Posts mit dem Label Schule werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schule werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 3. Juni 2015

Gruftorexie - eine erbliche Krankheit?

Neulich war Tag der offenen Tür in der Schule.
Das Töchti wird trotz ihrem wilden Äußeren bei solchen Gelegenheiten immer wieder gern zu einem der Repräsentanten ihrer Schule gewählt und als Ansprechpartnerin für neue Schüler und deren Eltern auserkoren. Außerdem fungiert sie als Patin für eine der neuen fünften Klassen, denn das Töchti ist eloquent, höflich und hilfsbereit und im Umgang mit jüngeren Kindern sehr geduldig.
An diesem Tag arbeitete sie als eine Art Reiseleiterin und hielt Schilder mit den Nummern der Klassenräume hoch, zu denen die verschiedenen Besucher geleitet werden sollten. Zu ihren Aufgaben gehörte es u.a., Eltern und Kindern, die sich trotzdem verliefen, dabei behilflich zu sein, zum gesuchten Veranstaltungsort zu gelangen.

Für die fleißigen Helfer gab es dann irgendwann einmal eine Pause und bergeweise Kirschkuchen, der im Foyer vor der Aula an die Reiseleiter verteilt wurde. Dem Töchti blieb allerdings fast der Bissen im Hals stecken, als eine 08-15-Stino-Mutti (in der hier üblichen Stino-Mutti-Uniform mit topfigem Kurzhaarschnitt, Strickjacke, pastellfarbener Bluse und Jeans) samt Sohnemann (in feinstem Esprit- & Jack Wolfshit-Zwirn) aus der Aula kam und sich vor ihr aufbaute. Sie glotzte das Töchti, das dem Kirschkuchen fröhnte, entgeistert an. Ihre Miene wechselte zwischen Mißbilligung und Verstörung, die ihres Sprößlings zwischen Langeweile und Verständnislosigkeit.

Da die Parole "Lächeln und winken!" ausgegeben worden war, tat Töchti genau das. Hätte ja auch sein können, daß die beiden Hilfe benötigten. Aber bevor Töchti danach fragen konnte, beugte sich die Mutter zu ihrem Sohn hinunter und erklärte so laut, daß alle Umstehenden es hören konnten: "Guck mal, das Mädchen da hat eine psychische Erkrankung, sonst würde sie nicht so herumlaufen!"

Töchti runzelte die Stirn und zeigte der Mutti in Gedanken den Mittelfinger, erwiderte aber nichts, sondern biß lieber von ihrem Kirschkuchen ab. Außerdem weiß sie, daß man mit vollem Mund nicht spricht. 
Für eine 15jährige, die weiß Goth sonst nicht auf die Gusche gefallen ist, ist das schon eine reife Leistung. Ich hätte in dem Alter bei einer solch dämlichen Bemerkung nicht so gelassen reagiert, sondern die Ollsche bestimmt angepöbelt und ihr irgendetwas Unflätiges an den Kopf geworfen... oder den Kuchen... *verlegenräusper*
Die Stino-Mutti befürchtete wahrscheinlich genau das und suchte, ihr Kind hinter sich herzerrend, das Heil in der Flucht. Solche komischen Typen sind ja unberechenbar!

Die Schüler von Töchtis Patenklasse hingegen, die aus um die zehn Jahre alten Kiddies besteht, finden ihre schwarz gewandete Tante cool. Einer der Jungen, der auf Horrorfilme steht und wahrscheinlich schon Sachen gesehen hat, die nicht altersgerecht sind (Saw fand er langweilig), fragte bei der Rallye durch die Schule: "Bist du ein Grufti?" Töchti war hin und weg. So ein nettes, kluges Kind! Ein anderer Zwerg wandte ein, daß es sich ja bei Töchti auch um einen Emo handeln könne, woraufhin Töchti ihm kindgerecht zu erklären versuchte, wo die Unterschiede zwischen Gruftis und Emos liegen - jedenfalls hinsichtlich der äußeren Merkmale wie Outfit, Haartracht etc.
Der kleine Horrorfan meinte: "Man sieht dir aber an, daß du ein Grufti bist. Ich hab mich aber nicht getraut, dich anzusprechen, weil ich dachte, du könntest das als Beleidigung verstehen!" Awwwwwww.... Töchti fand das irrsinnig süß. Vorurteilsfrei und neugierig gingen die Kleinen auf Töchti zu und sind heute noch hocherfreut, wenn sie einander im Schulflur begegnen.

Aber die Stino-Mutti, die bei meinem Kind eine psychische Erkrankung anhand des Kleidungsstils diagnostizierte, nenene...
Scheint jedenfalls eine Erbkrankheit zu sein :D
Die Geschichte gab immerhin Anlaß zu fröhlichem Geläster und Gekicher, um so mehr, da Mutter und Sohn samt ihren Uniformen voll ins Dorf-Stino-Bild passten. Zu welchem Befund käme die Trulla wohl, würde man sie Pfingsten in Leipzig aussetzen? Eine Gruftorexie-Epidemie?

Naja, aber das war wieder mal irgendwie typisch für unsere Dörfler hier. Die sind echt schon ganz schön seltsam, diese Normalos...
Haste keine Jack Wolfshit- oder Hollister-Klamotten, biste in unserem Kuhkaff eh schon ein Punk, ist dein Auto älter als zwei Jahre, biste asozial, stehen die Geranien auf dem Balkon nicht in Reih' und Glied, ein Messie...
Naja, who cares? Die lästern über uns, wir über sie. So gleicht sich das wieder aus - egal, an welcher Geisteskrankheit man nun auch immer leidet...

Dienstag, 29. Juli 2014

Schwarzes Gesplitter

Ja, ich lebe noch!
Auch wenn ich mich in der letzten Zeit gar nicht gerüppelt habe...
Aber dafür habe ich ein paar Ausreden parat.

Zunächst war da einmal wieder ein recht erschreckendes Gespräch mit der Direktorin und der Klassenlehrerin unseres Sohn bezüglich seiner Kleidung. Er trägt gerne schwarze Yakuza-Shirts mit mehr oder weniger martialischen Motiven und kernigen Sprüchen (jedoch keine Symbole oder Parolen rechter oder gar verbotener Organisationen o.ä.! Das käme uns eh nicht ins Haus!). Die sind wohl einer Mitschülerin ein Dorn im Auge gewesen und so hat sie sich bei der Klassenlehrerin beschwert, sie könne sich nicht konzentrieren, wenn sie andauernd auf Sohnemanns T-Shirt gucken müsse. Aaaaah ja....
Ich denke ja, das Mädel sollte besser auf die Tafel schauen und den weisen Worten ihrer Lehrer lauschen anstatt das Styling ihrer Klassenkameraden unter die Lupe zu nehmen. Aber aus irgendeinem Grund, den ich nicht wirklich nachvollziehen kann, pflichtet die Lehrerin der selbsternannten Modepolizistin bei. 

Einem kurzen Schriftverkehr mit den eigensinnigen Eltern unseres Sohnes folgte die Einladung zu einem persönlichen Gespräch...mal wieder!
Fazit: Yakuza-Shirts sind in der Schule verboten, weil...
1. ...sie den Unterricht stören. Sie reden zwar nicht dazwischen, die Shirts, werfen auch nicht mit Papierkügelchen und ziehen die Mädchen an den blondierten, geglätteisten Haaren, aber sie stören - ganz plötzlich. Denn mein Sohn läuft damit schon seit zwei Jahren herum und auf einmal fallen die Yakuzas auf. Wenn ich nur wüsste, wieso...
2. ...sich die Klassenlehrerin durch die Shirts beleidigt sieht. Warum auch immer sie sich von den Yakuzas angesprochen fühlt... Es steht weder ihr Name drauf - Frau D., fuck off! z.B. - noch hat es ihr Konterfei bislang auf eines der Shirts geschafft. Wenn, würden wir es ohnehin nicht kaufen ;)
3. ...sich die Direktorin verpflichtet fühlt, auf das Styling ihrer Schüler zu achten und sie in Selbstvorwürfen zerfließen würde, wenn das Kind später keinen Ausbildungsplatz erhielte oder im Berufsleben, falls es denn überhaupt einen ordentlichen Beruf erlernt, Probleme hat, nur weil sie, also die Schulleiterin, nicht eingegriffen hätte. Die Klassenlehrerin brüstete sich auch ganz stolz damit, wie tolerant sie wäre und den Mädchen rosa- und pinkfarbene Kleidung erlauben würde, obwohl sie diese Farben nicht ausstehen könne. Aber sie hätte auch schon Schüler während der Unterrichtszeit nach Hause zum Umziehen geschickt, weil ihr die Kleidung nicht passte. Darf sie zwar nicht, aber das Schulgesetz von NRW hat an der Schule eh keinen Bestand. Die machen da, was sie wollen...

Ein bißchen animal farm ist auch dabei: manche sind eben gleicher als andere. Wenn es verbindliche Kleidervorschriften oder gar eine Schuluniform gäbe, dann... aber es wird nach Gutdünken und persönlichem Gusto entschieden, wer welche Kleidung tragen darf. Und wessen Styling aus dem Raster der Direktorin bzw. Klassenlehrerin fällt, endet als Hartz-4ler oder gleich unter der Brücke, so der Tenor der Unterredung.
Demnach war ich am Wochenende (Amphi in Köln) auf einem der größten Arbeitslosentreffen überhaupt. Lauter Gesindel ohne Ausbildung und Job - etliche in schwarzen Yakuzashirts - trieb sich da herum, also neeee... 
Die Kohle für den Eintritt war wahrscheinlich auf der Straße zusammengeschnorrt. Haste mal 'ne Mark, äh 'nen Euro, ey?

Ein Gespenst geht um in der Schule - das Gespenst des Nonkonformismus...
Und das muß ausgetrieben werden - um jeden Preis! Da wird auf das Grundgesetz und die darin verankerten Grundrechte - besonders auf Artikel 2 - geschissen und sich unter dem Deckmäntelchen der elterlichen Sorge und als Erziehungsberechtigte in die persönlichen Belange der Schüler eingemischt. Die tatsächlichen Eltern des betreffenden Kindes werden entrechtet, die Freiheit der Erziehung mißachtet.

Das Gespräch endete im Grunde ergebnislos. 
Nun ja, nicht ganz, immerhin dienen die engstirnige Direktorin und die nicht minder voreingenommene Klassenlehrerin wunderbar als schlechte Beispiele für uns, um unseren Kindern klarzumachen, wie man Menschen eben NICHT behandelt. Man verurteilt und diskriminiert niemanden aufgrund seiner Kleidung (es gibt Ausnahmen, aber dazu in einem anderen Post), seiner Hautfarbe, seiner Religion etc.
Daß meine Kinder - das Töchti wurde kurz darauf auf ein Bandshirt angesprochen, das wiederum ihrer Klassenlehrerin nicht passte - so etwas nun am eigenen Leib erfahren, hilft ihnen hoffentlich dabei, die Vorurteile, die sie selbst dem ein oder anderen Typen gegenüber hegen, schneller zu überwinden und offener auf diese Leute zuzugehen.

Da ich vor 25 Jahren Abi gemacht habe, fand ein Vierteljahrhundertabitreffen statt. Immerhin zwei Drittel unserer Stufe war da. Es war genau so wie früher: die Schönen und Reichen saßen zusammen an einem Tisch und zeigten sich auf ihren Handys Fotos von ihren Häusern, Autos, Kindern, den Geranien auf dem Balkon vom 5-Sterne-Hotel in St. Moritz oder den Palmen auf den Seychellen und die Outlaws hockten an dem anderen und unterhielten sich. Ich saß nicht bei den Schönen und Reichen und deshalb hatte ich Spaß!

Ein Großteil meiner Zeit wurde von den Vorbereitungen für ein Seminar verschlungen, das ich an der Uni Leipzig gegeben habe. Leider habe ich es mal wieder nicht zum WGT geschafft. Dafür war ich vorher in Leipzig und da die schwarzen Läden ihre Bestände für das WGT bereits aufgestockt hatten, machte es richtig Spaß, dort herumzustöbern.

Und zum Zahnarzt mußte ich auch noch, schrecklich! Da leg' ich mich lieber unter 'ne Guillotine!

Endlich habe ich es geschafft, Fotos auf dem wunderschönen Alten Friedhof von Bonn zu machen. Plane ich schon seit Teenietagen, als wir noch des Nachts über den Zaun geklettert sind, weil der Friedhof bereits geschlossen war. Ein Post zum Alten Friedhof ist in Planung.

Und letztes WE besuchten Töchti und ich das Amphi.
Ein ausführlicher Bericht mit vielen Bildern folgt bald, wirklich BALD, versprochen!

Freitag, 28. März 2014

Wünschen sich “Gothic-Eltern” eigentlich “Gothic-Kinder”?

In seiner letzten Wochenschau stellte Robert von Spontis diese Frage unter Bezugnahme auf meinen letzten Blogpost "Ist ja nur 'ne Phase..." und schrieb: "Ich meine, das mitschleifen auf Konzerte und schwarze Veranstaltungen suggeriert doch eine gewollte Konditionierung, oder?" 

Ich denke zum einen, daß sich alle Eltern in erster Linie gesunde, glückliche Kinder wünschen. Klingt abgedroschen, aber es ist keine Selbstverständlichkeit, ein gesundes Kind zu zeugen und zu einem lebenstüchtigen Erwachsenen großziehen zu dürfen. Zum anderen stellt jede Art von Erziehung eine mehr oder weniger beabsichtigte Konditionierung dar. Ob es jedoch klappt, daß der Nachwuchs in die elterlichen Fußstapfen tritt, falls gewünscht, ist eine ganz andere Sache.

Quelle: http://www.toonpool.com/user/14830/files/adventskalender_1070025.jpg


Was die Werte angeht, die Goth-Eltern ihren Kindern vermitteln, und die Frage, was man seinem Nachwuchs auf dessen Lebensweg mitgibt, so ergeben sich möglicherweise einige Unterschiede im Vergleich zu den Zielsetzungen von Stino-Eltern, die ihren Nachwuchs auf größtmögliche Anpassung - nur ja nicht auffallen und provozieren! - trimmen wollen.

Kinder von Goth-Eltern bewegen sich im Grunde in zwei verschiedenen Welten: in der schwarzen ihrer Eltern (oder eines Elternteils) und der bunten außerhalb. Mag es jüngeren Kindern nicht bewußt sein, daß sich Mama und Papa von Kleingrufti anders kleiden als die Eltern von Kleinstino, irgendwann wird es auffallen. Wie die Kinder später mit ihren Mitmenschen umgehen, die nicht in das Bild passen, das durch ihr Elternhaus geprägt wurde, hängt von ihrer Erziehung ab und von den Erfahrungen, die sie mit Andersartigen machen konnten. Was das angeht, sind Kinder von Goth-Eltern m.E. eindeutig im Vorteil, denn sie lernen von frühester Jugend an beide Seiten kennen und damit umzugehen. Für sie ist es normal, daß Mama und/oder Papa anders sind als andere und daß es die gibt, die Hellbunten, ist auch vollkommen in Ordnung. Äußerlichkeiten spielen für kleine Kinder ohnehin kaum eine Rolle.

Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da die Eltern nicht mehr das Zentrum des kindlichen Universums bilden und der Nachwuchs sich und seine Umwelt - vornehmlich die gleichaltrigen Klassenkameraden - stärker in den Fokus rückt. Nun ist man als Erziehende(r) besonders gefordert. Es war die Phase gegen Ende der Grundschule bzw. um den Wechsel zur weiterführenden Schule herum und während der ersten beiden Schuljahre dort, da ich mir häufiger die Frage stellte: was möchte dein Kind und was möchtest du für dein Kind? Daß sich meine Tochter zu dieser Zeit sehr an ihren Klassenkameraden orientierte, um zur Clique der beliebten Schüler zu gehören, behagte mir nicht wirklich. Sie war damals unglücklich mit ihrer Außenseiterrolle, wollte unbedingt dazu gehören. Was macht man also als "Gothmum", die diesen Wunsch so gar nicht nachvollziehen kann?
Man stärkt seinem Kind den Rücken. Fragt, wieso es denn so wichtig sei, sich mit den tonangebenden Leuten in der Klasse zu befreunden, und was man mit diesen gemeinsam habe. Wieso sie sich an deren Maßstäben messe? Und was an diesen Typen und deren Verhalten so nachahmenswert sei?

Meine Tochter hat es nie geschafft, sich in diese Gruppe zu integrieren. Warum? Weil sie anders ist...
Töchti hat nämlich rasch erkannt, daß sie gar nichts mit ihren ach, so beliebten Klassenkameraden gemeinsam hat und daß die Art, wie diese Typen Leute behandeln, die nicht in ihr Weltbild passen, alles andere als von Freundlichkeit und Toleranz geprägt ist. Die Freunde, die meine Tochter mittlerweile gefunden hat, sind im Grunde ebenso Außenseiter wie sie. Und sie verteidigt ihre Freunde gegen die teilweise wirklich bösartigen Angriffe ihrer Mitschüler. Ja, so habe ich mir meine Kinder gewünscht! Und darauf bin ich stolz.

Ich bin stolz auf meine beiden Kinder, die das Rückgrat haben, sich gegenüber der Mehrheit zu behaupten. Natürlich provozieren sie - sei es durch ihr Äußeres, ihre Kleidung oder ihre Haltung und Einstellung -, aber Provokation ist ja nicht unbedingt etwas Negatives! Provokation rüttelt auf und regt einen im besten Fall zum Nachdenken an, zum Diskutieren und zum Kennenlernen unterschiedlicher Standpunkte.
Die Klassenlehrerin meines Sohnes glaubt leider jedoch, daß Anpassung der einzige Weg zum Lebensglück sei und ersuchte uns schriftlich, auf ihn einzuwirken, "neutrale Kleidung" in der Schule zu tragen.

Was so etwas Unerhebliches wie Kleidung angeht, so sind wir der Meinung, daß unsere Kinder selbst entscheiden können und sollen, was sie anziehen und worin sie sich wohlfühlen. Ich würde meiner Tochter z.B. allerdings nie so offenherzige Kleidungsstücke erlauben, die nach Babystrich schreien und teilweise bereits von Zwölfjährigen getragen werden, oder meinem Sohn ein Thor-Steinar-T-Shirt. Wenn andere Eltern das ihren Kindern gestatten, ihr Ding!

Zurück zur Frage, ob sich Gothic-Eltern Gothic-Kinder wünschen.
Was mich angeht, würde ich diese Frage mit einem klaren "Jein!" beantworten. :D
Das Wichtigste für meinen Mann und mich ist, daß die Kinder mit dem, was sie sind, was sie tun und was sie erreichen, zufrieden sind. Mir ist es gleich, welche Musik meine Kinder hören, wie sie sich kleiden (innerhalb bestimmter Grenzen, s.o.) und ob sie sich die Haare schwarz färben oder nicht. Aber mir ist ist nicht egal, wie sie mit sich, ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt umgehen. Ich versuche meinen Kindern Offenheit und Neugier Fremdartigem gegenüber zu vermitteln; Höflichkeit und Sensibilität im Umgang mit anderen Leuten sind mir sehr wichtig.
Ich habe mir Kinder mit starken Persönlichkeiten gewünscht, die selbstbewußt genug sind, Dinge zu hinterfragen, sich ihre eigene Meinung zu bilden und zu vertreten und nicht, nur um nicht aufzufallen, Mitglieder einer Hammelherde werden, wo man eigentlich nur Ärschen nachrennt...
Da diese Haltung für mich einen bedeutenden Teil des Gruftiseins ausmacht, habe ich mir zumindest, was diesen Part angeht, wohl doch Grufti-Kinder gewünscht...

Donnerstag, 14. November 2013

Alltagsproblemchen eines Junggruftis

Das Kind und seine Schulkameraden mal wieder...

Es ist schon interessant mitzuerleben, daß meine Tochter beinahe das Gleiche in der Schule erlebt wie ich damals. Ein außergewöhnliches Äußeres polarisiert einfach und wird als Kampfansage verstanden: "Ich bin nicht so wie ihr und will nichts mit euch zu tun haben!" Die Gefahr ist dabei ziemlich groß, zur Zielscheibe des allgemeinen Spotts zu werden und zum Lästerobjekt Nr. 1 der totally hippen Girlies, die in der Schule den Ton angeben, und deren farblosen Mitläufern. Es ist doch einfacher, über Dinge, die man nicht versteht oder verstehen will, oder Menschen, mit denen man sich nicht auseinandersetzen möchte, das Maul zu zerreißen. Davon kann sich eigentlich niemand freisprechen. Was das angeht, halten wir's am besten mit den Ärzten und lassen die Leute reden. Gleiches Recht für alle: wir ratschen ja auch über die Stinos :D

Ärgerlicher wird es nur, wenn Gerüchte in die Welt gesetzt und Lügen verbreitet werden, um jemanden in Misskredit zu bringen. Der ehemals beste Kumpel meiner Tochter z.B. hat sich von jetzt auf gleich und aus für sie unerfindlichen Gründen dazu entschlossen, nichts mehr mit ihr zu tun haben zu wollen und den hippen Typen nachzulaufen, die nichts in der Birne haben, aber dafür jede Menge teurer Markenklamotten besitzen. Es ist schon bemitleidenswert, wie sehr er um die Aufmerksamkeit seiner ach, so coolen Klassenkameraden heischt. Denn eigentlich ist er, um es mal im heutigen Jugendjargon auszudrücken, das totale Opfer. Es ist kein Wunder, daß er bislang mit meiner Tochter befreundet war, denn Außenseiter schließen sich häufig zusammen, um im Klassenverband wenigstens nicht ganz allein dazustehen. Jetzt redet er aber den Hohlköpfen nach dem Mund und versucht alles, um von ihnen anerkannt zu werden, indem er dem im Grunde harmlosen Geläster noch einen draufsetzt. Er erzählt u.a., daß ich ihn nicht ausstehen könne, weil er kein Goth sei. Ich weiß ja nicht,  ob er an grandioser Selbstüberschätzung leidet und sich zu wichtig nimmt, oder, was wahrscheinlicher ist, gar kein Selbstbewusstsein besitzt, um so einen Unsinn zu behaupten. Sich auf Kosten anderer aufspielen zu müssen, spricht eigentlich für Letzteres. 
Aber ganz ehrlich: was kümmert mich der Inhalt seines Kleiderschranks? Meinetwegen kann der Kerl im rosa Tutu und lila Glitzerschuhen zur Schule kommen! 

Damit, daß ich ihn nicht mag, liegt er jedoch gar nicht so falsch. Daß dieser bösartige Giftzwerg meine Tochter via Facebook und Skype neuerdings angeht und bedroht, nehme ich ihm wirklich übel. Und falls seine Eltern oder er mir mal über den Weg laufen sollten, dann gnade ihm Goth!
Meine Tochter hingegen nimmt die Geschichte anscheinend etwas gelassener als ich - ich bin halt 'ne Mama und das Wohlergehen meiner Kinder liegt mir am Herzen. Daher tangiert mich diese Geschichte wohl mehr als Töchti.
Sie hat einfach kurzen Prozeß gemacht und ihren Ex-Kumpel auf FB und Skype blockiert. Ihn auch in der Schule zu ignorieren, gestaltet sich ein wenig schwieriger. Er hat wohl bemerkt, daß die angesagten Typen nicht wirklich etwas mit ihm zu tun haben wollen, und dackelt nun wieder meiner Tochter und ihren Freundinnen hinterher, mischt sich in Mädchengespräche ein (das kommt natürlich suuuuuper an!) und schreibt meiner Tochter (die beiden sitzen am selben Tisch) Zettelchen. Sie antwortet jedoch auf nichts und behandelt ihn so, als sei er gar nicht vorhanden. Das macht ihn sauer und aggressiv. Und noch viel wütender macht ihn, daß sein Zorn an meiner Tochter abprallt...

Im Gegensatz dazu sind einige Klassenkameraden auf meine Tochter zu- und mit ihr ins Gespräch gekommen. Sie wollten wissen, was es mit ihrer schwarzen Kleidung auf sich hat und wie man ein Goth wird (hä?). Ein paar Mädchen haben sogar vor, mit ihr zum Bummeln in die Stadt zu fahren, sie würden ein paar Läden kennen, wo's tolle schwarze Klamotten gäbe.  Töchti hat versucht, ihnen zu erklären, daß es ihr nicht nur um's Styling gehe, aber nun ja, diese Halbwüchsigen sind nun einmal in einem Alter, in dem viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt wird, welche Kleidung jemand trägt und welches Label. Immerhin dämmert es einigen doch wohl, daß es im Leben nicht nur darauf ankommt.

Ein wenig perplex war ich jedoch ob der Frage, wie man ein Goth wird. Die Frage nach den Gründen, dem Warum hätte ich logischer und interessanter gefunden. Aber das interessiert nicht. Hat man damals unseren offen zur Schau getragenen Nonkonformismus als eine Art Geisteskrankheit angesehen, die von in der Pubertät überschießenden Hormonen ausgelöst wurde (hey, wir Altgruftis können dann wohl bald mit der Ausrede Hormonstörung aufgrund der Wechseljahre kommen!), sieht man heute darin wohl eher eine Art Geschmacksverirrung und Modesünde. Befürchteten unsere Eltern, wir wären in die Fänge einer satanistischen Vereinigung geraten und würden als Menschenopfer auf den Altären irgendeiner Teufelssekte landen, entsetzt es die Erzeuger von Töchtis Schulkameraden eher, daß man keine Klamotten von Hollister, Esprit & Co trägt und sich die Haare nicht blondiert. It's all about style! 

Freitag, 6. September 2013

Schulbeginn

Die Ferien sind vorbei und die erste (halbe) Schulwoche auch schon. 
Wie schön...nicht! 
Irgendwie sind die Sommerferien heute schneller um als meine damals. Naja, die Zeit ist einfach schnellebiger, neee, schnelllebiger (das sieht doch krank aus!) geworden und die Feriendauer daher wohl auch kürzer. Nein, natürlich nicht, aber mir kommt es so vor. Wahrscheinlich, weil ich es so genossen habe, nicht mitten in der Nacht aufstehen zu müssen und meinen Tagesablauf flexibler gestalten konnte. Jetzt hat uns der Alltag, der uns in ein straffes Zeitkorsett quetscht, wieder. Beide Kinder sind in die nächste Klasse versetzt worden, wider Erwarten sogar der Sohn, der wie immer reichlich unmotiviert ins neue Schuljahr startete. Wenn er sitzengeblieben wäre, wäre es auch kein Beinbruch gewesen. Ich bin im Gegenteil sogar der Meinung, daß ihm das gutgetan hätte, aber seine wohlmeinenden Lehrer haben ihn noch einmal durchgewunken. Ändert trotzdem nichts an seiner Haltung. Schule ist doof! 

Kann ich verstehen. Und ehrlich gesagt bin ich froh, heute kein Kind sein zu müssen. Die Zeit ist nämlich nicht nur schnell(l)ebiger geworden, sondern unbarmherziger, unmenschlicher, rücksichtsloser. Kinder bekommen das von Geburt an zu spüren und werden schon im Krabbelalter auf Leistung gedrillt - meistens von ihren konkurrenzgeilen Müttern, die es nicht haben können, daß ihr Baby mit neun Monaten noch keine Opernarien trällern kann im Gegensatz zu dem jüngeren Blag einer anderen Mutti aus der Pekipgruppe. Im Kindergarten geht's dann richtig zur Sache. Musikalische Frühförderung steht auf dem Programm, Ballett, Fußball, Judo, Tennis, Englisch- und Französischunterricht für Kleinkinder etc. Und das alles wird einem unter dem Deckmantel "Spiel und Spaß" verkauft. Manches Vorschulkind hat einen Terminplan, der voller ist als der eines Erwachsenen. Freizeit?  Fehlanzeige! Kreatives Buddeln in Sand und Matsch? Schreiend herumtoben? Oder einfach nur mal herumgammeln und den eigenen Gedanken nachhängen? Sich über Wiesen kullern und im Winter im Schnee wälzen? Das dient keinem Zweck und ist pädagogisch nicht wertvoll. Das Kind lernt dabei ja nichts und außerdem könnte es sich dabei schmutzig machen. Wird also gestrichen!

Dann wird das Kind eingeschult.
Die akademischen Leistungen des kleinen Menschen werden nun zum ultimativen Maßstab, an dem sich der elterliche Erfolg oder auch Versagen messen läßt. Bringt das Kind gute Noten heim, einen Pokal beim Sportfest oder eine Auszeichnung beim Mathewettbewerb, dann hat man mit seiner Erziehung alles richtig gemacht. Daß das Kind Selbstbehauptungskurse besuchen muß, wo sein nicht vorhandenes Selbstbewußtsein aufgebaut wird, ist belanglos. Daß sich das Kind aus Angst vor anderen Kindern, die auf dem Pausenhof etwas ruppiger spielen, hinter einem Busch versteckt, ist selbstverständlich die Schuld der anderen Eltern, die ihre Sprößlinge nicht im Griff haben.  Klingt übertrieben, entspringt jedoch nicht meiner Phantasie!
Dem Kind als Zentrum des eigenen Universums, um das sich alles Denken und Handeln dreht, wird damit eine Rolle aufgebürdet, die so schwerwiegend ist, daß ich mich frage, wie liebende Eltern ihrem Nachwuchs so etwas überhaupt antun können. 

Mein Mann und ich sind in den Augen dieser Eltern Versager. Dabei verfolgen wir nur andere Ziele für unsere Kinder und ein anderes Erziehungskonzept. Und das ist schlimm!
Wehe, Kind entspricht heute nicht der Norm! Wehe, Kind besitzt Phantasie und gibt sich gerne kreativen Freizeitbeschäftigungen hin! Freizeit ist ohnehin ein ganz böses Wort. Freie Zeit - das muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Frei - das könnte ja etwas mit Entspannung, Nichtstun und Zwanglosigkeit zu tun haben. Anarchie!

 Quelle: http://www.medical-tribune.de/medizin/medizin-cartoons/kinderheilkunde/1283.html

Nein, was heute nicht der Norm entspricht, ist krankhaft und muß therapiert werden. War bei uns damals Legasthenie die Modekrankheit - wer mehr als zwei Rechtschreibfehler in einem Diktat hatte, war verdächtig -, so wird heute ADHS inflationär diagnostiziert.  Wibbelt man mal im Unterricht mit dem Stuhl und spielt mit seinem Radiergummi herum, weil einen die Ausführungen des Physiklehrers langweilen, hat man ADHS und braucht Ritalin, um den Pädagogen nicht in seiner Arbeit zu stören. Ganz furchtbar ist es auch, wenn die Schulnoten nicht den Ansprüchen der Eltern genügen. Aber auch dann hilft dieses Koks auf Rezept, das quasi als eine Art Hirndoping wirkt. Hauptsache, das Kind funktioniert - und zwar in allen Bereichen! Individuelle Begabungen und Interessen? Danach fragt heute niemand mehr. Und so traurig es ist, selbst viele Eltern scheinen ihre Kinder unter dem wachsenden Druck unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr so annehmen zu können, wie sie sind, und unfähig oder nicht willens, die Talente ihrer Sprößlinge zu erkennen und in dem Maß zu fördern, wie es dem Können des Kindes entspricht. Nicht in jedem Kind steckt ein Genie, geschweige denn ein Universalgenie! Aber sagt das mal dem Gros der Eltern, die fest davon überzeugt sind, daß ihr Sproß ein zukünftiger Nobelpreisträger ist! 


Quelle: http://www.legasthenie-reutlingen.de/englisch.html


Was bin ich froh, daß ich kein Kind mehr bin! Wahrscheinlich hätte ich die Megadröhnung Ritalin bekommen, denn ich, die schon optisch nicht dem Durchschnittsschüler von damals entsprach, verbrachte den langweiligen Matheunterricht damit, Hieroglyphen zu malen und Pyramiden, kippelte gerne mit meinem Stuhl herum und habe jetzt noch Schwierigkeiten, lange stillzusitzen. Nur wenn ich altägyptische Texte übersetze, kann ich Geduld und Ausdauer aufbringen. Hieroglyphen sind mein Ritalin!

Tja, was mache ich aber nun mit meinem Sohn, der ein ganz normales Kind ist und sich für Sachen interessiert, die nicht in der Schule gelehrt werden? Wäre ich eine Weißkittelanbeterin und den goldenen Worten der Lehrerschaft hörig, dann würde mein Sohn schon seit Jahren Ritalin bekommen. Das hat mir seine Mathelehrerin in der Grundschule allen Ernstes mal vorgeschlagen, aber als ich ihr beinahe an die Kehle gesprungen bin, hat sie sehr schnell davon Abstand genommen :D
Ich schwanke also immer noch zwischen mütterlicher Sorge und der Frage "Was soll nur mal aus dem Jungen werden?" und der Gewißheit, daß er genug von uns, seinen Eltern, gelernt hat, um seinen Weg zu machen. Aber den muß er erst einmal finden und ich halte es für wichtiger und richtiger, daß er den Anfang dazu selbst entdeckt und wir ihm nicht befehlen, wohin er laufen soll. Wir sind nur seine Begleiter auf seinem Lebensweg, aber nicht diejenigen, die ihm die Richtung vorgeben...

Mittwoch, 7. November 2012

Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir...

Morgen ist Eltersprechtag.
Und wir haben einen langen Gesprächstermin bei der Klassenlehrerin unseres Sohnes.
Der ist eigentlich überflüssig, denn ich weiß jetzt schon genau, was die gute Frau uns zu berichten hat: unser Sohn macht keine Hausaufgaben, arbeitet schlampig und stört den Unterricht. Das sei sehr schade, denn er sei ja ein intelligentes Kerlchen und könne mit Leichtigkeit ein guter Schüler sein, wenn er denn nur wolle.
Und das ist das Problem: er will nicht. 
Er schafft es seit Beginn seiner Schulzeit, sich mit derselben Masche wochen-, ja gar monatelang vor den ungeliebten Hausaufgaben zu drücken, macht sie nur teilweise oder gar nicht und ist sehr kreativ, sich die tollsten und plausibelsten Ausreden auszudenken. Wieso seine Unterrrichtsmaterialien nicht vollständig sind - fehlen die entsprechenden, kann man natürlich keine HA machen -, wieso es diesmal keine gab - dringende Konferenzen, Lehrer erkrankt, Vertretung gibt keine auf -, wieso sein Hausaufgabenheft verschwunden ist etc., seine Erklärungen klingen recht einleuchtend. Daneben unterschlägt er auch gerne mal Post von der Schule und vertröstet seine Klassenlehrerin, die auf Antwort von uns wartet...

Spätestens dann ist Sense und die Schule schickt die bösen Briefe per Post, damit sie auch nur ja bei uns ankommen. Und wir fallen erst einmal aus allen Wolken. 
Denn er macht ja Hausaufgaben und zwar auch genau die, die in seinem Hausaufgabenheft stehen. Dummerweise stehen da nur nicht alle...
Ganz ehrlich gesagt habe ich davon die Nase voll und zwar sowohl vom Verhalten meines Sohnes, der offensichtlich nicht kapiert, daß er mit seiner Tour jedesmal auf die Fresse fällt, als auch von der Reaktion der Schule, die im Grunde überflüssig ist, weil mit keiner Konsequenz verbunden. Die Maßnahmen, die wir mit den Lehrern abgesprochen haben, werden nicht oder nur teilweise durchgeführt und diese Mauselöcher nutzt unser Sohn, um durch die Maschen zu schlüpfen und erst einmal der Arbeit zu entkommen.

Ach, Lehrer... daß mein Sohn diese traurigen Typen nicht ernst nimmt, kann ich ihm noch nicht einmal verdenken! Die Erfahrungen mit den jämmerlichen Gestalten, die in der hiesigen Grundschule ihr Unwesen treiben, sitzen noch tief. Da werden die während des Unterrichts lärmenden, spielenden, tobenden Kinder mit einem zärtlichen "Bitte, liebe Schüler, seid doch mal ruhig, sonst können wir nicht mit dem Unterricht fortfahren!" ermahnt - ja, bitte schön, wer wundert sich denn da noch, daß die Kids den angeblichen Pädagogen ignorieren?
Mein Hinweis - die damalige Mathelehrerin meines Sohnes beklagte sich einst bei mir, daß auch er zu diesen Rüpeln gehörte -, es doch einmal mit ein wenig mehr Durchsetzungskraft und energischeren Maßnahmen zu versuchen, um die Aufmerksamkeit ihrer Schüler zu erringen - unsere Lehrer warfen mit Schlüsselbunden oder knallten die Bücher auf den Tisch -, wurde mit großen, erschrockenen Kulleraugen und einem fassungslosen "Aber dann erschrecken sich die Kleinen doch und weinen!" quittiert. Aaaaaaargh!

Nun gut, aber in Zeiten, wo sich die Eltern bei der Schulleitung beschweren, weil es die Englischlehrerin wagt, den Kindern regelmäßig Vokabeln aufzugeben und Teste schreiben zu lassen, sollte man als Lehrer wohl auch nicht allzu streng sein und die Kinder am besten gleich machen lassen, was sie wollen.
Die Frage ist dann nur: warum schicke ich meine Sprößlinge dann überhaupt noch in diese Kinderverwahranstalt?
Lernen tun sie da nicht wirklich viel und ob das, was sie da lernen, sinnvoll ist, darüber kann man jetzt auch geteilter Meinung sein.

Quelle: http://www.grundschulmarkt.de/lehrercartoons.htm


Um es kurz zu machen: ich kann im gewissen Maße nachvollziehen, wieso mein Sohn sich mit seinen Aktivitäten für die Schule zurückhält. Man lernt dort nichts oder nur wenig, was einem irgendwie von Nutzen sein könnte - vom Unterrichtsstoff der Grundschule - Rechnen, Schreiben, Lesen - mal abgesehen.
Schule ist reine Zeitverschwendung und vergällt einem nur das Leben. Bei Hausaufgaben handelt es sich um eine Schikane der Lehrer, die einem nur die Nachmittagsstunden versalzen, die man eigentlich für etwas Sinnvolleres nutzen könnte.

Ja, und wenn ich so auf meine eigene Schulzeit zurückblicke: genau so ist das!
Jahrelang quält man sich mit irgendwelchem Scheiß herum, drischt ihn sich ins Hirn, damit man in der nächsten Klausur eine gute Note bekommt und ver(sch)wendet unglaublich viel Energie und Zeit damit, sich diesen Mist einzutrichtern, um ihn nach dem Abitur wieder zu vergessen.
Wahrscheinlich habe ich mehr als 75% Prozent des Lernstoffes meiner dreizehnjährigen Schulzeit aus meinem Gedächtnis gelöscht - unnützer Ballast, der nichts mit meinen Interessen und Begabungen zu tun hatte oder mit meinem (damals noch zukünftigen) Beruf.

Wieso habe ich das ganze Zeug also gelernt?
Bestimmt nicht für das Leben, MEIN Leben....