Mittwoch, 3. Juni 2015

Gruftorexie - eine erbliche Krankheit?

Neulich war Tag der offenen Tür in der Schule.
Das Töchti wird trotz ihrem wilden Äußeren bei solchen Gelegenheiten immer wieder gern zu einem der Repräsentanten ihrer Schule gewählt und als Ansprechpartnerin für neue Schüler und deren Eltern auserkoren. Außerdem fungiert sie als Patin für eine der neuen fünften Klassen, denn das Töchti ist eloquent, höflich und hilfsbereit und im Umgang mit jüngeren Kindern sehr geduldig.
An diesem Tag arbeitete sie als eine Art Reiseleiterin und hielt Schilder mit den Nummern der Klassenräume hoch, zu denen die verschiedenen Besucher geleitet werden sollten. Zu ihren Aufgaben gehörte es u.a., Eltern und Kindern, die sich trotzdem verliefen, dabei behilflich zu sein, zum gesuchten Veranstaltungsort zu gelangen.

Für die fleißigen Helfer gab es dann irgendwann einmal eine Pause und bergeweise Kirschkuchen, der im Foyer vor der Aula an die Reiseleiter verteilt wurde. Dem Töchti blieb allerdings fast der Bissen im Hals stecken, als eine 08-15-Stino-Mutti (in der hier üblichen Stino-Mutti-Uniform mit topfigem Kurzhaarschnitt, Strickjacke, pastellfarbener Bluse und Jeans) samt Sohnemann (in feinstem Esprit- & Jack Wolfshit-Zwirn) aus der Aula kam und sich vor ihr aufbaute. Sie glotzte das Töchti, das dem Kirschkuchen fröhnte, entgeistert an. Ihre Miene wechselte zwischen Mißbilligung und Verstörung, die ihres Sprößlings zwischen Langeweile und Verständnislosigkeit.

Da die Parole "Lächeln und winken!" ausgegeben worden war, tat Töchti genau das. Hätte ja auch sein können, daß die beiden Hilfe benötigten. Aber bevor Töchti danach fragen konnte, beugte sich die Mutter zu ihrem Sohn hinunter und erklärte so laut, daß alle Umstehenden es hören konnten: "Guck mal, das Mädchen da hat eine psychische Erkrankung, sonst würde sie nicht so herumlaufen!"

Töchti runzelte die Stirn und zeigte der Mutti in Gedanken den Mittelfinger, erwiderte aber nichts, sondern biß lieber von ihrem Kirschkuchen ab. Außerdem weiß sie, daß man mit vollem Mund nicht spricht. 
Für eine 15jährige, die weiß Goth sonst nicht auf die Gusche gefallen ist, ist das schon eine reife Leistung. Ich hätte in dem Alter bei einer solch dämlichen Bemerkung nicht so gelassen reagiert, sondern die Ollsche bestimmt angepöbelt und ihr irgendetwas Unflätiges an den Kopf geworfen... oder den Kuchen... *verlegenräusper*
Die Stino-Mutti befürchtete wahrscheinlich genau das und suchte, ihr Kind hinter sich herzerrend, das Heil in der Flucht. Solche komischen Typen sind ja unberechenbar!

Die Schüler von Töchtis Patenklasse hingegen, die aus um die zehn Jahre alten Kiddies besteht, finden ihre schwarz gewandete Tante cool. Einer der Jungen, der auf Horrorfilme steht und wahrscheinlich schon Sachen gesehen hat, die nicht altersgerecht sind (Saw fand er langweilig), fragte bei der Rallye durch die Schule: "Bist du ein Grufti?" Töchti war hin und weg. So ein nettes, kluges Kind! Ein anderer Zwerg wandte ein, daß es sich ja bei Töchti auch um einen Emo handeln könne, woraufhin Töchti ihm kindgerecht zu erklären versuchte, wo die Unterschiede zwischen Gruftis und Emos liegen - jedenfalls hinsichtlich der äußeren Merkmale wie Outfit, Haartracht etc.
Der kleine Horrorfan meinte: "Man sieht dir aber an, daß du ein Grufti bist. Ich hab mich aber nicht getraut, dich anzusprechen, weil ich dachte, du könntest das als Beleidigung verstehen!" Awwwwwww.... Töchti fand das irrsinnig süß. Vorurteilsfrei und neugierig gingen die Kleinen auf Töchti zu und sind heute noch hocherfreut, wenn sie einander im Schulflur begegnen.

Aber die Stino-Mutti, die bei meinem Kind eine psychische Erkrankung anhand des Kleidungsstils diagnostizierte, nenene...
Scheint jedenfalls eine Erbkrankheit zu sein :D
Die Geschichte gab immerhin Anlaß zu fröhlichem Geläster und Gekicher, um so mehr, da Mutter und Sohn samt ihren Uniformen voll ins Dorf-Stino-Bild passten. Zu welchem Befund käme die Trulla wohl, würde man sie Pfingsten in Leipzig aussetzen? Eine Gruftorexie-Epidemie?

Naja, aber das war wieder mal irgendwie typisch für unsere Dörfler hier. Die sind echt schon ganz schön seltsam, diese Normalos...
Haste keine Jack Wolfshit- oder Hollister-Klamotten, biste in unserem Kuhkaff eh schon ein Punk, ist dein Auto älter als zwei Jahre, biste asozial, stehen die Geranien auf dem Balkon nicht in Reih' und Glied, ein Messie...
Naja, who cares? Die lästern über uns, wir über sie. So gleicht sich das wieder aus - egal, an welcher Geisteskrankheit man nun auch immer leidet...

Montag, 1. Juni 2015

Pikes: The Gothic Shoe Company

Ich habe es doch gewagt.
Und ich wurde nicht enttäuscht.
Als die Gothic Shoe Company (GSC) Ende April erstmals old school pikes anbot, wurde ich unruhig...

The Gothic Shoe Company ist im Grunde das Nachfolgeunternehmen von Retroshu, diesmal zeichnet sich allerdings der Sohn des Retroshuinhabers, Kris, für das Unternehmen und die Produktion des begehrten spitzen Schuhwerks verantwortlich. Das Handwerk hat er von seinem Vater gelernt und liefert eine ebenso qualitativ hochwertige Arbeit ab wie dieser. 
Im Gegensatz zu damals jedoch - wie oft habe ich versucht, Pikes bei Retroshu zu bestellen und nie ist es mir gelungen, mit dem Inhaber oder seinen Mitarbeitern in Kontakt zu treten! - ist Kris sehr kommunikativ. Anfragen auf Facebook werden innerhalb von Minuten beantwortet.

Von li nach re: Nevermind, Retroshu, Boots & Braces, Underground Shoes, GSC, 80er Jahre Relikt

Und so habe ich dann auch kurzentschlossen ein Paar der old school pikes während eines Facebookchats bei ihm bestellt. Er fragte, wie ich bezahlen wolle und nach ein paar Minuten trudelte die Mail mit dem entsprechenden Paypallink bei mir ein. Ich wies die Zahlung sofort an und nur wenige Minuten später meldete sich Kris bei mir auf Facebook, bedankte sich für den Auftrag und die Zahlung, die er bereits erhalten hatte, und erklärte, daß es eine Woche dauern würde, meine Wunschpikes zu bauen.
Dieses Versprechen hat er auch eingehalten: genau eine Woche später erhielt ich die Mail, daß meine Schuhe verschickt worden waren.
Bis sie allerdings nach langer Irrfahrt (dank der Inkompetenz des deutschen Kurierdienstes) bei mir eintrafen, ist eine andere Geschichte, die ich euch später mal erzähle. Kris kann dafür nichts, er hat alle Termine und Zusagen eingehalten.

von li nach re: Retroshu, GSC, 80er Jahre Relikt

Die Form der old school pikes von GSC ähnelt der meiner alten 80er Jahre Pikes. Der auffälligste Unterschied ist mal wieder die Farbe der Reißverschlüsse, auch bei den GSC-Pikes sind die aus silberfarbenem Metall, obwohl ich eigentlich schwarze bestellt habe. Daß dieser Wunsch ignoriert wurde, ist allerdings nicht tragisch. Schwarze Reißverschlüsse aus Kunststoff halten eben nicht so lange wie metallene - vor allem bei mir, ich schrotte die im Nullkommanichts!
Wie bei meinen Retroshupikes sind auch hier die Riemen verstärkt worden, die Sohlen sind jedoch so flach wie bei meinen alten. Sie könnten jedoch größer sein, denn das Leder steht ein wenig über, was zur Folge haben könnte, daß sich die Spitzen wesentlich schneller abstoßen als normal. Die Schwachstellen bei Pikes sind nun mal die Spitzen und besonders gefährdet sind diese beim Treppensteigen...


Die Spitzen verjüngen sich nach vorn hin wesentlich mehr als die meiner anderen neuen Pikes, sind jedoch noch nicht so spitz wie die der ultraspitzen alten Modelle. 
Kris arbeitet jedoch eifrig daran, diese Kinderkrankheiten noch auszumerzen. Man bedenke, daß ich eines seiner allerersten Exemplare old school pikes erhalten habe, bislang hat er den breiteren Retroshustil gebaut.


Dafür bin ich sehr zufrieden, zumal die Pikes schon den ersten Praxistest mit Bravour gemeistert haben: eine stundenlange Shoppingtour in der Stadt, etliche Treppen rauf (dank jahrzehntelanger Übung stoße ich mir nicht die Spitzen dabei an) und wieder runter, über Kopfsteinpflaster und holprigen Asphalt - man läuft einfach gut darin. 
Ich habe übrigens meine normale Schuhgröße bestellt (UK 8 ladies size) und die Pikes passen wie angegossen. Ich brauchte sie nicht eintragen, sie sitzen einfach perfekt.
Mit Sicherheit wird dieses Paar nicht mein letztes von GSC sein, zumal ich mir noch meinen Jugendtraum Pikes mit Fledermausschnallen erfüllen möchte.
Und für das Töchti gibt es die mit Pentagrammen... 
Ach, und dann gibt es ja noch diese wunderbaren Neunschnaller und... *uffz*

Freitag, 30. Januar 2015

Amphi 2015

Neulich kamen die Tickets für das Amphi 2015 an. Juhu!
Line-up ist auch nicht so schlecht - ich freue mich besonders auf The Mission - und der Tod kommt auch wieder.


Eigentlich wollten wir es ja dieses Jahr auf's WGT schaffen, aber auch diesmal kommt uns wieder ein anderer Termin in die Quere. Für das Töchti stehen die Abschlußprüfungen in der Realschule an und da sie den Quali für's Gymi schaffen möchte, will sie 'reinhauen. Logo, daß wir sie dabei unterstützen! Das WGT wird ja wahrscheinlich nicht das letzte Mal stattfinden....
Was steht bei euch denn dieses Jahr so an?

Donnerstag, 29. Januar 2015

Crash Test Stinos

...oder Schubladen für Schubladendenker...

Irgendwie isses ja schon komisch mit den Stinos und den Gruftis.
Es gibt tatsächlich welche, die bekennen sich voller Wehmut dazu, in ihrer Jugend auch mal in die schwarze Szene hineingeschnuppert zu haben, bevor sie dem gesellschaftlichen Druck nachgegeben und sich angepasst haben. Die bekommen dann bei Anblick von Pikes und Fledermäusen glänzende Augen und freuen sich, daß es Leute gibt, die trotz ihrem biblischen Alter von über 40 Jahren immer noch so herumlaufen. Dieser Stinotyp - nennen wir ihn Phasengothic -  ist zumeist sehr interessiert und wißbegierig und schwelgt gern in Erinnerungen. 

Ebenfalls zu den dem Schwarzvolk wohlgesonnenen Stinos gehören ein Teil der Verständnislosen (siehe dort), die zwar nicht kapieren, wieso man keine farbenfrohen Klamotten trägt, aber einen gemäß dem Motto "Jedem Tierchen sein Pläsierchen!" freundlich begucken und in Ruhe lassen, und diejenigen, die sich auch zu den Unangepassten zählen. Ein Unangepasster besitzt oft gewisse Gemeinsamkeiten (Interessen, Musik, Filme z.B., Ablehnung des Mainstream etc.) mit dem Grufti, unterscheidet sich äußerlich jedoch sehr. Die Bandbreite ist beträchtlich. In meinem Freundeskreis befinden sich etliche Varianten des Unangepassten. Zwei nette Unangepasste, die es sich jedoch nicht nehmen ließen, dem Töchti und mir ein neckisches "Emooooo!" nachzurufen und daraufhin einen Stinkefinger vom erbosten Kind ernteten, begegneten uns letzten Sommer beim Dorfsupermarkt. An diesem Tag war es irrsinnig heiß. Ich lutschte gedankenverloren an einem Eis und hatte davon nichts mitbekommen, aber das Töchti echauffierte sich sehr und zeterte herum. Wir hatten bis dato so oft Emo-Rufe vernommen, daß allein das Wort ausreichte, das Kind zum Hulk werden zu lassen. Da standen wir also so vor dem Supermarkt herum, das Töchti meckerte und einer der Unangepassten kam heraus und entschuldigte sich tatsächlich. Es sei ja nicht böse gemeint gewesen und nur ein Scherz blablabla. Wir erklärten dem langhaarigen Unangepassten, warum wir es nicht mehr lustig fänden, als Emos betituliert zu werden und aus welchen Gründen das Töchti darauf so gereizt reagierte (ich nicht, ich stumpfes Schaf hatte ja im Karameleisrausch nix gehört). Es entspann sich eine nette Unterhaltung, als noch der zweite Unangepasste dazu kam. Beide spielen in einer Metalband - so sahen die auch aus, Schublade auf, Schublade zu *kicher* - und haben ebenfalls mit Vorurteilen zu kämpfen (Drogen, ständig besoffen randalieren etc.). Man trennte sich in bestem Einvernehmen.
Wenn sie uns das nächste Mal treffen, dann rufen sie uns hoffentlich "Gruftiiiiii!" nach und wir werden ganz facebooklike die Daumen in die Höhe recken und erfreut Beifall klatschen. :D

Abgesehen von diesen netten, umgänglichen Zeitgenossen gibt es auch etliche fiese Möppe. Manche können einen doch hin und wieder verzweifeln lassen. Es gibt da z.B. den Neider, der alles, was nicht Schema F folgt, voller Eifersucht und Mißgunst betrachtet und es niemals zugeben würde, daß er's eigentlich cool findet, wie wir Schwarzkittel herumlaufen. Im Grund brächte er gern selbst den Mut auf, sich von dem Einheitsbrei der markengeilen Masse abzuheben und sein eigenes Ding durchzuziehen. Diesen Typen findet man meiner Erfahrung nach eher in der Altersklasse meiner Tochter. Und der ist besonders unangenehm. Das Dilemma, nicht den Anschluß an die Gemeinschaft verlieren zu wollen, indem man mit den "Opfern" sympathisiert, und die gleichzeitige heimliche Bewunderung jener Außenseiter, macht den Neider ziemlich bösartig und bissig. Er guckt sich an, was der Grufti so macht und tut und lästert mit seiner Clique darüber in höchsten Tönen ab, damit nur ja nicht der Verdacht aufkommt, daß ihm der Style und das Auftreten des Gruftis vielleicht doch gefallen könnte. Hat man sich das Maul ausreichend zerrissen und ein neues Lästerobjekt gefunden, über das man herziehen kann, beginnt der Neider mehr oder weniger klammheimlich damit, ihn nachzuäffen.
So hat sich das Töchti in den Sommerferien einen Sidecut schneiden lassen, was von ihren Schulkameraden höchst unterschiedlich aufgenommen wurde. Es gab einige, die fanden den neuen Haarschnitt cool, andere unkten herum und schüttelten, damit es Töchti auch nur ja bemerkte, ihren Kopf über diese merkwürdige Haartracht. Komischerweise kamen genau DIE zwei Wochen später mit 'nem Sidecut um die Ecke *grins*

Eine etwas nervige, aber nicht ganz so garstige Abart des Neiders ist der Bekenner, der sich ab und an traut zuzugeben, daß er den Gruftkrams doch ganz stylish findet. Deshalb überlegt er, auch Gossick zu werden. Quasi als Fashionstatement. Der Typ kann einem gehörig auf den Keks gehen, löchert er einen doch mit launigen Ankündigungen wie "In drei Wochen bin ich auch Gossick" oder Fragen wie "Wie werde ich Gossick?  Was muß ich da machen?". Töchti reagiert mittlerweile, als würde man sie in Kisuaheli oder Hethitisch ansprechen, und mit völligem Unverständnis: "Keine Ahnung, dazu kann ich dir nichts sagen, mit Gossicks hab' ich nix zu tun!" Der Bekenner reißt die himmelblau umrandeten Augen auf und zupft sich an den gebleichten und rosa gefärbten Haaren: "Aba...aba... du trägst doch auch schwarz! Ist das von Hollister?" *seufz* Wir empfehlen die Anleitung "Wie werde ich Gossick in zehn Tagen?" von schwarzbratz.com :P

Joa, da haben wir dann noch die Verständnislosen. Die gibt es in jedem Alter. Und die reagieren unterschiedlich - von ängstlich bis angeekelt ist alles dabei. Die Ängstlichen wechseln auch schon mal die Straßenseite, wenn ich mit klirrenden Pikes und bodenlangem Mantel angerauscht komme, oder setzen sich im Bus auf gar keinen Fall neben mich, auch wenn alle anderen Plätze besetzt sind und sie während der Fahrt stehen müssen.
Der neugierige Verständnislose der Unterart "Rheinische Frohnatur" begegnet dem Grufti mit einer gewissen Jovialität und quatscht ihn gern an: "Och, dat is' ävver traurisch, wie du erömläufs'. Wer is' denn jestorb'n?" Es ist dann doch sehr interessant zu beobachten, wie die Mimik der Rheinischen Frohnatur wechselt, wenn man ihn todernst anblickt und mit Grabesstimme antwortet: "Noch niemand..."  
Auch die Bekehrer gehören im Grunde zu den Verständnislosen. Meine Tante ist der Prototyp davon. Ständig bemüht, mich zu fröhlicheren Farben zu bekehren, weil mir das düstere Schwarz doch nicht stehen würde, beschenkte sie mich während meiner Teeniezeit mit pastellfarbenen Kleidungsstücken, die ihrer Meinung nach modisch waren. Bloß nicht auffallen, so lautet das Credo der Bekehrer und dafür, daß sich dem auch nur ja alle anschließen, bringen sie oft erstaunliche Energien auf. 
Die meisten Verständnislosen bleiben jedoch stumm, nur wenige pöbeln herum. Interessanterweise sind es nicht nur halbstarke Teenies, die einem "Satan!" o.ä. hinterherrufen. Nein, es gibt tatsächlich auch Erwachsene, die sich zu diesem dämlichen Verhalten hinreißen lassen. So latschte neulich ein Mittzwanziger (geschätzt), wahrscheinlich aus Nordafrika (dem arab. Dialekt nach zu urteilen, den er in sein Handy bölkte), an mir vorbei, musterte mich und knallte mir "Verdammte Emobitch!" an den Kopf. Ich konterte mit "Schmarotzender Asylant!", worauf er sich entsetzte, er sei kein Asylant und lalala und überhaupt. Ich lächelte ihn liebreizend an: "Siehste, und ich kein Emo!" Ob er die Message verstanden hat, k.A. Normalerweise ignoriere ich ja derlei Gelaber, aber an diesem Tag war ich irgendwie auf Krawall gebürstet *gesteht*

Zu guter Letzt möchte ich dann noch den Stalker vorstellen. Der Stalker ist ein sehr seltenes Exemplar. Er sagt nichts, sondern schaut allenfalls verwundert, aber verfolgt einen auf Schritt und Tritt, um sich einen möglichst genauen Eindruck vom Grufti zu machen. Wozu auch immer.
Der Stalker achtet nicht auf seine Umgebung, während er den Grufti scannt. Sein Blick wandert abwärts von der siouxsieesken Haarpracht des Gruftis über dessen Kleidung und Accessoires bis hin zu den mehrschnalligen Pikes. Die begutachtet er besonders intensiv. Seltsames Schuhwerk. Und es gibt Töne von sich, die der Stalker vermutlich als Lockruf auffasst. Anders ist es nicht zu erklären, daß er dem Grufti wie ein Hündchen folgt. So ging es mir im Herbst letzten Jahres, als ich von der Arbeit nach Hause ging. Klirrschepperklimper - mit Sechsschnallern lautlos anschleichen ist vergebene Liebesmüh - und schwupps, da hatte ich einen Stalker an den Fersen kleben. Der glotzte die ganze Zeit nach unten auf meine Pikes und lief mir stur hinterher. Ich beschleunigte meine Schritte, der Stalker wurde ebenfalls schneller. Er holte ein wenig auf, daß er mich fast erreichte, und neigte den Kopf noch ein wenig mehr, um eine bessere Sicht auf meine Pikes zu erlangen. Dabei entging ihm wohl der hinterlistige Laternenpfahl, der ihm plötzlich in den Weg sprang. Der Crash war unausweichlich. 
Es klongte, der Stalker fluchte, der Grufti kicherte. Ein kurzer Blick auf den lästigen Verfolger, der sich den Schädel rieb - er sah nicht so aus, als würde er Erste Hilfe benötigen - und der Grufti setzte seinen Weg fort - ohne den Stalker, der beschämt wendete und in die Richtung verschwand, aus der er gekommen war...

Gibt's noch irgendwelche Schubladen in meiner Stino-Kommode, die ich vergessen habe und die ihr gern hinzufügen würdet? Wenn ja, würde ich mich über entsprechende Kommentare freuen :)

Dienstag, 2. September 2014

Pikes: Garibaldi von Boots & Braces

Ein neues Paar Pikes befindet sich seit dem Amphi in meiner übersichtlichen Sammlung von mehr oder weniger spitzem Schuhwerk. In dem Fall wohl eher weniger. Diese Stiefeletten als Pikes (pike = Spitze) zu bezeichnen, ist wohl ziemlich gewagt. Eigentlich handelt es sich dabei eher um Rounds *GG* 

Nun ja, die Schuhe gefielen mir eigentlich doch und in Ermangelung des Angebots an richtig spitzen Pikes (so was wie weiße Schimmel) nimmt Grufti eben, was er kriegen kann. So beschenkte ich mich an meinem Geburtstag mit dem Garibaldis von Boots & Braces England, die ich am Stand vom Darkstore (Berlin) erstand. Ich weiß nicht mehr genau, was ich dafür bezahlt habe (nicht den Preis auf dem Schuhkarton), aber die Teile dürften um die 120 Euro kosten. Bei Ebay habe ich sie auch schon gesehen.



Es handelt sich dabei um ein qualitativ recht gut verarbeitetes Paar "Winkelpiker" (höhöhöhö) made in Portugal aus schwarzem Veloursleder und einem Futter aus einer eine Art Glattleder (aber echtes Leder, kein Plastik laut Klebeschildchen). Die Ferse ist verstärkt. Ja, autsch und das ziemlich scharfkantig, daß man sich bei längerem Tragen auch nur ja mindestens eine Blase läuft. Ich habe Schuhgröße 42 genommen, die mir sogar ein bißchen zu groß ist. Aber mit zwei Paar Socken passen sie hervorragend und auch die Blasengefahr wird minimiert. Die Sohle ist im Vergleich zu meinen geliebten, auch unspitzen 6-Schnallern von Headrazor (Hersteller wahrscheinlich Retroshu) dünner, dafür aber wesentlich unflexibler, was den Tragekomfort etwas mindert. Die Schuhe besitzen außerdem einen 2,3 cm hohen Absatz.



Der Knaller sind aber die drei verstellbaren Riesenschnallen an breiten Lederriemen, die mit Klettverschlüssen versehen sind. Genau das Richtige für Uraltgruftis, die keine Geduld und zu große Rückenbeschwerden haben, um die zwölf Schnallen ihrer Standardpikes zuzutüdeln. Sie besitzen keinen Reißverschluß, sondern nur je eine Zunge und diese drei Riemen mit Klett, um sie zu schließen! Hinten am Spann sind drei kleine Totenschädel angebracht - ein ganz putziges Detail, wie ich finde.



Ich bereue den Kauf nicht, auch wenn es ziemlich schmerzhaft war, die Schuhe einzulaufen und sie nicht so bequem sind wie die bereits erwähnten 6-Schnaller. Zwar habe ich nicht das passende Freibeuteroutfit dafür im Schrank, aber so ein bißchen fühle ich mich darin wie der schwarze Korsar oder zumindest der grausame Pirat Roberts. Wenn euch das nichts sagt, schaut euch "Die Braut des Prinzen" an ;)


Von li nach re: B&B, Headrazor (Retroshu?), Nevermind, 80er Jahre

Ich habe die Garibaldis - wieso auch immer sie nach einem italienischen Condottiero benannt wurden - bereits mehrfach getragen. Als gruftige Schuhe für den Alltag taugen sie allemal. Auch wenn sie nicht spitz genug sind...

Donnerstag, 14. August 2014

Alter Friedhof Bonn

"Der Alte Friedhof zählt zu den bedeutendsten Friedhöfen Deutschlands. Nicht nur Grabstätten zeitgeschichtlich interessanter Persönlichkeiten wie Ernst Moritz Arndt sowie Clara und Robert Schumann faszinieren. Seine gartenarchitektonische Gestaltung dokumentiert zudem die facettenreiche Geschichte der Sepulkralkultur."
Quelle: HP der Stadt Bonn 

Es ist kaum zu glauben, daß sich diese Oase der Stille und Ruhe am Rande der Bonner Innenstadt befindet; in der Nähe des Stadthauses von Hauptverkehrsstraßen umgeben liegt der Alte Friedhof schräg gegenüber vom BLA (Bonner Lärm-Anstalt), dem ehemaligen Treffpunkt von Punks und Gruftis in den 80ern, bevor die Stinos die Macht dort übernahmen.
Nur selten verirren sich Touristen außerhalb der regelmäßig stattfindenden Führungen dorthin, meistens trifft man nur auf Friedhofsgärtner oder eine Handvoll Junkies, die in Ruhe auf einer Parkbank einen Joint kreisen lassen.


Tritt man durch das schmiedeeiserne Tor, fühlt man sich, als habe man eine andere Welt betreten. Die Atmosphäre dieses Ortes nimmt den Besucher sofort gefangen. Der Straßenlärm tritt in den Hintergrund, das dumpfe Brummen der Motoren und das Quietschen der Fahrradklingeln dringen kaum noch an mein Ohr. Der Kies auf den Wegen knirscht bei jedem Schritt unter meinen Pikes, das Rauschen des Windes in den Kronen der riesigen Bäume und das Zirpen der Vögel verdrängen die störende Geräuschkulisse von draußen. Ein Eichhörnchen turnt an einem Ast über unseren Köpfen herum und guckt neugierig zu uns hinunter, ein Schmetterling flattert vorbei. Riesige Pilze wachsen an einem modrigen Baumstamm - Leben und Tod liegen so nah beieinander in diesem einzigartigen Biotop. 


Der Alte Friedhof wurde 1715 gegründet. Seit 1884 werden dort keine neuen Gräber mehr angelegt, aber auch heute noch werden prominente oder wohlhabende Bonner in bereits bestehenden Familiengräbern bestattet.
Manche Grabstätten sind verfallen, manche werden liebevoll gepflegt. Viele Grabmäler geben genau Auskunft über die Familienverhältnisse der dort ruhenden Toten, über ihren Beruf und ihre Vorlieben, denen sie zu Lebzeiten fröhnten. Viele bedeutsame Bonner Bürger, Wissenschaftler und Gelehrte, nach denen Straßen und Plätze benannt worden sind, sind hier beerdigt worden. Auf dem Plan, den die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs e.V. auf ihrer Homepage zur Verfügung stellt, kann man sich ansehen, wo sich welches Grab befindet: Plan - Alter Friedhof Bonn

Genug der Worte, ich lasse lieber Bilder sprechen...

Das Grab von Maria Magdalena van Beethoven





Herr Noeggerath schaut ein wenig mißmutig drein



 Das Grab von Robert und Clara Schumann




Sonntag, 3. August 2014

Amphi 2014 - Reflektionen eines 80er Jahre Relikts

Die Euphorie, die der erste Tag auf dem Amphi hervorgerufen hatte, hatte sich am Sonntagmorgen etwas gelegt und während das Kreppeisen aufheizte und auf seinen Einsatz wartete, reflektierte man die gestrigen Erlebnisse. 
Einiges fand ich 80er Jahre Relikt, da ich nun über den rostigen Gitterzaun des heimischen Friedhofs blickte, sehr befremdlich. Die Szene, die ich in Erinnerung habe, hat sich doch sehr verändert, zumindest optisch.
Einige Besucher trugen kunstvolle Verkleidungen und aufwendige Kostüme, als seien sie einem Fantasyfilm entsprungen oder hätten sich auf dem Weg zum nächsten LARP verlaufen. Andere schmückten ihr Haupt mit in Streifen geschnittenen Mülltüten, Absperrbändern und Gartenschläuchen und waren wie schrille Paradiesvögel oder Sahnetörtchen in Weiß und Pink oder sonstwie bunt gewandet. Äääääh...schwarze Szene? Schwarz? Diese dunkle Unfarbe?

Liebe Piratenbräute, Steampunks, Cybers und andere Farbfetischisten, nein, ich habe wirklich nichts gegen euch, ich kenne keinen von euch persönlich, aber habt Erbarmen mit einer alten Tucke wie mir, die euer Styling einfach merkwürdig findet. So unschwarz und ungruftig. Und ein Cybergothpunkwhatever (wie nun genau bezeichnet ihr euch?) erinnert mich irgendwie an das, was 'rauskommen könnte, wenn man einen Predator und einen Tribble kreuzt und mit Neonfarbe besprüht. Ihr seid mir einfach fremd - jedenfalls euer Outfit.
Naja, vielleicht sind ja die Seelen dieser Quietschbunten so tiefpechrabenschwarz, daß sie das Äußere wieder ausgleichen? Interessieren würde es mich ja schon, ob sich diese Leute, die sich so auffällig kleiden, zur schwarzen Szene zugehörig fühlen und wenn ja, wo sie die Gemeinsamkeiten zu den Friedhofsgängern, wie ich einer bin, sehen. Falls es die überhaupt gibt, die Gemeinsamkeiten...
Mir ist schon klar, daß die Szene nicht mehr so übersichtlich und homogen ist wie vor einem guten Vierteljahrhundert.

"Ok", erklärte ich dem Töchti, das diese Buntis ebenfalls merkwürdig fand, "wenn sich die Leute in diesen Outfits so gefallen, sollen sie die doch tragen. Wie wir herumlaufen, ist auch nicht jedermanns Sache." Es gab da einen Zwischenfall auf dem Amphi, da jemandem meine Pikes auffielen und er sich darüber wunderte, da er schon lange keine mehr gesehen hätte. Er musterte mich von Kopf bis Fuß und stellte fest, daß ich wohl ein richtiger old school Grufti wäre (ich fühlte mich da doch geschmeichelt, in die Schublade gesteckt zu werden, in der ich mich am wohlsten fühle). Und dann kam's...
"Das ist doch total out", sagte er. Grrrrrrrr!!!!!!!!
Ich unterdrückte den ersten Reflex, ihm freundlich eins hinter die Löffel zu geben  - die schwarze Szene ist ja so friedliebend, jawoll! - und erwiderte ruhig, daß er ja wohl nicht uptodate sei, die 80er wieder schwer im Kommen und Pikes ohnehin nie out gewesen seien. Dann gingen wir. 
Diese Bemerkung, die ich, um es mal klarzustellen, nicht als Verunglimpfung - höchstens im allerersten Moment - oder Kritik empfand, war wohl eher ironisch gemeint, kam sie doch von jemandem, der in den 80ern bestimmt älter war als ich und auch keine hippen Gartenschläuche auf dem Kopf oder Cupcaketäschchen am Gürtel trug.

Der Großteil der Besucher jedoch war den Temperaturen angemessen und völlig normal schwarz *hüstel* gekleidet. Ins Auge stachen mir dann doch wieder ein paar Typen, die Uniform trugen. Wohlgemerkt, ich meine jetzt keine Mädels, die aussehen wie freundliche PanAm-Stewardessen oder Typen, die einen auf Top Gun in Schwarz machen, sondern die, die richtige Uniformen tragen (wenn ich mich nicht irre, lief u.a. einer in NVA-Klamotte herum) oder solche, die an die gewisser Organisationen aus der Zeit zwischen 1933 - 45 erinnern und die in Deutschland schlicht und einfach verboten sind. Und nein, es reicht eben nicht, nur die Hakenkreuze wegzulassen, Abatz 2 von § 86a StGB zum "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" lautet: "Kennzeichen im Sinne des Absatzes 1 sind namentlich Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen. Den in Satz 1 genannten Kennzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind." Dazu gehören auch die Uniformen der HJ, SS, Waffen-SS oder SA. 

Da mein Gatte reenactet und ich weiß, welch sensibles Thema diese Uniformgeschichte ist und wie man damit in der Reenactment- bzw. WK2szene verfährt, erstaunt, ja erschreckt es mich um so mehr, wie lax mit dieser Problematik in der schwarzen Szene umgegangen wird. 
 Von "Wir sind ja so tolerant" *lalalala* über vollkommenes Unwissen, was die entsprechende Rechtslage in Deutschland angeht, bis hin zu "Wenn hier jetzt schon, in unserer scene, über den klamottenstil gestritten wird, dann ist es so weit. klar, auch ich sehe einige in "uniformen" die asotiationen wecken könnten, aber bisher dachte ich, das geschieht meist, bei dem "normalen" teil der bevölkerung." (Zitat aus einem der Threads von der FB-Seite des Amphifestivals, wo dieses Problem zur Sprache kam. Die Fehler sind nicht von mir *GG*) findet man beinahe alles an Ist-mir-egal-Attitüden.
HALLOHOOOOO? Geht's noch? Sagt mal, tickt ihr noch ganz sauber? Oder hat euch das Dogma der szenetypischen Friedfertigkeit und Toleranz schon das Hirn zu sehr aufgeweicht, daß ihr alles widerspruchslos hinnehmt? Kopf -> Tisch
Nein, ich möchte keinem Typen in HJ-Klamotte auf einem schwarzen Festival über den Weg laufen, keinem Pulk in SS-Uniformen oder Outfits, die daran erinnern! Leuten, die solche Klamotten tragen, unterstelle ich auch eine solche Gesinnung oder zumindest eine gewisse Nähe zum rechten Rand unserer Gesellschaft. Provokation ist schön und gut oder der Wunsch, Finsternis und Untergang darzustellen. Aber das kann man mit ein wenig Kreativität auch anders. 
Dieser Weg ist m.E. kein geeigneter, da er eine eindeutige politische Haltung zum Ausdruck bringt. Und war die schwarze Szene eigentlich nicht immer unpolitisch?
Nicht das schwarze Individuum an sich, aber die Szene im Großen und Ganzen folgte doch nie einer bestimmten Richtung und ordnete sich einer politischen Organisation unter, weder äußerlich noch ideell.  Ist das jetzt anders - zumindest bei einem Teil der Szene?

Meine Schmerzgrenze (und wohl nicht nur meine, wie etliche Posts auf FB belegen) ist jedenfalls bei weitem überschritten worden...
Ich kriege Magendrücken bei diesem Anblick und das nicht nur, weil ich mich daran erinnert fühle, daß die Rechten früher (also in meiner Jugend) gerne loszogen, um "ein paar Schwarze zu klatschen" und auch mal krankenhausreif schlugen. 
Ich empfinde es als eine ausgesprochene Verunglimpfung und Verhöhnung der Opfer dieser Epochen der deutschen Geschichte - sowohl die Zeit des Dritten Reichs als auch die der DDR -, wenn diese Uniformen als Kostüm von solchen Spaßvögeln getragen werden, denen die nötige Sensibilität fehlt, um zu erkennen, welch menschenfeindliche Haltung sie damit zum Ausdruck bringen. 

Ohnehin finde ich es seltsam, daß Uniformen oder Uniformteile zu Stylingelementen in der schwarzen Szene geworden sind. Uniform ist doch etwas, was wir nie sein und nie tragen wollten, oder?
Paradox...

Glücklicherweise konnte man diese Typen aber an einer Hand abzählen.
Kurioserweise und möglicherweise, weil die Security aufgrund einer ungenauen Anweisung von oben nach Gutdünken entscheiden konnte, was als bedrohlich, Waffe oder Waffenattrappe galt, wurde diesen Typen Zutritt zum Festivalgelände gewährt. Bei manchen WK2-Reenactments ist es hingegen schon vorgekommen, daß die Polizei nach dem Rechten (oder vielmehr den Rechten) gesehen hat oder der Veranstalter Besucher in entsprechender Klamotte vom Veranstaltungsgelände entfernen ließ, da die anderen Teilnehmer mit Personen, die eine derartige Gesinnung zur Schau trugen, nicht in einen Topf oder gar zusammen fotografiert werden mochten.

Friedliche Gruftis mit Nietenhalsbändern - damit könne man jemanden ja ein Auge ausstechen - mussten jedoch draußen bleiben, obwohl man eben solchen Schmuck auf dem Amphi käuflich erwerben konnte.
Muß man nicht verstehen...
Demnächst bleiben dann auch die Cybers draußen, die ja mit ihren Plastikschläuchen jemanden erwürgen könnten. Und Killernieten, KILLERnieten stellen ja schon aufgrund ihres Namens eine Gefahr für Leib und Leben dar...
Wahrscheinlich sind die Pikes heutzutage deshalb auch nicht mehr so spitz wie früher. Man könnte damit ja jemandem ein Loch ins Schienbein treten...  

Jetzt habe ich mich so lang und breit über diese wenigen negativen Momente auf dem Amphi ausgelassen, daß man beinahe glauben könnte, mir hätte das Festival überhaupt nicht gefallen. Hat es aber! Sogar sehr!
So sehr, daß ich meinen Geburtstag nächstes Jahr wieder dort feiern werde.
Ja, auch 2015 findet das Amphi genau dann statt :D 

Die vielen positiven Eindrücke überwiegen einfach und deshalb sehen wir uns in einem Jahr in Köln wieder...
Und bitte ladet doch auch She past away nochmals ein! 

Freitag, 1. August 2014

Amphi 2014 - Tag 2

Den Sonntagmorgen gingen wir geruhsamer an.
Unsere Lieblingsbands hatten samstags gespielt, heute wollten wir uns ins Theater setzen und Lesungen und Vorträgen lauschen, noch ein paar Bekannte treffen, etwas shoppen gehen und...mal sehen...

Wir gelangten rasch und ohne Probleme auf das Festivalgelände. Die Taschenkontrolle am Eingang verlief zügig und so früh am Morgen war die Security noch nicht überarbeitet und gut gelaunt. Auch unsere Flasche Haarlack und der Toupierkamm dürften wieder passieren. Ich mein', welcher anständige Grufti verläßt schon ohne Haarlack das Haus? ;)
Kaum auf dem Festivalgelände wurde die 0,5 l-Colaflasche, die wir am Tag zuvor für unglaubliche 5 Euro (inkl. 50 Cent Pfand) erstanden hatten, an einem der Trinkwasserbrunnen aufgefüllt. Glücklicherweise hatte der Veranstalter drei Wasserzapfanlagen zur Verfügung gestellt (worauf der Moderator immer wieder hinwies und die Leute aufforderte, ausreichend zu trinken), sonst wäre wahrscheinlich mindestens die Hälfte der Besucher mit Kreislaufkollaps wg. Flüssigkeitsmangels zusammengebrochen. Denn die Preise der GAstronomie waren so astronomisch hoch - steckt ja schon im Begriff selbst -, daß wohl manch einer eher verdurstet wäre, als genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Und bei den sommerlichen Temperaturen geht das schnell...


Schade, daß sich da der Inhaber des Tanzbrunnens, der sich wohl für die Gastronomie verantwortlich zeichnet, so querstellt und die Preise so hoch ansetzt. Denn nicht nur wir hätten mehr verzehrt, wären Getränke und Speisen günstiger gewesen. Die Pizza Margherita von der Größe einer kleinen Frisbeescheibe für 5,50 Euro und die schmeckte wie eine labberige Qualle, machte immerhin satt. Ein kulinarisches Highlight war sie nicht. Das darf man bei einem solchen Massenevent auch nicht erwarten
Aber der Tanzbrunnen liegt ja glücklicherweise nur ca. 10 Minuten Fußweg von einer Mäckesfiliale im Deutzer Bahnhof entfernt...

Wie dem auch sei, wir standen kurz vor 12 Uhr mit wohlgefüllter Wasserflasche vor dem Theater, in das wir wenig später eingelassen wurden.
Als erstes hörten wir eine Lesung von Ecki Stieg, der aus verschiedenen seiner Essays vortrug. Besonders sympathisch fand ich, daß er sich selbst über seine Schriebse kaputtlachte und kichernd gestand, er habe das Zeug selbst seit ewigen Zeiten nicht mehr gelesen, aber stünde immer noch dahinter.
Aus "I am the DJ" (unter diesem Link ist der entsprechende Aufsatz zu finden) gab es mehrere Auszüge. Als er die verschiedenen Typen charakterisierte, die in einem Szeneclub abhängen, kam er auch zum "80er Jahre Relikt": "Ist entweder in dieser Phase groß geworden oder geschmacklich darin hängen geblieben. (...) Ist noch nostalgischer und lamentierender als der alte Goth-Sack und versucht im Gegensatz zu diesem, dem optischen Stil der 80er zu entsprechen." 
Und das Töchti kreischte entzückt los: "Mama, der redet von dir!"
Ich versank in meinem Stuhl. Um mich herum kicherte es und mitfühlende Blicke Gleichaltriger trafen mich. Ich war nicht allein. Puuuuuh *erleichtertdurchatmet*

Irgendwann war dann auch der "alte Goth-Sack" an der Reihe, dem ich - auch musikalisch - viel näher stehe als dem "80er Jahre Relikt": "...ist Neuem gegenüber aufgeschlossen, freut sich aber dennoch, wenn sein Lieblingsstück kommt, das gemeinhin von The Cure, Bauhaus oder Joy Division stammt." Zum tanzen bin ich allerdings nicht zu träge und zu fett, das will ich nur mal klarstellen! 
Es war unheimlich, wie genau Ecki Stieg benennen konnte, welche Musik ich daheim so dudele. Und er wußte sogar, daß ich Ramones höre...

Danach folgte die Lesung von Markus Heitz. Nun gut, wirklich neugierig gemacht hat mich ehrlich gesagt keiner der "Kinotrailer" (so betitelte der Autor selbst die Exzerpte aus seinen Werken), die er da zum Besten gab. Aber vielleicht gucke ich mal in seine Bücher, sofern mir mal eins über den Weg läuft (wahrscheinlich findet man die im Bonner Comicladen). Der Vortrag war jedoch ein recht vergnüglicher und kurzweiliger, aber dann kam der Knaller des Tages: der Tod!

Den Tod muß man live (üb-)erleben. Zwar findet man auch Videos und Sketche im Internet, aber live ist er der Brüller schlechthin. Ich verweise hier auf seine Homepage endlich-tod.de, die er nach eigenen Worten einem Emo abgehandelt hat. Es sei für beide eine Win-win-Situation gewesen, erklärte er.
Der Tod befindet sich zur Zeit auf einer Imagekampagne durch Deutschland, da Sterben bei uns einen so schlechten Ruf besitzt. Dabei sind Radieschen von unten betrachtet eigentlich ganz harmlos.

Töchti und ich ganz erschlagen von der Hitze

Nach ca. drei Stunden verließen wir das Theater (mit Klimaanlage und sie lief sogar!) und bummelten planlos herum. Dabei trafen wir auf ein paar Bekannte, die auf der Wiese hinter der Händlermeile lagerten, ließen uns dort auch im Schatten nieder und quatschten ein bißchen. Ganz spontan beschlossen wir, uns um 17 Uhr im Staatenhaus Roter Sand anzusehen und obwohl die ja eigentlich nicht meine Mucke spielen, gefielen sie mir überraschenderweise sehr. Es passierte eben das, was immer geschieht, reißt einen die Atmosphäre und die Musik mit: irgendwann fängt man an zu tanzen und mitzuklatschen und am Ende ist man pitschnaß :D



Danach brauchten wir dringend etwas zu trinken. Die Akkustik im Staatenhaus ließ etwas zu wünschen übrig und die Lautstärke und vor allen die Bässe ließen unsere Ohren klingeln. Die Luft kochte. Also nichts wie raus da, als das Konzert vorbei war, und ab zum Trinkwasserbrunnen, wo erst einmal die beim Tanzen verlorene Flüssigkeit wieder aufgefüllt wurde. Die erschien im Nullkommanichts wieder auf der Hautoberfläche, die Klamotten klebten schweißgetränkt an mir, der gekreppte Wuschelkopf hatte schon arg gelitten, aber mein Deo hielt und ich fühlte mich einfach nur großartig!


Da das Töchti noch vorhatte, die letzten Reste seiner Amphikohle 'rauszuhauen, marschierten wir wieder zur Händlermeile. Irgendwann blieben wir bei Apoptygma Berzerk, die auf der Mainstage spielten, kleben. Fand das Kind nicht so berauschend, Muttern dafür um so mehr, als sie Major Tom spielten und die ganzen alten Goth-Säcke "Völlig losgehelöst von der Erde schwebt das Rauhaumschiff..." gröhlten und man sich wieder wie 13 fühlen konnte. Die Jüngeren blickten zwar etwas verstört um sich, aber das juckte keinen :D

Hier mal die Version von Peter Schilling:


Da Töchti ein immer längeres Gesicht machte, auch weil sie Kopfweh bekam, suchten wir uns ein ruhigeres Plätzchen, kauften uns noch etwas zu trinken (ja, diesmal hatte ich meine Rheumatabletten dabei und auch welche genommen, daß der Amphisonntag wesentlich schmerzfreier für mich ablief) und liefen noch etwas herum. Dabei trafen wir dann endlich auf zwei Bekannte, mit denen man bislang nur via Facebook Kontakt hatte, die jedoch, wie wir auch, schon beschlossen hatten, aufzubrechen. Hinzu gesellten sich noch zwei junge Gruftis aus Berlin, die sich vollkommen old school stylen. Die beiden Süßen machten alles wieder wett, was mir negativ auf dem Amphi aufgefallen war (dazu später). Sie waren superlieb und nett und sahen einfach nur toll aus! Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich das Foto, das ich von den beiden geschossen habe, hier veröffentliche. Da aber zahlreiche Bilder von den beiden in div. Amphigalerien existieren, geht es wohl klar, denke ich.


Das Treffen war wie gesagt kurz, aber dafür um so herzlicher und lustiger. Es ist eben einfach toll (auch wenn ich mich jetzt wiederhole), die Leute, die man aus dem www kennt, live zu erleben und festzustellen, daß man sich sympathisch ist. Gleichgesinnte zu treffen - und das haben wir auf dem Amphi definitiv! - ist unbezahlbar!

Fortsetzung folgt...

Mittwoch, 30. Juli 2014

Amphi 2014 - Tag 1

Am 26. und 27. Juli fand im Kölner Tanzbrunnen das zehnte Amphifestival statt und damit meine erste schwarze Veranstaltung seit Jahrzehnten.
Und es war geil, saugeil sogar!


Der erste Amphitag - mein Geburtstag - begann in aller Herrgothsfrühe, um ausreichend Zeit zu haben, die Haare mit dem Kreppeisen zu malträtieren, sich weiße Schminke ins Gesicht zu klatschen und die Pikes zuzuschnallen. 
Aufgrund meiner Erfahrungen mit anderen Massenevents wollte ich früh los, um vor Einlaßbeginn beim Tanzbrunnen zu sein. Also fuhren wir Punkt 9 Uhr los, um eine gute halbe Stunde später vor dem Haupteingang einzutrudeln, wo der weltbeste Gatte Töchti und mich absetzte.
Dort tummelten sich jedoch nur eine Handvoll schwarzer Gestalten und eine andere Handvoll kreischbunter Typen mit Plastikmüll auf dem Kopf und neonfarbenen Tribbles an den Waden. Der erste Kulturschock für ein 80er Jahre Relikt bzw. alten Gothsack - wie ich in der Lesung von Ecki Stieg am Amphisonntag erfahren habe, bin ich ein Mischtyp - wie mich. Und die Klingonin schüttelt sich sowieso beim Anblick der farbenfrohen Tribbles...
Na ja, jeder Jeck ist anners und mer sinn ja in Kölle und da ist eh immer chronisch Fastelovend.

Wir waren also früh genug da, um kurz nach 10 Uhr, als mit klitzekleiner Verspätung geöffnet wurde, unsere Festivalbändchen zu erhalten und waren unter den Ersten auf dem Gelände.


Es war halt noch nichts los, das erste Konzert sollte um 12 Uhr auf der Mainstage stattfinden: The Juggernauts. Da die uns nicht wirklich interessierten, schlenderten wir über die Händlermeile, sahen uns die verschiedenen Stände an und sichteten das Angebot. Der erste Eindruck: joa, halt das übliche Zeugs, das es im Internet oder den schwarzen Läden überall zu kaufen gibt. Es waren jedoch auch etliche Händler da, die eigene Kollektionen her- und ausstellten, Handgemachtes und Unikate und da waren einige schöne Sachen dabei.


Und dann sah ich sie. Drei verschiedene Modelle. Nach unzähligen Paaren dicker Plastikklotschen. Pikes. PIKES!!! Ich befingerte sie ungläubig, einen Schuh nach dem anderen, drehte und wendete sie und prüfte das Leder und die Sohlen. Das eine Modell fiel bei mir gleich unten durch, obwohl es hübsch aussah, aber das anscheinend irgendwie beschichtete Leder - obwohl es echtes Leder sein sollte - fühlte sich merkwürdig an, als hätte man ein Kondom darauf geschweißt. Das andere Modell - ein Neunschnaller - gefiel mir schon besser, aber die Schnallen waren zu klein und daher zu weit auseinander. Beide kamen von Nevermind. Das dritte Modell - Veloursleder, hahaaaaaa! - besaß drei große Schnallen, Strippen mit Klettverschluß und sollte 129 Euronen kosten. Hersteller: Bed & Breakfast, äh, sorry, ich meinte Boots & Braces natürlich.
Ende der 80er besaß ich ähnliche Boots, die ich damals für 35 DM bei Reno erstanden hatte, und mein nostalgisches Alter-Gothsackherz begann schneller zu schlagen. Ich quatschte kurz mit einem der sehr netten Verkäufer, beschloß, noch ein wenig zu überlegen und erst einmal eine Runde um den Block zu drehen. Es dauerte keine fünf Minuten, bis ich feststellte, daß ich total doof sei. Da gab es Pikes - PIIIIIIIKES! -  in meiner Größe und in Veloursleder und ich überlegte, ob ich sie mir kaufen sollte. War ich noch ganz gar? Was gab es da zu überlegen? Ich stürmte wild entschlossen zurück, probierte die 42er an und sie passten wie angegossen. Fünf Minuten später waren sie mein!
Hatte ich Tage zuvor nicht noch getönt, daß ich keine Boots von B&B haben wolle, weil sie nicht spitz genug seien? Sch... drauf! Es lebe die Inkonsequenz! :D
Die neuen Schätzchen stelle ich noch mal gesondert vor, sonst wird dieser ohnehin schon zu lange Post noch länger!



Es wurde allmählich voller und wir machten uns auf den Weg zur Mainstage, wo bald mein persönliches Amphi-Highlight She past away auftreten sollte. Wir bekamen noch die letzten Takte von The Juggernauts mit und dann dauerte es auch nicht mehr lange und Volkan und Idris betraten die Bühne. Und zu meiner großen Freude spielten sie auch ihren bekanntesten Song mit dem für ein Geburtstagsständchen passenden Namen Kasvetli Kutlama (wobei kasvetli düster, öde bedeutet und kutlama Feier, Glückwunsch). Musik wie früher, so richtig, um sich davon durchfluten zu lassen, haaaaach!



Mehr meiner Fotos von den beiden Jungs gibt es HIER!

Leider verließen She past away schon nach gefühlten vier Minuten die Bühne - tatsächlich waren 40 Minuten Spielzeit für die zwei vorgesehen gewesen. Viel zu kurz. Vier Stunden wären so gerade ausreichend gewesen :D

Danach folgte gleich mein zweites Highlight: Clan of Xymox und auch die waren toll - fand ich zumindest.



Und weil es so schön und so geplant war, sahen wir uns gleich im Anschluß daran Lord of the Lost an - Töchtis Amphihelden! Die wurden vom Moderator als "die schönsten Sixpacks von St. Pauli" angekündigt - höhöhö! Ach, was soll ich viele Worte verlieren, guckt euch die Fotos an (die Links führen zu meinen entsprechenden FB-Alben)!



Die Jungs sind jedenfalls sehr lieb und nett, waren am Samstag sehr fleißig (Konzert und anschließend drei Autogrammsessions) und beim Meet&Greet um 20 Uhr am Stand von Queen of Darkness kam das Töchti in den Genuß eines gemeinsamen Fotos mit ihren Helden und eines kurzen, humorvollen Gesprächs mit Chris Harms. Er ist wirklich wahnsinnig toll mit seinen Fans!

Abgesehen davon kamen auch die sozialen Kontakte nicht zu kurz: man lernte seine Internetbekanntschaften endlich persönlich kennen und stellte fest, daß man sich auch im richtigen Leben mag. Überhaupt waren alle Leute, mit denen man ins Gespräch kam, super drauf, freundlich und lustig...

Der erste Tag war leider viel zu schnell vorbei. Gesundheitliche Probleme meinerseits verhinderten, daß wir noch an einer Aftershowparty teilnehmen konnten. Naja, was vergesse ich blöde Kuh auch meine Rheumapillen! Am Sonntag war ich schlauer und stopfte sie in meine Tasche...

Fortsetzung folgt....



Dienstag, 29. Juli 2014

Schwarzes Gesplitter

Ja, ich lebe noch!
Auch wenn ich mich in der letzten Zeit gar nicht gerüppelt habe...
Aber dafür habe ich ein paar Ausreden parat.

Zunächst war da einmal wieder ein recht erschreckendes Gespräch mit der Direktorin und der Klassenlehrerin unseres Sohn bezüglich seiner Kleidung. Er trägt gerne schwarze Yakuza-Shirts mit mehr oder weniger martialischen Motiven und kernigen Sprüchen (jedoch keine Symbole oder Parolen rechter oder gar verbotener Organisationen o.ä.! Das käme uns eh nicht ins Haus!). Die sind wohl einer Mitschülerin ein Dorn im Auge gewesen und so hat sie sich bei der Klassenlehrerin beschwert, sie könne sich nicht konzentrieren, wenn sie andauernd auf Sohnemanns T-Shirt gucken müsse. Aaaaah ja....
Ich denke ja, das Mädel sollte besser auf die Tafel schauen und den weisen Worten ihrer Lehrer lauschen anstatt das Styling ihrer Klassenkameraden unter die Lupe zu nehmen. Aber aus irgendeinem Grund, den ich nicht wirklich nachvollziehen kann, pflichtet die Lehrerin der selbsternannten Modepolizistin bei. 

Einem kurzen Schriftverkehr mit den eigensinnigen Eltern unseres Sohnes folgte die Einladung zu einem persönlichen Gespräch...mal wieder!
Fazit: Yakuza-Shirts sind in der Schule verboten, weil...
1. ...sie den Unterricht stören. Sie reden zwar nicht dazwischen, die Shirts, werfen auch nicht mit Papierkügelchen und ziehen die Mädchen an den blondierten, geglätteisten Haaren, aber sie stören - ganz plötzlich. Denn mein Sohn läuft damit schon seit zwei Jahren herum und auf einmal fallen die Yakuzas auf. Wenn ich nur wüsste, wieso...
2. ...sich die Klassenlehrerin durch die Shirts beleidigt sieht. Warum auch immer sie sich von den Yakuzas angesprochen fühlt... Es steht weder ihr Name drauf - Frau D., fuck off! z.B. - noch hat es ihr Konterfei bislang auf eines der Shirts geschafft. Wenn, würden wir es ohnehin nicht kaufen ;)
3. ...sich die Direktorin verpflichtet fühlt, auf das Styling ihrer Schüler zu achten und sie in Selbstvorwürfen zerfließen würde, wenn das Kind später keinen Ausbildungsplatz erhielte oder im Berufsleben, falls es denn überhaupt einen ordentlichen Beruf erlernt, Probleme hat, nur weil sie, also die Schulleiterin, nicht eingegriffen hätte. Die Klassenlehrerin brüstete sich auch ganz stolz damit, wie tolerant sie wäre und den Mädchen rosa- und pinkfarbene Kleidung erlauben würde, obwohl sie diese Farben nicht ausstehen könne. Aber sie hätte auch schon Schüler während der Unterrichtszeit nach Hause zum Umziehen geschickt, weil ihr die Kleidung nicht passte. Darf sie zwar nicht, aber das Schulgesetz von NRW hat an der Schule eh keinen Bestand. Die machen da, was sie wollen...

Ein bißchen animal farm ist auch dabei: manche sind eben gleicher als andere. Wenn es verbindliche Kleidervorschriften oder gar eine Schuluniform gäbe, dann... aber es wird nach Gutdünken und persönlichem Gusto entschieden, wer welche Kleidung tragen darf. Und wessen Styling aus dem Raster der Direktorin bzw. Klassenlehrerin fällt, endet als Hartz-4ler oder gleich unter der Brücke, so der Tenor der Unterredung.
Demnach war ich am Wochenende (Amphi in Köln) auf einem der größten Arbeitslosentreffen überhaupt. Lauter Gesindel ohne Ausbildung und Job - etliche in schwarzen Yakuzashirts - trieb sich da herum, also neeee... 
Die Kohle für den Eintritt war wahrscheinlich auf der Straße zusammengeschnorrt. Haste mal 'ne Mark, äh 'nen Euro, ey?

Ein Gespenst geht um in der Schule - das Gespenst des Nonkonformismus...
Und das muß ausgetrieben werden - um jeden Preis! Da wird auf das Grundgesetz und die darin verankerten Grundrechte - besonders auf Artikel 2 - geschissen und sich unter dem Deckmäntelchen der elterlichen Sorge und als Erziehungsberechtigte in die persönlichen Belange der Schüler eingemischt. Die tatsächlichen Eltern des betreffenden Kindes werden entrechtet, die Freiheit der Erziehung mißachtet.

Das Gespräch endete im Grunde ergebnislos. 
Nun ja, nicht ganz, immerhin dienen die engstirnige Direktorin und die nicht minder voreingenommene Klassenlehrerin wunderbar als schlechte Beispiele für uns, um unseren Kindern klarzumachen, wie man Menschen eben NICHT behandelt. Man verurteilt und diskriminiert niemanden aufgrund seiner Kleidung (es gibt Ausnahmen, aber dazu in einem anderen Post), seiner Hautfarbe, seiner Religion etc.
Daß meine Kinder - das Töchti wurde kurz darauf auf ein Bandshirt angesprochen, das wiederum ihrer Klassenlehrerin nicht passte - so etwas nun am eigenen Leib erfahren, hilft ihnen hoffentlich dabei, die Vorurteile, die sie selbst dem ein oder anderen Typen gegenüber hegen, schneller zu überwinden und offener auf diese Leute zuzugehen.

Da ich vor 25 Jahren Abi gemacht habe, fand ein Vierteljahrhundertabitreffen statt. Immerhin zwei Drittel unserer Stufe war da. Es war genau so wie früher: die Schönen und Reichen saßen zusammen an einem Tisch und zeigten sich auf ihren Handys Fotos von ihren Häusern, Autos, Kindern, den Geranien auf dem Balkon vom 5-Sterne-Hotel in St. Moritz oder den Palmen auf den Seychellen und die Outlaws hockten an dem anderen und unterhielten sich. Ich saß nicht bei den Schönen und Reichen und deshalb hatte ich Spaß!

Ein Großteil meiner Zeit wurde von den Vorbereitungen für ein Seminar verschlungen, das ich an der Uni Leipzig gegeben habe. Leider habe ich es mal wieder nicht zum WGT geschafft. Dafür war ich vorher in Leipzig und da die schwarzen Läden ihre Bestände für das WGT bereits aufgestockt hatten, machte es richtig Spaß, dort herumzustöbern.

Und zum Zahnarzt mußte ich auch noch, schrecklich! Da leg' ich mich lieber unter 'ne Guillotine!

Endlich habe ich es geschafft, Fotos auf dem wunderschönen Alten Friedhof von Bonn zu machen. Plane ich schon seit Teenietagen, als wir noch des Nachts über den Zaun geklettert sind, weil der Friedhof bereits geschlossen war. Ein Post zum Alten Friedhof ist in Planung.

Und letztes WE besuchten Töchti und ich das Amphi.
Ein ausführlicher Bericht mit vielen Bildern folgt bald, wirklich BALD, versprochen!