sich durch die vielen Kommentare auf der Facebookseite des Amphi Festivals. Auch nett, wenn Leute über die neue Location und das Festival motzen, die gar nicht da gewesen sind und sich eigentlich kein Urteil erlauben können *räusper*

Was mir persönlich überhaupt nicht gefallen hat, waren die Pottsäue, die ihre teilweise noch vollen Becher mit in die Arena nahmen und mit mehr oder weniger Inhalt einfach während des Konzerts fallen ließen. Der Boden war insbesondere vor der Bühne übersät mit zertrampelten Bechern und anderem Zeugs und klebte. Den unermüdlichen Servicekräften sei Dank, die den Müll so gut, wie es ging, zwischen den Gigs beseitigten, stapelte sich der Dreck nicht bis unter die Decke. Darüber wurde auf FB auch lang und ausgiebig geschimpft und es war selbstverständlich die Schuld des Veranstalters, der kein Pfand auf die Plastikbecher erhoben hat. Der Veranstalter kann allerdings nichts dafür, daß etliche Leute zu doof oder zu faul waren, ihre Becher zur Becherrückgabe zu bringen oder in Mülltonnen zu werfen, die überall auf dem Gelände herumstanden.
Trotzdem wäre Becherpfand eine gute Idee, diesem Sumpf einen Riegel vorzuschieben.

Ein weiterer Kritikpunkt war die Akustik der Lanxess Arena.
Hmmja, ich empfand die Akustik trotz einiger Fehler der Tontechniker - schrilles Gequietsche aus Waynes Mikro, während er sang, z.B. - als gar nicht so schlecht. Sicherlich dröhnte es ab und an und der Klang war abhängig davon, wo man sich in der Arena aufhielt, etwas dumpf, aber das war kein Vergleich zu dem Gebrumme im Staatenhaus! Zumal die Arena sehr viel mehr Platz bietet und über eine hervorragend arbeitende Klimaanlage verfügt...

Ja, der Tanzbrunnen ist netter, die Lage am Rhein schöner, das Gelände ansprechender. Aber bedenkt man Vor- und Nachteile beider Locations, so halten die sich doch die Waage.
Der Tanzbrunnen war diesem Ansturm nicht mehr gewachsen, Staatenhaus und Theater boten nicht genügend Plätze für alle Besucher, etliche Leute wurden von Veranstaltungen ausgeschlossen, weil die Kapazität (insbesondere vom Theater) nicht ausreichte.
Abgesehen davon, daß der Amphisamstag aufgrund des Unwetters wahrscheinlich ganz ausgefallen wäre, hätte das Festival im Tanzbrunnen stattgefunden...

Gut, ich habe anfangs auch genölt, ich wolle wieder zum Tanzbrunnen zurück, die Arena sei häßlich etc. und ehrlich gesagt, bin ich immer noch zwiegespalten, was ich von der neuen Location halten soll, aber deren Vorteile liegen jedenfalls für mich auf der Hand. Und mal ehrlich: es war ja nicht alles schlecht, oder? Sonst wären die meisten am Sonntag wohl gar nicht wiedergekommen ;)

Ich denke, daß sich sowohl die Besucher als auch die Veranstalter erst einmal an die Lanxess Arena, deren Umgebung und deren Eigenheiten gewöhnen müssen. Wer jedoch schon mit der Erwartungshaltung "Das Festival wird besch..." hingegangen ist, wird sich wohl bestätigt sehen. Wenn man Haare in der Suppe sucht, findet man auch welche und verliert dabei möglicherweise alles andere aus dem Blick.
Tja, und die Kinderkrankheiten, die nach dem Umzug aufgetreten sind, werden hoffentlich nächstes Jahr ausgemerzt werden. Ich erlaube mir, diesbezüglich mal optimistisch zu sein und zu hoffen, daß die Veranstalter aus den Mißgeschicken und Pannen dieses Jahres lernen.
Den Meckerfritzen möchte ich allerdings sagen, daß es an euch liegt, was ihr während einer Veranstaltung erlebt, die aufgrund widriger Umstände vielleicht nicht so glatt läuft, wie ihr das erwartet. Ja, ihr habt einen Haufen Kohle für dieses WE hingelegt, aber lamentierend vor'm Bierstand herumzutorkeln und schon um 12 Uhr mittags hackedicht zu sein, macht's auch nicht besser. Konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge anstatt "Die Arena ist so Scheiße und hat keinen Flair" hilft dem Veranstalter sehr viel mehr weiter als diffuses Gejammer. Ein Festival ist schließlich auch das, was die Besucher daraus machen ;)
So, Ende der Moralpredigt!

Zum Schluß noch der Link zu einem Foto von Töchti und mir: Virtual Nights
Wir sehen uns nächstes Jahr auf dem Amphi! Trotzdem...

Sonntag, 3. August 2014

Amphi 2014 - Reflektionen eines 80er Jahre Relikts

Die Euphorie, die der erste Tag auf dem Amphi hervorgerufen hatte, hatte sich am Sonntagmorgen etwas gelegt und während das Kreppeisen aufheizte und auf seinen Einsatz wartete, reflektierte man die gestrigen Erlebnisse. 
Einiges fand ich 80er Jahre Relikt, da ich nun über den rostigen Gitterzaun des heimischen Friedhofs blickte, sehr befremdlich. Die Szene, die ich in Erinnerung habe, hat sich doch sehr verändert, zumindest optisch.
Einige Besucher trugen kunstvolle Verkleidungen und aufwendige Kostüme, als seien sie einem Fantasyfilm entsprungen oder hätten sich auf dem Weg zum nächsten LARP verlaufen. Andere schmückten ihr Haupt mit in Streifen geschnittenen Mülltüten, Absperrbändern und Gartenschläuchen und waren wie schrille Paradiesvögel oder Sahnetörtchen in Weiß und Pink oder sonstwie bunt gewandet. Äääääh...schwarze Szene? Schwarz? Diese dunkle Unfarbe?

Liebe Piratenbräute, Steampunks, Cybers und andere Farbfetischisten, nein, ich habe wirklich nichts gegen euch, ich kenne keinen von euch persönlich, aber habt Erbarmen mit einer alten Tucke wie mir, die euer Styling einfach merkwürdig findet. So unschwarz und ungruftig. Und ein Cybergothpunkwhatever (wie nun genau bezeichnet ihr euch?) erinnert mich irgendwie an das, was 'rauskommen könnte, wenn man einen Predator und einen Tribble kreuzt und mit Neonfarbe besprüht. Ihr seid mir einfach fremd - jedenfalls euer Outfit.
Naja, vielleicht sind ja die Seelen dieser Quietschbunten so tiefpechrabenschwarz, daß sie das Äußere wieder ausgleichen? Interessieren würde es mich ja schon, ob sich diese Leute, die sich so auffällig kleiden, zur schwarzen Szene zugehörig fühlen und wenn ja, wo sie die Gemeinsamkeiten zu den Friedhofsgängern, wie ich einer bin, sehen. Falls es die überhaupt gibt, die Gemeinsamkeiten...
Mir ist schon klar, daß die Szene nicht mehr so übersichtlich und homogen ist wie vor einem guten Vierteljahrhundert.

"Ok", erklärte ich dem Töchti, das diese Buntis ebenfalls merkwürdig fand, "wenn sich die Leute in diesen Outfits so gefallen, sollen sie die doch tragen. Wie wir herumlaufen, ist auch nicht jedermanns Sache." Es gab da einen Zwischenfall auf dem Amphi, da jemandem meine Pikes auffielen und er sich darüber wunderte, da er schon lange keine mehr gesehen hätte. Er musterte mich von Kopf bis Fuß und stellte fest, daß ich wohl ein richtiger old school Grufti wäre (ich fühlte mich da doch geschmeichelt, in die Schublade gesteckt zu werden, in der ich mich am wohlsten fühle). Und dann kam's...
"Das ist doch total out", sagte er. Grrrrrrrr!!!!!!!!
Ich unterdrückte den ersten Reflex, ihm freundlich eins hinter die Löffel zu geben  - die schwarze Szene ist ja so friedliebend, jawoll! - und erwiderte ruhig, daß er ja wohl nicht uptodate sei, die 80er wieder schwer im Kommen und Pikes ohnehin nie out gewesen seien. Dann gingen wir. 
Diese Bemerkung, die ich, um es mal klarzustellen, nicht als Verunglimpfung - höchstens im allerersten Moment - oder Kritik empfand, war wohl eher ironisch gemeint, kam sie doch von jemandem, der in den 80ern bestimmt älter war als ich und auch keine hippen Gartenschläuche auf dem Kopf oder Cupcaketäschchen am Gürtel trug.

Der Großteil der Besucher jedoch war den Temperaturen angemessen und völlig normal schwarz *hüstel* gekleidet. Ins Auge stachen mir dann doch wieder ein paar Typen, die Uniform trugen. Wohlgemerkt, ich meine jetzt keine Mädels, die aussehen wie freundliche PanAm-Stewardessen oder Typen, die einen auf Top Gun in Schwarz machen, sondern die, die richtige Uniformen tragen (wenn ich mich nicht irre, lief u.a. einer in NVA-Klamotte herum) oder solche, die an die gewisser Organisationen aus der Zeit zwischen 1933 - 45 erinnern und die in Deutschland schlicht und einfach verboten sind. Und nein, es reicht eben nicht, nur die Hakenkreuze wegzulassen, Abatz 2 von § 86a StGB zum "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" lautet: "Kennzeichen im Sinne des Absatzes 1 sind namentlich Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen. Den in Satz 1 genannten Kennzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind." Dazu gehören auch die Uniformen der HJ, SS, Waffen-SS oder SA. 

Da mein Gatte reenactet und ich weiß, welch sensibles Thema diese Uniformgeschichte ist und wie man damit in der Reenactment- bzw. WK2szene verfährt, erstaunt, ja erschreckt es mich um so mehr, wie lax mit dieser Problematik in der schwarzen Szene umgegangen wird. 
 Von "Wir sind ja so tolerant" *lalalala* über vollkommenes Unwissen, was die entsprechende Rechtslage in Deutschland angeht, bis hin zu "Wenn hier jetzt schon, in unserer scene, über den klamottenstil gestritten wird, dann ist es so weit. klar, auch ich sehe einige in "uniformen" die asotiationen wecken könnten, aber bisher dachte ich, das geschieht meist, bei dem "normalen" teil der bevölkerung." (Zitat aus einem der Threads von der FB-Seite des Amphifestivals, wo dieses Problem zur Sprache kam. Die Fehler sind nicht von mir *GG*) findet man beinahe alles an Ist-mir-egal-Attitüden.
HALLOHOOOOO? Geht's noch? Sagt mal, tickt ihr noch ganz sauber? Oder hat euch das Dogma der szenetypischen Friedfertigkeit und Toleranz schon das Hirn zu sehr aufgeweicht, daß ihr alles widerspruchslos hinnehmt? Kopf -> Tisch
Nein, ich möchte keinem Typen in HJ-Klamotte auf einem schwarzen Festival über den Weg laufen, keinem Pulk in SS-Uniformen oder Outfits, die daran erinnern! Leuten, die solche Klamotten tragen, unterstelle ich auch eine solche Gesinnung oder zumindest eine gewisse Nähe zum rechten Rand unserer Gesellschaft. Provokation ist schön und gut oder der Wunsch, Finsternis und Untergang darzustellen. Aber das kann man mit ein wenig Kreativität auch anders. 
Dieser Weg ist m.E. kein geeigneter, da er eine eindeutige politische Haltung zum Ausdruck bringt. Und war die schwarze Szene eigentlich nicht immer unpolitisch?
Nicht das schwarze Individuum an sich, aber die Szene im Großen und Ganzen folgte doch nie einer bestimmten Richtung und ordnete sich einer politischen Organisation unter, weder äußerlich noch ideell.  Ist das jetzt anders - zumindest bei einem Teil der Szene?

Meine Schmerzgrenze (und wohl nicht nur meine, wie etliche Posts auf FB belegen) ist jedenfalls bei weitem überschritten worden...
Ich kriege Magendrücken bei diesem Anblick und das nicht nur, weil ich mich daran erinnert fühle, daß die Rechten früher (also in meiner Jugend) gerne loszogen, um "ein paar Schwarze zu klatschen" und auch mal krankenhausreif schlugen. 
Ich empfinde es als eine ausgesprochene Verunglimpfung und Verhöhnung der Opfer dieser Epochen der deutschen Geschichte - sowohl die Zeit des Dritten Reichs als auch die der DDR -, wenn diese Uniformen als Kostüm von solchen Spaßvögeln getragen werden, denen die nötige Sensibilität fehlt, um zu erkennen, welch menschenfeindliche Haltung sie damit zum Ausdruck bringen. 

Ohnehin finde ich es seltsam, daß Uniformen oder Uniformteile zu Stylingelementen in der schwarzen Szene geworden sind. Uniform ist doch etwas, was wir nie sein und nie tragen wollten, oder?
Paradox...

Glücklicherweise konnte man diese Typen aber an einer Hand abzählen.
Kurioserweise und möglicherweise, weil die Security aufgrund einer ungenauen Anweisung von oben nach Gutdünken entscheiden konnte, was als bedrohlich, Waffe oder Waffenattrappe galt, wurde diesen Typen Zutritt zum Festivalgelände gewährt. Bei manchen WK2-Reenactments ist es hingegen schon vorgekommen, daß die Polizei nach dem Rechten (oder vielmehr den Rechten) gesehen hat oder der Veranstalter Besucher in entsprechender Klamotte vom Veranstaltungsgelände entfernen ließ, da die anderen Teilnehmer mit Personen, die eine derartige Gesinnung zur Schau trugen, nicht in einen Topf oder gar zusammen fotografiert werden mochten.

Friedliche Gruftis mit Nietenhalsbändern - damit könne man jemanden ja ein Auge ausstechen - mussten jedoch draußen bleiben, obwohl man eben solchen Schmuck auf dem Amphi käuflich erwerben konnte.
Muß man nicht verstehen...
Demnächst bleiben dann auch die Cybers draußen, die ja mit ihren Plastikschläuchen jemanden erwürgen könnten. Und Killernieten, KILLERnieten stellen ja schon aufgrund ihres Namens eine Gefahr für Leib und Leben dar...
Wahrscheinlich sind die Pikes heutzutage deshalb auch nicht mehr so spitz wie früher. Man könnte damit ja jemandem ein Loch ins Schienbein treten...  

Jetzt habe ich mich so lang und breit über diese wenigen negativen Momente auf dem Amphi ausgelassen, daß man beinahe glauben könnte, mir hätte das Festival überhaupt nicht gefallen. Hat es aber! Sogar sehr!
So sehr, daß ich meinen Geburtstag nächstes Jahr wieder dort feiern werde.
Ja, auch 2015 findet das Amphi genau dann statt :D 

Die vielen positiven Eindrücke überwiegen einfach und deshalb sehen wir uns in einem Jahr in Köln wieder...
Und bitte ladet doch auch She past away nochmals ein! 

Freitag, 1. August 2014

Amphi 2014 - Tag 2

Den Sonntagmorgen gingen wir geruhsamer an.
Unsere Lieblingsbands hatten samstags gespielt, heute wollten wir uns ins Theater setzen und Lesungen und Vorträgen lauschen, noch ein paar Bekannte treffen, etwas shoppen gehen und...mal sehen...

Wir gelangten rasch und ohne Probleme auf das Festivalgelände. Die Taschenkontrolle am Eingang verlief zügig und so früh am Morgen war die Security noch nicht überarbeitet und gut gelaunt. Auch unsere Flasche Haarlack und der Toupierkamm dürften wieder passieren. Ich mein', welcher anständige Grufti verläßt schon ohne Haarlack das Haus? ;)
Kaum auf dem Festivalgelände wurde die 0,5 l-Colaflasche, die wir am Tag zuvor für unglaubliche 5 Euro (inkl. 50 Cent Pfand) erstanden hatten, an einem der Trinkwasserbrunnen aufgefüllt. Glücklicherweise hatte der Veranstalter drei Wasserzapfanlagen zur Verfügung gestellt (worauf der Moderator immer wieder hinwies und die Leute aufforderte, ausreichend zu trinken), sonst wäre wahrscheinlich mindestens die Hälfte der Besucher mit Kreislaufkollaps wg. Flüssigkeitsmangels zusammengebrochen. Denn die Preise der GAstronomie waren so astronomisch hoch - steckt ja schon im Begriff selbst -, daß wohl manch einer eher verdurstet wäre, als genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Und bei den sommerlichen Temperaturen geht das schnell...


Schade, daß sich da der Inhaber des Tanzbrunnens, der sich wohl für die Gastronomie verantwortlich zeichnet, so querstellt und die Preise so hoch ansetzt. Denn nicht nur wir hätten mehr verzehrt, wären Getränke und Speisen günstiger gewesen. Die Pizza Margherita von der Größe einer kleinen Frisbeescheibe für 5,50 Euro und die schmeckte wie eine labberige Qualle, machte immerhin satt. Ein kulinarisches Highlight war sie nicht. Das darf man bei einem solchen Massenevent auch nicht erwarten
Aber der Tanzbrunnen liegt ja glücklicherweise nur ca. 10 Minuten Fußweg von einer Mäckesfiliale im Deutzer Bahnhof entfernt...

Wie dem auch sei, wir standen kurz vor 12 Uhr mit wohlgefüllter Wasserflasche vor dem Theater, in das wir wenig später eingelassen wurden.
Als erstes hörten wir eine Lesung von Ecki Stieg, der aus verschiedenen seiner Essays vortrug. Besonders sympathisch fand ich, daß er sich selbst über seine Schriebse kaputtlachte und kichernd gestand, er habe das Zeug selbst seit ewigen Zeiten nicht mehr gelesen, aber stünde immer noch dahinter.
Aus "I am the DJ" (unter diesem Link ist der entsprechende Aufsatz zu finden) gab es mehrere Auszüge. Als er die verschiedenen Typen charakterisierte, die in einem Szeneclub abhängen, kam er auch zum "80er Jahre Relikt": "Ist entweder in dieser Phase groß geworden oder geschmacklich darin hängen geblieben. (...) Ist noch nostalgischer und lamentierender als der alte Goth-Sack und versucht im Gegensatz zu diesem, dem optischen Stil der 80er zu entsprechen." 
Und das Töchti kreischte entzückt los: "Mama, der redet von dir!"
Ich versank in meinem Stuhl. Um mich herum kicherte es und mitfühlende Blicke Gleichaltriger trafen mich. Ich war nicht allein. Puuuuuh *erleichtertdurchatmet*

Irgendwann war dann auch der "alte Goth-Sack" an der Reihe, dem ich - auch musikalisch - viel näher stehe als dem "80er Jahre Relikt": "...ist Neuem gegenüber aufgeschlossen, freut sich aber dennoch, wenn sein Lieblingsstück kommt, das gemeinhin von The Cure, Bauhaus oder Joy Division stammt." Zum tanzen bin ich allerdings nicht zu träge und zu fett, das will ich nur mal klarstellen! 
Es war unheimlich, wie genau Ecki Stieg benennen konnte, welche Musik ich daheim so dudele. Und er wußte sogar, daß ich Ramones höre...

Danach folgte die Lesung von Markus Heitz. Nun gut, wirklich neugierig gemacht hat mich ehrlich gesagt keiner der "Kinotrailer" (so betitelte der Autor selbst die Exzerpte aus seinen Werken), die er da zum Besten gab. Aber vielleicht gucke ich mal in seine Bücher, sofern mir mal eins über den Weg läuft (wahrscheinlich findet man die im Bonner Comicladen). Der Vortrag war jedoch ein recht vergnüglicher und kurzweiliger, aber dann kam der Knaller des Tages: der Tod!

Den Tod muß man live (üb-)erleben. Zwar findet man auch Videos und Sketche im Internet, aber live ist er der Brüller schlechthin. Ich verweise hier auf seine Homepage endlich-tod.de, die er nach eigenen Worten einem Emo abgehandelt hat. Es sei für beide eine Win-win-Situation gewesen, erklärte er.
Der Tod befindet sich zur Zeit auf einer Imagekampagne durch Deutschland, da Sterben bei uns einen so schlechten Ruf besitzt. Dabei sind Radieschen von unten betrachtet eigentlich ganz harmlos.

Töchti und ich ganz erschlagen von der Hitze

Nach ca. drei Stunden verließen wir das Theater (mit Klimaanlage und sie lief sogar!) und bummelten planlos herum. Dabei trafen wir auf ein paar Bekannte, die auf der Wiese hinter der Händlermeile lagerten, ließen uns dort auch im Schatten nieder und quatschten ein bißchen. Ganz spontan beschlossen wir, uns um 17 Uhr im Staatenhaus Roter Sand anzusehen und obwohl die ja eigentlich nicht meine Mucke spielen, gefielen sie mir überraschenderweise sehr. Es passierte eben das, was immer geschieht, reißt einen die Atmosphäre und die Musik mit: irgendwann fängt man an zu tanzen und mitzuklatschen und am Ende ist man pitschnaß :D



Danach brauchten wir dringend etwas zu trinken. Die Akkustik im Staatenhaus ließ etwas zu wünschen übrig und die Lautstärke und vor allen die Bässe ließen unsere Ohren klingeln. Die Luft kochte. Also nichts wie raus da, als das Konzert vorbei war, und ab zum Trinkwasserbrunnen, wo erst einmal die beim Tanzen verlorene Flüssigkeit wieder aufgefüllt wurde. Die erschien im Nullkommanichts wieder auf der Hautoberfläche, die Klamotten klebten schweißgetränkt an mir, der gekreppte Wuschelkopf hatte schon arg gelitten, aber mein Deo hielt und ich fühlte mich einfach nur großartig!


Da das Töchti noch vorhatte, die letzten Reste seiner Amphikohle 'rauszuhauen, marschierten wir wieder zur Händlermeile. Irgendwann blieben wir bei Apoptygma Berzerk, die auf der Mainstage spielten, kleben. Fand das Kind nicht so berauschend, Muttern dafür um so mehr, als sie Major Tom spielten und die ganzen alten Goth-Säcke "Völlig losgehelöst von der Erde schwebt das Rauhaumschiff..." gröhlten und man sich wieder wie 13 fühlen konnte. Die Jüngeren blickten zwar etwas verstört um sich, aber das juckte keinen :D

Hier mal die Version von Peter Schilling:


Da Töchti ein immer längeres Gesicht machte, auch weil sie Kopfweh bekam, suchten wir uns ein ruhigeres Plätzchen, kauften uns noch etwas zu trinken (ja, diesmal hatte ich meine Rheumatabletten dabei und auch welche genommen, daß der Amphisonntag wesentlich schmerzfreier für mich ablief) und liefen noch etwas herum. Dabei trafen wir dann endlich auf zwei Bekannte, mit denen man bislang nur via Facebook Kontakt hatte, die jedoch, wie wir auch, schon beschlossen hatten, aufzubrechen. Hinzu gesellten sich noch zwei junge Gruftis aus Berlin, die sich vollkommen old school stylen. Die beiden Süßen machten alles wieder wett, was mir negativ auf dem Amphi aufgefallen war (dazu später). Sie waren superlieb und nett und sahen einfach nur toll aus! Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich das Foto, das ich von den beiden geschossen habe, hier veröffentliche. Da aber zahlreiche Bilder von den beiden in div. Amphigalerien existieren, geht es wohl klar, denke ich.


Das Treffen war wie gesagt kurz, aber dafür um so herzlicher und lustiger. Es ist eben einfach toll (auch wenn ich mich jetzt wiederhole), die Leute, die man aus dem www kennt, live zu erleben und festzustellen, daß man sich sympathisch ist. Gleichgesinnte zu treffen - und das haben wir auf dem Amphi definitiv! - ist unbezahlbar!

Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 30. Juli 2014

Amphi 2014 - Tag 1

Am 26. und 27. Juli fand im Kölner Tanzbrunnen das zehnte Amphifestival statt und damit meine erste schwarze Veranstaltung seit Jahrzehnten.
Und es war geil, saugeil sogar!


Der erste Amphitag - mein Geburtstag - begann in aller Herrgothsfrühe, um ausreichend Zeit zu haben, die Haare mit dem Kreppeisen zu malträtieren, sich weiße Schminke ins Gesicht zu klatschen und die Pikes zuzuschnallen. 
Aufgrund meiner Erfahrungen mit anderen Massenevents wollte ich früh los, um vor Einlaßbeginn beim Tanzbrunnen zu sein. Also fuhren wir Punkt 9 Uhr los, um eine gute halbe Stunde später vor dem Haupteingang einzutrudeln, wo der weltbeste Gatte Töchti und mich absetzte.
Dort tummelten sich jedoch nur eine Handvoll schwarzer Gestalten und eine andere Handvoll kreischbunter Typen mit Plastikmüll auf dem Kopf und neonfarbenen Tribbles an den Waden. Der erste Kulturschock für ein 80er Jahre Relikt bzw. alten Gothsack - wie ich in der Lesung von Ecki Stieg am Amphisonntag erfahren habe, bin ich ein Mischtyp - wie mich. Und die Klingonin schüttelt sich sowieso beim Anblick der farbenfrohen Tribbles...
Na ja, jeder Jeck ist anners und mer sinn ja in Kölle und da ist eh immer chronisch Fastelovend.

Wir waren also früh genug da, um kurz nach 10 Uhr, als mit klitzekleiner Verspätung geöffnet wurde, unsere Festivalbändchen zu erhalten und waren unter den Ersten auf dem Gelände.


Es war halt noch nichts los, das erste Konzert sollte um 12 Uhr auf der Mainstage stattfinden: The Juggernauts. Da die uns nicht wirklich interessierten, schlenderten wir über die Händlermeile, sahen uns die verschiedenen Stände an und sichteten das Angebot. Der erste Eindruck: joa, halt das übliche Zeugs, das es im Internet oder den schwarzen Läden überall zu kaufen gibt. Es waren jedoch auch etliche Händler da, die eigene Kollektionen her- und ausstellten, Handgemachtes und Unikate und da waren einige schöne Sachen dabei.


Und dann sah ich sie. Drei verschiedene Modelle. Nach unzähligen Paaren dicker Plastikklotschen. Pikes. PIKES!!! Ich befingerte sie ungläubig, einen Schuh nach dem anderen, drehte und wendete sie und prüfte das Leder und die Sohlen. Das eine Modell fiel bei mir gleich unten durch, obwohl es hübsch aussah, aber das anscheinend irgendwie beschichtete Leder - obwohl es echtes Leder sein sollte - fühlte sich merkwürdig an, als hätte man ein Kondom darauf geschweißt. Das andere Modell - ein Neunschnaller - gefiel mir schon besser, aber die Schnallen waren zu klein und daher zu weit auseinander. Beide kamen von Nevermind. Das dritte Modell - Veloursleder, hahaaaaaa! - besaß drei große Schnallen, Strippen mit Klettverschluß und sollte 129 Euronen kosten. Hersteller: Bed & Breakfast, äh, sorry, ich meinte Boots & Braces natürlich.
Ende der 80er besaß ich ähnliche Boots, die ich damals für 35 DM bei Reno erstanden hatte, und mein nostalgisches Alter-Gothsackherz begann schneller zu schlagen. Ich quatschte kurz mit einem der sehr netten Verkäufer, beschloß, noch ein wenig zu überlegen und erst einmal eine Runde um den Block zu drehen. Es dauerte keine fünf Minuten, bis ich feststellte, daß ich total doof sei. Da gab es Pikes - PIIIIIIIKES! -  in meiner Größe und in Veloursleder und ich überlegte, ob ich sie mir kaufen sollte. War ich noch ganz gar? Was gab es da zu überlegen? Ich stürmte wild entschlossen zurück, probierte die 42er an und sie passten wie angegossen. Fünf Minuten später waren sie mein!
Hatte ich Tage zuvor nicht noch getönt, daß ich keine Boots von B&B haben wolle, weil sie nicht spitz genug seien? Sch... drauf! Es lebe die Inkonsequenz! :D
Die neuen Schätzchen stelle ich noch mal gesondert vor, sonst wird dieser ohnehin schon zu lange Post noch länger!



Es wurde allmählich voller und wir machten uns auf den Weg zur Mainstage, wo bald mein persönliches Amphi-Highlight She past away auftreten sollte. Wir bekamen noch die letzten Takte von The Juggernauts mit und dann dauerte es auch nicht mehr lange und Volkan und Idris betraten die Bühne. Und zu meiner großen Freude spielten sie auch ihren bekanntesten Song mit dem für ein Geburtstagsständchen passenden Namen Kasvetli Kutlama (wobei kasvetli düster, öde bedeutet und kutlama Feier, Glückwunsch). Musik wie früher, so richtig, um sich davon durchfluten zu lassen, haaaaach!



Mehr meiner Fotos von den beiden Jungs gibt es HIER!

Leider verließen She past away schon nach gefühlten vier Minuten die Bühne - tatsächlich waren 40 Minuten Spielzeit für die zwei vorgesehen gewesen. Viel zu kurz. Vier Stunden wären so gerade ausreichend gewesen :D

Danach folgte gleich mein zweites Highlight: Clan of Xymox und auch die waren toll - fand ich zumindest.



Und weil es so schön und so geplant war, sahen wir uns gleich im Anschluß daran Lord of the Lost an - Töchtis Amphihelden! Die wurden vom Moderator als "die schönsten Sixpacks von St. Pauli" angekündigt - höhöhö! Ach, was soll ich viele Worte verlieren, guckt euch die Fotos an (die Links führen zu meinen entsprechenden FB-Alben)!



Die Jungs sind jedenfalls sehr lieb und nett, waren am Samstag sehr fleißig (Konzert und anschließend drei Autogrammsessions) und beim Meet&Greet um 20 Uhr am Stand von Queen of Darkness kam das Töchti in den Genuß eines gemeinsamen Fotos mit ihren Helden und eines kurzen, humorvollen Gesprächs mit Chris Harms. Er ist wirklich wahnsinnig toll mit seinen Fans!

Abgesehen davon kamen auch die sozialen Kontakte nicht zu kurz: man lernte seine Internetbekanntschaften endlich persönlich kennen und stellte fest, daß man sich auch im richtigen Leben mag. Überhaupt waren alle Leute, mit denen man ins Gespräch kam, super drauf, freundlich und lustig...

Der erste Tag war leider viel zu schnell vorbei. Gesundheitliche Probleme meinerseits verhinderten, daß wir noch an einer Aftershowparty teilnehmen konnten. Naja, was vergesse ich blöde Kuh auch meine Rheumapillen! Am Sonntag war ich schlauer und stopfte sie in meine Tasche...

Fortsetzung folgt....



Dienstag, 29. Juli 2014

Schwarzes Gesplitter

Ja, ich lebe noch!
Auch wenn ich mich in der letzten Zeit gar nicht gerüppelt habe...
Aber dafür habe ich ein paar Ausreden parat.

Zunächst war da einmal wieder ein recht erschreckendes Gespräch mit der Direktorin und der Klassenlehrerin unseres Sohn bezüglich seiner Kleidung. Er trägt gerne schwarze Yakuza-Shirts mit mehr oder weniger martialischen Motiven und kernigen Sprüchen (jedoch keine Symbole oder Parolen rechter oder gar verbotener Organisationen o.ä.! Das käme uns eh nicht ins Haus!). Die sind wohl einer Mitschülerin ein Dorn im Auge gewesen und so hat sie sich bei der Klassenlehrerin beschwert, sie könne sich nicht konzentrieren, wenn sie andauernd auf Sohnemanns T-Shirt gucken müsse. Aaaaah ja....
Ich denke ja, das Mädel sollte besser auf die Tafel schauen und den weisen Worten ihrer Lehrer lauschen anstatt das Styling ihrer Klassenkameraden unter die Lupe zu nehmen. Aber aus irgendeinem Grund, den ich nicht wirklich nachvollziehen kann, pflichtet die Lehrerin der selbsternannten Modepolizistin bei. 

Einem kurzen Schriftverkehr mit den eigensinnigen Eltern unseres Sohnes folgte die Einladung zu einem persönlichen Gespräch...mal wieder!
Fazit: Yakuza-Shirts sind in der Schule verboten, weil...
1. ...sie den Unterricht stören. Sie reden zwar nicht dazwischen, die Shirts, werfen auch nicht mit Papierkügelchen und ziehen die Mädchen an den blondierten, geglätteisten Haaren, aber sie stören - ganz plötzlich. Denn mein Sohn läuft damit schon seit zwei Jahren herum und auf einmal fallen die Yakuzas auf. Wenn ich nur wüsste, wieso...
2. ...sich die Klassenlehrerin durch die Shirts beleidigt sieht. Warum auch immer sie sich von den Yakuzas angesprochen fühlt... Es steht weder ihr Name drauf - Frau D., fuck off! z.B. - noch hat es ihr Konterfei bislang auf eines der Shirts geschafft. Wenn, würden wir es ohnehin nicht kaufen ;)
3. ...sich die Direktorin verpflichtet fühlt, auf das Styling ihrer Schüler zu achten und sie in Selbstvorwürfen zerfließen würde, wenn das Kind später keinen Ausbildungsplatz erhielte oder im Berufsleben, falls es denn überhaupt einen ordentlichen Beruf erlernt, Probleme hat, nur weil sie, also die Schulleiterin, nicht eingegriffen hätte. Die Klassenlehrerin brüstete sich auch ganz stolz damit, wie tolerant sie wäre und den Mädchen rosa- und pinkfarbene Kleidung erlauben würde, obwohl sie diese Farben nicht ausstehen könne. Aber sie hätte auch schon Schüler während der Unterrichtszeit nach Hause zum Umziehen geschickt, weil ihr die Kleidung nicht passte. Darf sie zwar nicht, aber das Schulgesetz von NRW hat an der Schule eh keinen Bestand. Die machen da, was sie wollen...

Ein bißchen animal farm ist auch dabei: manche sind eben gleicher als andere. Wenn es verbindliche Kleidervorschriften oder gar eine Schuluniform gäbe, dann... aber es wird nach Gutdünken und persönlichem Gusto entschieden, wer welche Kleidung tragen darf. Und wessen Styling aus dem Raster der Direktorin bzw. Klassenlehrerin fällt, endet als Hartz-4ler oder gleich unter der Brücke, so der Tenor der Unterredung.
Demnach war ich am Wochenende (Amphi in Köln) auf einem der größten Arbeitslosentreffen überhaupt. Lauter Gesindel ohne Ausbildung und Job - etliche in schwarzen Yakuzashirts - trieb sich da herum, also neeee... 
Die Kohle für den Eintritt war wahrscheinlich auf der Straße zusammengeschnorrt. Haste mal 'ne Mark, äh 'nen Euro, ey?

Ein Gespenst geht um in der Schule - das Gespenst des Nonkonformismus...
Und das muß ausgetrieben werden - um jeden Preis! Da wird auf das Grundgesetz und die darin verankerten Grundrechte - besonders auf Artikel 2 - geschissen und sich unter dem Deckmäntelchen der elterlichen Sorge und als Erziehungsberechtigte in die persönlichen Belange der Schüler eingemischt. Die tatsächlichen Eltern des betreffenden Kindes werden entrechtet, die Freiheit der Erziehung mißachtet.

Das Gespräch endete im Grunde ergebnislos. 
Nun ja, nicht ganz, immerhin dienen die engstirnige Direktorin und die nicht minder voreingenommene Klassenlehrerin wunderbar als schlechte Beispiele für uns, um unseren Kindern klarzumachen, wie man Menschen eben NICHT behandelt. Man verurteilt und diskriminiert niemanden aufgrund seiner Kleidung (es gibt Ausnahmen, aber dazu in einem anderen Post), seiner Hautfarbe, seiner Religion etc.
Daß meine Kinder - das Töchti wurde kurz darauf auf ein Bandshirt angesprochen, das wiederum ihrer Klassenlehrerin nicht passte - so etwas nun am eigenen Leib erfahren, hilft ihnen hoffentlich dabei, die Vorurteile, die sie selbst dem ein oder anderen Typen gegenüber hegen, schneller zu überwinden und offener auf diese Leute zuzugehen.

Da ich vor 25 Jahren Abi gemacht habe, fand ein Vierteljahrhundertabitreffen statt. Immerhin zwei Drittel unserer Stufe war da. Es war genau so wie früher: die Schönen und Reichen saßen zusammen an einem Tisch und zeigten sich auf ihren Handys Fotos von ihren Häusern, Autos, Kindern, den Geranien auf dem Balkon vom 5-Sterne-Hotel in St. Moritz oder den Palmen auf den Seychellen und die Outlaws hockten an dem anderen und unterhielten sich. Ich saß nicht bei den Schönen und Reichen und deshalb hatte ich Spaß!

Ein Großteil meiner Zeit wurde von den Vorbereitungen für ein Seminar verschlungen, das ich an der Uni Leipzig gegeben habe. Leider habe ich es mal wieder nicht zum WGT geschafft. Dafür war ich vorher in Leipzig und da die schwarzen Läden ihre Bestände für das WGT bereits aufgestockt hatten, machte es richtig Spaß, dort herumzustöbern.

Und zum Zahnarzt mußte ich auch noch, schrecklich! Da leg' ich mich lieber unter 'ne Guillotine!

Endlich habe ich es geschafft, Fotos auf dem wunderschönen Alten Friedhof von Bonn zu machen. Plane ich schon seit Teenietagen, als wir noch des Nachts über den Zaun geklettert sind, weil der Friedhof bereits geschlossen war. Ein Post zum Alten Friedhof ist in Planung.

Und letztes WE besuchten Töchti und ich das Amphi.
Ein ausführlicher Bericht mit vielen Bildern folgt bald, wirklich BALD, versprochen!

Montag, 7. April 2014

Ich hab's getan!

Ja, wirklich, ich habe dem Töchti und mir zwei Tickets für das Amphi besorgt!
Daß der Termin dieses Jahr auf meinen Geburtstag fällt, habe ich als Wink des Schicksals verstanden, endlich meine Gruft und meinen heimischen Friedhof zu verlassen und mich nach vielen langen Jahren einmal wieder in die große, schwarze Welt zu wagen.
Ich befürchte, ich werde einen (Sub-)Kulturschock erleiden.
Da ich die Szene jahrelang beinahe ausschließlich via Internet und anderen Medien verfolgt habe und es nur in irgendwelchen dunklen Läden oder im www zu Kontakten mit anderem Schwarzvolk gekommen ist, ist mir ein wenig mulmig zumute, denn das, was heutzutage so herumgotht, hat zumindest oberflächlich betrachtet wenig mit den Gruftis zu tun, mit denen ich früher in den 80ern so abhing.

Ein schwarzes Festival von den Ausmaßen des WGT oder des Amphi habe ich nie besucht. Gab es damals auch nicht - jedenfalls nicht in unserer Ecke - und außerdem war ich minderjährig und kam nicht überall 'rein. Auch wenn man damals nicht so kontrollbesessen war wie heute und man seinen Perso so gut wie nie vorzeigen mußte, um in die Disco zu kommen, manchmal wurde man eben doch aufgrund seines jugendlichen Alters abgewiesen. Da ich ohnehin kein Partygänger bin und mir Menschenaufläufe ein Greuel sind, war das nicht weiter schlimm. Das Jugendschutzgesetz galt/gilt eben nicht für Friedhöfe. Und dort fühlte ich mich auch irgendwie wohler.

Tja, was treibt mich nun dazu, mich nach Jahrzehnten des einsamen Herumgruftens und sporadischen bunten Phasen (jaja, wirklich nur Phasen! *lach*) mich wieder in der schwarzen Öffentlichkeit blicken zu lassen?
In erster Linie Neugier. Neugier auf viele nette Menschen, die ich dank des Internets kennengelernt habe und die ich gerne persönlich treffen möchte. Menschen, mit denen mich einiges verbindet, wie ich glaube, obwohl wir uns noch nie begegnet sind.
Und auch auf die jüngeren Generationen bin ich gespannt und die Vielfältigkeit des Schwarzvolkes, die es damals in den 80ern einfach noch nicht gab. Ein wenig bang ist mir schon zumute, ob ich mich unter all diesen Gestalten noch genauso zuhause fühlen kann wie früher.
Aber eigentlich mischt sich in dieses mulmige Gefühl doch eine gehörige Portion Vorfreude :D