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Sonntag, 3. August 2014

Amphi 2014 - Reflektionen eines 80er Jahre Relikts

Die Euphorie, die der erste Tag auf dem Amphi hervorgerufen hatte, hatte sich am Sonntagmorgen etwas gelegt und während das Kreppeisen aufheizte und auf seinen Einsatz wartete, reflektierte man die gestrigen Erlebnisse. 
Einiges fand ich 80er Jahre Relikt, da ich nun über den rostigen Gitterzaun des heimischen Friedhofs blickte, sehr befremdlich. Die Szene, die ich in Erinnerung habe, hat sich doch sehr verändert, zumindest optisch.
Einige Besucher trugen kunstvolle Verkleidungen und aufwendige Kostüme, als seien sie einem Fantasyfilm entsprungen oder hätten sich auf dem Weg zum nächsten LARP verlaufen. Andere schmückten ihr Haupt mit in Streifen geschnittenen Mülltüten, Absperrbändern und Gartenschläuchen und waren wie schrille Paradiesvögel oder Sahnetörtchen in Weiß und Pink oder sonstwie bunt gewandet. Äääääh...schwarze Szene? Schwarz? Diese dunkle Unfarbe?

Liebe Piratenbräute, Steampunks, Cybers und andere Farbfetischisten, nein, ich habe wirklich nichts gegen euch, ich kenne keinen von euch persönlich, aber habt Erbarmen mit einer alten Tucke wie mir, die euer Styling einfach merkwürdig findet. So unschwarz und ungruftig. Und ein Cybergothpunkwhatever (wie nun genau bezeichnet ihr euch?) erinnert mich irgendwie an das, was 'rauskommen könnte, wenn man einen Predator und einen Tribble kreuzt und mit Neonfarbe besprüht. Ihr seid mir einfach fremd - jedenfalls euer Outfit.
Naja, vielleicht sind ja die Seelen dieser Quietschbunten so tiefpechrabenschwarz, daß sie das Äußere wieder ausgleichen? Interessieren würde es mich ja schon, ob sich diese Leute, die sich so auffällig kleiden, zur schwarzen Szene zugehörig fühlen und wenn ja, wo sie die Gemeinsamkeiten zu den Friedhofsgängern, wie ich einer bin, sehen. Falls es die überhaupt gibt, die Gemeinsamkeiten...
Mir ist schon klar, daß die Szene nicht mehr so übersichtlich und homogen ist wie vor einem guten Vierteljahrhundert.

"Ok", erklärte ich dem Töchti, das diese Buntis ebenfalls merkwürdig fand, "wenn sich die Leute in diesen Outfits so gefallen, sollen sie die doch tragen. Wie wir herumlaufen, ist auch nicht jedermanns Sache." Es gab da einen Zwischenfall auf dem Amphi, da jemandem meine Pikes auffielen und er sich darüber wunderte, da er schon lange keine mehr gesehen hätte. Er musterte mich von Kopf bis Fuß und stellte fest, daß ich wohl ein richtiger old school Grufti wäre (ich fühlte mich da doch geschmeichelt, in die Schublade gesteckt zu werden, in der ich mich am wohlsten fühle). Und dann kam's...
"Das ist doch total out", sagte er. Grrrrrrrr!!!!!!!!
Ich unterdrückte den ersten Reflex, ihm freundlich eins hinter die Löffel zu geben  - die schwarze Szene ist ja so friedliebend, jawoll! - und erwiderte ruhig, daß er ja wohl nicht uptodate sei, die 80er wieder schwer im Kommen und Pikes ohnehin nie out gewesen seien. Dann gingen wir. 
Diese Bemerkung, die ich, um es mal klarzustellen, nicht als Verunglimpfung - höchstens im allerersten Moment - oder Kritik empfand, war wohl eher ironisch gemeint, kam sie doch von jemandem, der in den 80ern bestimmt älter war als ich und auch keine hippen Gartenschläuche auf dem Kopf oder Cupcaketäschchen am Gürtel trug.

Der Großteil der Besucher jedoch war den Temperaturen angemessen und völlig normal schwarz *hüstel* gekleidet. Ins Auge stachen mir dann doch wieder ein paar Typen, die Uniform trugen. Wohlgemerkt, ich meine jetzt keine Mädels, die aussehen wie freundliche PanAm-Stewardessen oder Typen, die einen auf Top Gun in Schwarz machen, sondern die, die richtige Uniformen tragen (wenn ich mich nicht irre, lief u.a. einer in NVA-Klamotte herum) oder solche, die an die gewisser Organisationen aus der Zeit zwischen 1933 - 45 erinnern und die in Deutschland schlicht und einfach verboten sind. Und nein, es reicht eben nicht, nur die Hakenkreuze wegzulassen, Abatz 2 von § 86a StGB zum "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" lautet: "Kennzeichen im Sinne des Absatzes 1 sind namentlich Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen. Den in Satz 1 genannten Kennzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind." Dazu gehören auch die Uniformen der HJ, SS, Waffen-SS oder SA. 

Da mein Gatte reenactet und ich weiß, welch sensibles Thema diese Uniformgeschichte ist und wie man damit in der Reenactment- bzw. WK2szene verfährt, erstaunt, ja erschreckt es mich um so mehr, wie lax mit dieser Problematik in der schwarzen Szene umgegangen wird. 
 Von "Wir sind ja so tolerant" *lalalala* über vollkommenes Unwissen, was die entsprechende Rechtslage in Deutschland angeht, bis hin zu "Wenn hier jetzt schon, in unserer scene, über den klamottenstil gestritten wird, dann ist es so weit. klar, auch ich sehe einige in "uniformen" die asotiationen wecken könnten, aber bisher dachte ich, das geschieht meist, bei dem "normalen" teil der bevölkerung." (Zitat aus einem der Threads von der FB-Seite des Amphifestivals, wo dieses Problem zur Sprache kam. Die Fehler sind nicht von mir *GG*) findet man beinahe alles an Ist-mir-egal-Attitüden.
HALLOHOOOOO? Geht's noch? Sagt mal, tickt ihr noch ganz sauber? Oder hat euch das Dogma der szenetypischen Friedfertigkeit und Toleranz schon das Hirn zu sehr aufgeweicht, daß ihr alles widerspruchslos hinnehmt? Kopf -> Tisch
Nein, ich möchte keinem Typen in HJ-Klamotte auf einem schwarzen Festival über den Weg laufen, keinem Pulk in SS-Uniformen oder Outfits, die daran erinnern! Leuten, die solche Klamotten tragen, unterstelle ich auch eine solche Gesinnung oder zumindest eine gewisse Nähe zum rechten Rand unserer Gesellschaft. Provokation ist schön und gut oder der Wunsch, Finsternis und Untergang darzustellen. Aber das kann man mit ein wenig Kreativität auch anders. 
Dieser Weg ist m.E. kein geeigneter, da er eine eindeutige politische Haltung zum Ausdruck bringt. Und war die schwarze Szene eigentlich nicht immer unpolitisch?
Nicht das schwarze Individuum an sich, aber die Szene im Großen und Ganzen folgte doch nie einer bestimmten Richtung und ordnete sich einer politischen Organisation unter, weder äußerlich noch ideell.  Ist das jetzt anders - zumindest bei einem Teil der Szene?

Meine Schmerzgrenze (und wohl nicht nur meine, wie etliche Posts auf FB belegen) ist jedenfalls bei weitem überschritten worden...
Ich kriege Magendrücken bei diesem Anblick und das nicht nur, weil ich mich daran erinnert fühle, daß die Rechten früher (also in meiner Jugend) gerne loszogen, um "ein paar Schwarze zu klatschen" und auch mal krankenhausreif schlugen. 
Ich empfinde es als eine ausgesprochene Verunglimpfung und Verhöhnung der Opfer dieser Epochen der deutschen Geschichte - sowohl die Zeit des Dritten Reichs als auch die der DDR -, wenn diese Uniformen als Kostüm von solchen Spaßvögeln getragen werden, denen die nötige Sensibilität fehlt, um zu erkennen, welch menschenfeindliche Haltung sie damit zum Ausdruck bringen. 

Ohnehin finde ich es seltsam, daß Uniformen oder Uniformteile zu Stylingelementen in der schwarzen Szene geworden sind. Uniform ist doch etwas, was wir nie sein und nie tragen wollten, oder?
Paradox...

Glücklicherweise konnte man diese Typen aber an einer Hand abzählen.
Kurioserweise und möglicherweise, weil die Security aufgrund einer ungenauen Anweisung von oben nach Gutdünken entscheiden konnte, was als bedrohlich, Waffe oder Waffenattrappe galt, wurde diesen Typen Zutritt zum Festivalgelände gewährt. Bei manchen WK2-Reenactments ist es hingegen schon vorgekommen, daß die Polizei nach dem Rechten (oder vielmehr den Rechten) gesehen hat oder der Veranstalter Besucher in entsprechender Klamotte vom Veranstaltungsgelände entfernen ließ, da die anderen Teilnehmer mit Personen, die eine derartige Gesinnung zur Schau trugen, nicht in einen Topf oder gar zusammen fotografiert werden mochten.

Friedliche Gruftis mit Nietenhalsbändern - damit könne man jemanden ja ein Auge ausstechen - mussten jedoch draußen bleiben, obwohl man eben solchen Schmuck auf dem Amphi käuflich erwerben konnte.
Muß man nicht verstehen...
Demnächst bleiben dann auch die Cybers draußen, die ja mit ihren Plastikschläuchen jemanden erwürgen könnten. Und Killernieten, KILLERnieten stellen ja schon aufgrund ihres Namens eine Gefahr für Leib und Leben dar...
Wahrscheinlich sind die Pikes heutzutage deshalb auch nicht mehr so spitz wie früher. Man könnte damit ja jemandem ein Loch ins Schienbein treten...  

Jetzt habe ich mich so lang und breit über diese wenigen negativen Momente auf dem Amphi ausgelassen, daß man beinahe glauben könnte, mir hätte das Festival überhaupt nicht gefallen. Hat es aber! Sogar sehr!
So sehr, daß ich meinen Geburtstag nächstes Jahr wieder dort feiern werde.
Ja, auch 2015 findet das Amphi genau dann statt :D 

Die vielen positiven Eindrücke überwiegen einfach und deshalb sehen wir uns in einem Jahr in Köln wieder...
Und bitte ladet doch auch She past away nochmals ein! 

Dienstag, 29. Juli 2014

Schwarzes Gesplitter

Ja, ich lebe noch!
Auch wenn ich mich in der letzten Zeit gar nicht gerüppelt habe...
Aber dafür habe ich ein paar Ausreden parat.

Zunächst war da einmal wieder ein recht erschreckendes Gespräch mit der Direktorin und der Klassenlehrerin unseres Sohn bezüglich seiner Kleidung. Er trägt gerne schwarze Yakuza-Shirts mit mehr oder weniger martialischen Motiven und kernigen Sprüchen (jedoch keine Symbole oder Parolen rechter oder gar verbotener Organisationen o.ä.! Das käme uns eh nicht ins Haus!). Die sind wohl einer Mitschülerin ein Dorn im Auge gewesen und so hat sie sich bei der Klassenlehrerin beschwert, sie könne sich nicht konzentrieren, wenn sie andauernd auf Sohnemanns T-Shirt gucken müsse. Aaaaah ja....
Ich denke ja, das Mädel sollte besser auf die Tafel schauen und den weisen Worten ihrer Lehrer lauschen anstatt das Styling ihrer Klassenkameraden unter die Lupe zu nehmen. Aber aus irgendeinem Grund, den ich nicht wirklich nachvollziehen kann, pflichtet die Lehrerin der selbsternannten Modepolizistin bei. 

Einem kurzen Schriftverkehr mit den eigensinnigen Eltern unseres Sohnes folgte die Einladung zu einem persönlichen Gespräch...mal wieder!
Fazit: Yakuza-Shirts sind in der Schule verboten, weil...
1. ...sie den Unterricht stören. Sie reden zwar nicht dazwischen, die Shirts, werfen auch nicht mit Papierkügelchen und ziehen die Mädchen an den blondierten, geglätteisten Haaren, aber sie stören - ganz plötzlich. Denn mein Sohn läuft damit schon seit zwei Jahren herum und auf einmal fallen die Yakuzas auf. Wenn ich nur wüsste, wieso...
2. ...sich die Klassenlehrerin durch die Shirts beleidigt sieht. Warum auch immer sie sich von den Yakuzas angesprochen fühlt... Es steht weder ihr Name drauf - Frau D., fuck off! z.B. - noch hat es ihr Konterfei bislang auf eines der Shirts geschafft. Wenn, würden wir es ohnehin nicht kaufen ;)
3. ...sich die Direktorin verpflichtet fühlt, auf das Styling ihrer Schüler zu achten und sie in Selbstvorwürfen zerfließen würde, wenn das Kind später keinen Ausbildungsplatz erhielte oder im Berufsleben, falls es denn überhaupt einen ordentlichen Beruf erlernt, Probleme hat, nur weil sie, also die Schulleiterin, nicht eingegriffen hätte. Die Klassenlehrerin brüstete sich auch ganz stolz damit, wie tolerant sie wäre und den Mädchen rosa- und pinkfarbene Kleidung erlauben würde, obwohl sie diese Farben nicht ausstehen könne. Aber sie hätte auch schon Schüler während der Unterrichtszeit nach Hause zum Umziehen geschickt, weil ihr die Kleidung nicht passte. Darf sie zwar nicht, aber das Schulgesetz von NRW hat an der Schule eh keinen Bestand. Die machen da, was sie wollen...

Ein bißchen animal farm ist auch dabei: manche sind eben gleicher als andere. Wenn es verbindliche Kleidervorschriften oder gar eine Schuluniform gäbe, dann... aber es wird nach Gutdünken und persönlichem Gusto entschieden, wer welche Kleidung tragen darf. Und wessen Styling aus dem Raster der Direktorin bzw. Klassenlehrerin fällt, endet als Hartz-4ler oder gleich unter der Brücke, so der Tenor der Unterredung.
Demnach war ich am Wochenende (Amphi in Köln) auf einem der größten Arbeitslosentreffen überhaupt. Lauter Gesindel ohne Ausbildung und Job - etliche in schwarzen Yakuzashirts - trieb sich da herum, also neeee... 
Die Kohle für den Eintritt war wahrscheinlich auf der Straße zusammengeschnorrt. Haste mal 'ne Mark, äh 'nen Euro, ey?

Ein Gespenst geht um in der Schule - das Gespenst des Nonkonformismus...
Und das muß ausgetrieben werden - um jeden Preis! Da wird auf das Grundgesetz und die darin verankerten Grundrechte - besonders auf Artikel 2 - geschissen und sich unter dem Deckmäntelchen der elterlichen Sorge und als Erziehungsberechtigte in die persönlichen Belange der Schüler eingemischt. Die tatsächlichen Eltern des betreffenden Kindes werden entrechtet, die Freiheit der Erziehung mißachtet.

Das Gespräch endete im Grunde ergebnislos. 
Nun ja, nicht ganz, immerhin dienen die engstirnige Direktorin und die nicht minder voreingenommene Klassenlehrerin wunderbar als schlechte Beispiele für uns, um unseren Kindern klarzumachen, wie man Menschen eben NICHT behandelt. Man verurteilt und diskriminiert niemanden aufgrund seiner Kleidung (es gibt Ausnahmen, aber dazu in einem anderen Post), seiner Hautfarbe, seiner Religion etc.
Daß meine Kinder - das Töchti wurde kurz darauf auf ein Bandshirt angesprochen, das wiederum ihrer Klassenlehrerin nicht passte - so etwas nun am eigenen Leib erfahren, hilft ihnen hoffentlich dabei, die Vorurteile, die sie selbst dem ein oder anderen Typen gegenüber hegen, schneller zu überwinden und offener auf diese Leute zuzugehen.

Da ich vor 25 Jahren Abi gemacht habe, fand ein Vierteljahrhundertabitreffen statt. Immerhin zwei Drittel unserer Stufe war da. Es war genau so wie früher: die Schönen und Reichen saßen zusammen an einem Tisch und zeigten sich auf ihren Handys Fotos von ihren Häusern, Autos, Kindern, den Geranien auf dem Balkon vom 5-Sterne-Hotel in St. Moritz oder den Palmen auf den Seychellen und die Outlaws hockten an dem anderen und unterhielten sich. Ich saß nicht bei den Schönen und Reichen und deshalb hatte ich Spaß!

Ein Großteil meiner Zeit wurde von den Vorbereitungen für ein Seminar verschlungen, das ich an der Uni Leipzig gegeben habe. Leider habe ich es mal wieder nicht zum WGT geschafft. Dafür war ich vorher in Leipzig und da die schwarzen Läden ihre Bestände für das WGT bereits aufgestockt hatten, machte es richtig Spaß, dort herumzustöbern.

Und zum Zahnarzt mußte ich auch noch, schrecklich! Da leg' ich mich lieber unter 'ne Guillotine!

Endlich habe ich es geschafft, Fotos auf dem wunderschönen Alten Friedhof von Bonn zu machen. Plane ich schon seit Teenietagen, als wir noch des Nachts über den Zaun geklettert sind, weil der Friedhof bereits geschlossen war. Ein Post zum Alten Friedhof ist in Planung.

Und letztes WE besuchten Töchti und ich das Amphi.
Ein ausführlicher Bericht mit vielen Bildern folgt bald, wirklich BALD, versprochen!

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Vintage aus der Gruft - Teil 1

Etliche Kisten und Kartons mit Gerümpel, das wir schon längst vergessen haben, stapeln sich noch in unserem Keller und im Schuppen. Es war nicht besonders amüsant, das ganze Zeug zu durchwühlen, aber die Hoffnung, meine verschollenen Pikes wiederzufinden, trieb mich dazu, noch mehr Unordnung in das schon vorhandene Chaos zu bringen. Wie ihr bereits wisst, habe ich nur einen Pike wiederbekommen, den mein liebster Gatte aus einem Sack mit lauter ollen Tretern zog. Alles vollständige Paare, auf die ich gut verzichten könnte, nur der Pike war ganz allein und mein zweites Paar ist ganz weg. Grmpf!

Dafür habe ich aber Einiges an Kleidung und Schmuck entdeckt, das noch aus den 80ern stammt. Meine Fledermausohrringe sind wieder da, ein paar Ringe und anderer Kram aus meiner Teeniezeit, der mir nicht mehr passt, aber noch gut in Schuß ist. Die Teile sind längst wie durch Zauberhand von meinem Kleiderschrank in den meiner Tochter gewandert und, oh Wunder, sie trägt sie auch! Aber meine Fledermäuse für die Ohren bekommt sie nicht, auch wenn sie noch so sehr bittet und bettelt!

Nachdem ich euch nun schon so oft mit meinen ellenlangen Schriebsen gequält habe, denke ich, daß es an der Zeit ist, euch in einer kleinen Fotoserie mal die wenigen Überlebenden zu präsentieren, die noch aus den 80ern stammen, original aus den graveyard years - bis auf die Fledermauskette. Ich besaß früher die gleiche, die ist jedoch nicht wieder aufgetaucht.

Beginnen wir mit dem Schmuck...


Und ein paar Aufnahmen von Lieblingsstücken, die ich immer noch trage.
Unbestrittene Nr. 1 sind natürlich die berüchtigten Fledermausohrringe:


Und die Fledermauskette:


 Und noch ein bißchen dies und das...



Einiges ist leider im Lauf der Zeit verloren gegangen, aber die paar Teile trage ich wirklich gern und oft. Habt ihr auch noch ein paar Stücke aus euren Junggruftitagen in euren Schatullen, an denen euer nostalgisches Herz hängt?

Montag, 9. September 2013

Missionierungsversuche - Teil 2

Oder wie man einen Grufti bekehrt und warum das ein sinnloses Unterfangen darstellt...


Auch die ältere Schwester meiner Mutter hatte ganz besondere Pläne für mich, die ebenfalls mit pastellfarbenen Klamotten zu tun hatten.  Deshalb bekam ich zu Weihnachten einen himmelblauen Strickpullover von ihr, den ich natürlich sofort anprobieren mußte. Alles andere wäre ja undankbar gewesen.
Die ganze Verwandtschaft - und ich habe eine riesengroße - verfiel in kollektives Entzücken. Wie gut mir diese Farbe doch stehen würde, ich sähe ganz anders aus, viel frischer, nicht so tot, blablabla...
Daß mir der blöde Pulli zwei Nummern zu klein war, bemerkte keiner.

Angesteckt von dieser Entschwarzifizierungswelle kamen meine Eltern auch einmal auf den Trichter, mir eine weiße Kunstlederjacke und himbeerfarbene Schuhe mitzubringen, deren Form mich irgendwie an die Füße Donald Ducks erinnerten...nachdem eine Straßenwalze drübergerollert war. Die Treter wären besser für meine Füße, meinten sie, als die spitzen Dinger mit dem Haufen Schnallen. Pah!!!
Der erwartete Glückstaumel meinerseits blieb aus und ein jubelndes "Toll! Danke, ihr seid die besten Eltern der Welt!" ebenso. Ich war und bin keine Meisterin der Diplomatie und auch Notlügen kommen mir selten über meine Lippen. Daß ich alles andere als begeistert von den elterlichen Mitbringseln war, hat man mir wohl angesehen und die Frage "Was soll ich mit dem Kram?" brachte meine Eltern erst recht auf die Palme. Mir wurde Undank vorgeworfen und daß ich immer nur fordern würde - Hä? Habe ich etwa nach rosaroten Schuhen gefragt? - und dann kam der altbewährte Spruch mit den Füßen und dem Tisch.
Naja, irgendwann resignierten meine Eltern und meine Mutter half mir letztendlich sogar beim Nähen und Verzieren selbstentworfener Klamotten. Nur einmal, als ich zur Nagelschere griff, um meinem kindlichen Topfhaarschnitt den richtigen Stand für den ultimativen Robert-Smith-Look zu verpassen, ist meine Mutter ausgerastet. Aber ansonsten meinten sie, daß ich mich in einer schwierigen Phase befände, und schwiegen fortan. Selbst zu meinen diversen Experimenten mit verschiedenen dunkelbunten Haarfarben.

Quelle: http://www.tumblr.com/tagged/winklepickers?before=124
Die große Angst meiner Eltern: das Kind verstümmelt sich!

Also war so weit alles o.k. - das könnte man meinen. Pustekuchen!
Kaum hatte sich die Familie so halbwegs mit ihrem schwarzen Schaf abgefunden - nicht zuletzt deshalb, weil mein heißgeliebter Opa ein Machtwort gesprochen hatte -, starteten meine Mitschüler einen erneuten Versuch, mich aus meiner selbst gewählten Isolation zu reißen. Diesmal nicht mit irgendwelchen glorreichen Vorschlägen zu Kleidung und Frisur, sondern mit einer ganz perfiden Masche: Verständnis und Einfühlungsvermögen!
Nun war ich immer schon ein Einzelgänger gewesen und meine wenigen Freunde konnte man an einer Hand abzählen. Zu der Zeit jedoch war ich ganz allein. Meine beste (und einzige) Freundin war krank geworden und zwar so schwer, daß sie nicht mehr in die Schule zurückkehrte, ein guter Freund war mit seinen Eltern ausgewandert und der andere, eher ein guter Bekannter, hatte sich quasi über Nacht dem Poppertum verschrieben.

Anscheinend hatten meine Klassenkameraden wohl Mitleid mit mir, dem armen, einsamen Geschöpf, und trachteten danach, die finstere Aura der Melancholie, die mich umgab, zu vertreiben.
Sie konnten zwar nicht begreifen, wieso ich nichts mit ihnen zu tun haben wollte, aber sie wollten wenigstens nachvollziehen können, aus welchen Gründen ich das Alleinsein vorzog und wieso ich so anders aussah und warum ich meine Fingernägel schwarz lackierte, obwohl nicht Karneval war. Das bekümmerte besonders meine Namensvetterin, die auch in meine Klasse ging, und sie gierte geradezu danach zu erfahren, wieso mir meine dunklen Fingernägel so gut gefielen, obwohl sie sie so nicht mochte. Und warum Fledermäuse von meinen Ohren herabbaumelten, obwohl das doch so eklige Viecher seien.
Sie hatten allerdings nicht damit gerechnet, daß ich nicht willens war, ihnen Rede und Antwort zu stehen und mich dafür zu rechtfertigen, wer oder wie ich bin. Ich bin ich, take it oder leave it!

Natürlich wäre es schön gewesen, ich hätte damals wenigstens einen Menschen gehabt, dem ich mich hätte anvertrauen können und der meine Zurückgezogenheit und Interessen teilte. So groß war meine Sehnsucht nach Gesellschaft jedoch nicht, daß ich mich dem aus meiner Sicht oberflächlichen Gros meiner Jahrgangsstufe anschloß. Da blieb ich lieber allein.
Nach den Sommerferien änderte sich das jedoch, als ein paar Neuzugänge zu uns stießen und wir in die Oberstufe kamen. Ich war gerade 16 geworden, als ich meine späteren Freunde traf. Zuerst war ich noch ziemlich wortkarg und mißtrauisch, aber bald schon war klar, daß ich endlich ein paar Seelenverwandten begegnet war. Klingt kitschig, aber genauso empfand ich.
Das Dunkel, das immer irgendwo in einer verborgenen Ecke meines Herzens lauert und mich manchmal und ohne eigentlichen Grund überfällt, das mich mitunter Einsamkeit und Stille suchen läßt, die düstere Seite meines Ichs, die so verstörend auf meine Mitmenschen wirkt(e), konnte ich plötzlich mit diesen Leuten teilen. Und ich brauchte noch nicht einmal ein Wort darüber zu verlieren, sie verstanden mich auch so.

So weit war also alles in trockenen Tüchern, als die Frage aufkam, was man denn nach dem Abi mit seinem Leben anstellen wolle. Meine Berufswahl stand schon seit dem Vorschulalter fest und daran war auch nichts zu rütteln.  Meine Tante meinte jedoch mal wieder, sich einmischen zu müssen und stachelte auch meine Mutter an, daß ich mir doch eine Lehrstelle suchen solle. Und sie hatte auch gleich eine für mich parat: ich sollte Bankkauffrau werden und nicht nur aus dem Grund, weil eine kaufmännische Ausbildung grundsolide und anständig ist, sondern auch, weil ich mich da ordentlich anziehen müsse. Beinahe schon hämisch erklärte sie mir die bankkauffrauliche Kleiderordnung und daß ich bestimmt wunderbar im taubenblauen Kostüm und weißen Blüschen aussehen würde. Ich sei doch so ein hübsches Mädchen, lamentierte sie, wieso ich mich denn so schrecklich zurechtmachen würde?

Weil ich mich in schwarzen Klamotten wohl- und in hellbunten verkleidet fühle? Weil ich mir so gefalle und das für mich die Hauptsache ist und nicht, ob mich andere mögen? Und mir Leute, die sich nur dann mit mir abgeben wollen, wenn ich so herumlaufe wie sie, gestohlen bleiben können?
Meine Antwort blieb meiner Tante jedoch erspart, weil mein Opa wieder dazwischenfunkte. Er hielt nämlich zu mir, mein Opa, und seine väterliche Rüge ließ seine Tochter, meine nervige Spießertante, grummelnd von dannen ziehen.

Die Gute hätte ohnehin nicht begriffen, welche Bedeutung meine Aufmachung für mich hatte und noch immer hat.  Für einen Grufti - man verzeihe mir, wenn ich jetzt verallgemeinere - ist schwarze Kleidung oder der Schmuck, den er trägt, viel mehr als ausschließlich das. Seine Erscheinung ist im Grunde ein nach außen hin zur Schau getragener Teil seines Wesens, die Enthüllung seines inner goth, ein öffentliches Bekenntnis zur Düsternis als Teil seiner Essenz, ein Symbol dafür. Daher ist es auch ein Ding der Unmöglichkeit, einen Grufti zum Normalo zu bekehren. Es wäre Selbstaufgabe.

Samstag, 7. September 2013

Missionierungsversuche - Teil 1

Oder wie man einen Grufti bekehrt und warum das ein sinnloses Unterfangen darstellt...


Jeder, der nicht dem gängigen Ideal des deutschen Durchschnittsbürgers entspricht, wird sich früher oder später mit dem Vorschlag, der Bitte oder dem Befehl konfrontiert sehen, sich doch bitteschön oder gefälligst "normal" zu kleiden und die Haare entsprechend zu stylen - entweder seitens der Verwandtschaft, der Mitschüler und der Lehrer, seitens der Kollegen oder des Chefs oder aller, die dir irgendwann über den Weg laufen und die ungefragt ihre Meinung zu deinem Aussehen äußern müssen.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als meine Mitschüler den Versuch starteten, mich in ihre Gemeinschaft zu integrieren. Das Ganze hatte nur einen Haken: ich wollte nicht!
Eine unbeirrbare Gesandtschaft der Kongregation pastellfarbener Lacosteshirtträger konnte es dennoch nicht lassen, mich auf den rechten Pfad zurückzuführen und aus der Dunkelheit hin zum Licht!
Wir hatten Sport. Aerobic. Sydne Rome. Eine ältliche Lehrerin in rosa Leg warmers, passendem Stirnband und einem dieser komischen Badeanzüge, die man über hautengen Gymnastikhosen trug. Himmelblaue Turnschuhe und Lackgürtel  mit Glitzersternchen. Ein Alptraum. Horror pur.
Die Jungs dürften Basketball spielen und Hockey, aber wir Mädchen mußten zu den ohrenbetäubenden Klängen einer Jane-Fonda-LP auf der Stelle treten und in spastischen Zuckungen zu den Rhythmen irgendeiner Disko-Pop-Tralala-Schnulze herumhampeln. Machte irrsinnigen Spaß und ungefähr so viel Vergnügen wie Brechdurchfall.

Unter Vortäuschung heftiger Kopfschmerzen - ich mußte mich noch nicht einmal anstrengen, leidend dreinzuschauen -  setzte ich mich an den Rand auf eine Gymnastikbank und muffelte vor mich hin. Da bemerkte ich, wie sich eine Abordnung von fünf, sechs Mädels im ähnlich stylischen Outfit wie die Lehrerin in mein Blickfeld schob. Als sie sich zu mir setzten und mich mit mildgütigem Lächeln von oben herab musterten, konnte ich sie kaum noch ignorieren. Es war jene Art von Gesichtsausdruck, mit dem man durchgeknallte Geisteskranke ansieht, ein wenig unsicher, aber gleichzeitig besänftigend und vorsichtig, um keine unvorhergesehene Reaktion seitens des Irren zu provozieren.
Der Irre, vielmehr die Irre war ich und ich war nicht sehr erbaut über die Störung.  Meine mürrische Miene hielt die missionswütige Schwesternschaft vom Orden der heiligen Burlingtonsocke jedoch nicht davon ab, mich anzuquatschen.
Und als sie mir im sanften Tonfall mitteilten, was der Grund ihres Überfalls war, nachdem sie sich huldvoll nach meinem Befinden erkundigt hatten (mein undeutliches Geknurre verschreckte sie auch nicht), fiel ich vor Schreck fast von der Gymnastikbank. Man wollte mich zu einer der regelmäßig stattfindenden Klassenparties einladen! MICH?!?!?! Wieso um Himmels Willen?
Man erklärte mir daraufhin und das auch wieder in einem Tonfall, als würde man mit einem minderbemittelten Kleinkind reden, daß es ja nicht anginge, daß ich immer von allen Gemeinschaftsaktivitäten ausgeschlossen wäre und es doch traurig wäre, daß ich nichts mit ihnen, meinen Klassenkameraden, zu tun haben wollte.
Hey, das hatten die immerhin mitbekommen! So doof, wie ich immer dachte, waren die dann doch nicht!

Ich muß dann allerdings ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt haben und besonders, als sie mich fragten, wieso das denn so wäre, verrutschte meine Abwehr signalisierende Miene.
"Wir haben nichts gemeinsam," brummte ich, nachdem ich meine Fassung wiedergewonnen hatte. Dieses einfache Statement fasste meiner Meinung nach gut zusammen, was Fakt und nicht zu übersehen war. Davon ließen sich die pastelligen Poppergirls jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Ganz im Gegenteil, nun fühlten sie sich erst recht angestachelt, mir zu beweisen, daß dem nicht so sei.
Wie ich das denn meinen würde, wollten sie wissen.
Sacht mal, rede ich Kisuaheli oder was? Seid ihr blind?  Das Popperpony zu lang?
Ich war versucht, in bester Tarzanmanier mit "Du rosa, ich schwarz!" zu antworten, aber schwuppdiwupp entspann sich unter den Grazien eine heftige Diskussion, daß ich mich ja nur ein wenig mehr anpassen und auf sie zugehen müßte. Die Rede war von Klamotten in freundlicheren Farben und Spandau Ballet und Duran Duran und...ach, ich weiß nicht mehr, was sie mir noch alles schmackhaft machen wollten. Irgendwann schaltete ich mein Gehör ab und ging auf's Klo.

Die Party fand ohne mich statt.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Ausmisten...

...ist wie eine Reise in die Vergangenheit zu seinen früheren Ichs.
Oh je, das klingt nach einer ausgeprägten Schizophrenie *GG*
Wenn ich allerdings so betrachte, was bei unserer Entrümpelungsaktion zu Tage befördert wurde, so kommt es mir manchmal so vor, als wären das nicht alles meine Besitztümer - und auch noch nie gewesen -, die mir da in die Hände fallen.
Igitt, habe ich wirklich diese schrillbunten regenbogenfarbigen Titanohrringe getragen? Uuuuh, ja, das muß irgendwann mal Anfang der 80er gewesen - gruselig!
Über einige Funde freue ich mich allerdings: mein Silberschmuck, der seit dem Umzug verschollen war, ist wieder aufgetaucht und das ein oder andere T-Shirt, das ich schon vermisst habe. Ja, tatsächlich, mir passen die Klamotten, die ich Ende der 80er gekauft habe, noch! Und da die Teile gut aussehen und die lange Kellerklausur unbeschadet überstanden haben, kann ich diesen Vintage-Style durchaus noch tragen. Die 80er sind ja wieder schwer in Mode, wie ich neulich feststellen mußte, als mich meine Tochter beim Shopping in diverse hippe Teenieläden geschleppt hat. Diese neonfarbenen Klamotten, der auffällige Plastikschmuck, furchtbar! Das sind wirklich die ganz, ganz fiesen Seiten der 80er...
Ich hoffe ja darauf, daß auch die schwarzen Seiten dieses Jahrzehnts bald wieder ausgebuddelt werden. Pikes, sag' ich nur, aus Wildleder mit sechs Schnallen...
Jaja, ich weiß, in England kriegt man solche Teile noch und falls sich meine im Kellerchaos nicht mehr wiederfinden lassen, bestelle ich welche, jawoll!

Aber leider, leider ist in der feuchten Grotte unter unserem Haus vieles vermodert und kann nur noch entsorgt werden. Hoffentlich sind meine Pikes dabei nicht umgekommen :-(

Zu allem Überfluß ist jetzt auch noch unser Trockner dabei, den Geist aufzugeben und die Reparatur eines so alten Geräts übersteigt die Kosten für eine Neuanschaffung :-P
Der Trockner funktioniert noch gut; das Einzige, was zerbröselt ist, ist die Filzdichtung der Trommel, ein ganz läppisches Ersatzteil, das mal eben mit 60 Euro zu Buche schlägt - für einen dünnen Ring aus Filz wohlgemerkt *fubar*
Und wer weiß, was dann noch nachkommt...