Mittwoch, 6. Februar 2013

Veganismus - eine moderne Form des Tierkults

Ich esse kein Fleisch. Schon seit einigen Jahren.
Der Verzicht darauf fiel mir nicht schwer, weil ich Fleisch einfach nicht so gern mag wie Gemüse und Obst. Außerdem bin ich ein begeisterter Breichenesser und liebe Grießpudding, Milchreis und Apfelmus. Ich finde es zwar eklig, Teile von toten Lebewesen zu verspeisen, und liebe Tier sehr, jedoch spielten moralische oder ethische Gründe bei meiner Entscheidung nur bedingt eine Rolle, um nicht zu sagen so gut wie gar keine. 
Allerdings denke ich hin und wieder daran, mir doch mal einen fetten Döner 'reinzuziehen, um nicht mit den veganen Hasspredigern, die im Fratzenbuch oder diversen Internetforen herumspuken, in den gleichen Topf Tofusuppe geworfen zu werden. Über die Kreuzzüge, die dort geführt werden, um die ungläubigen Fleischesser zu bekehren, breitet man am besten den Mantel des Stillschweigens. Wären es Islamisten, die so aggressiv argumentierten und herumpöbelten, wäre der Staatsschutz schon längst eingeschritten. 

Diese Diskussionen, die oft in Hetzkampagnen ausarten, fangen oft recht harmlos an. Nehmen wir mal die FB-Seite einer bekannten, zertifizierten Naturkosmetikmarke, die netterweise etliche vegane Produkte anbietet, aber auch solche, die Bienenwachs oder Karmin enthalten. Jedes Mal, wenn das FB-Team besagter Firma neue Waren vorstellt oder bereits länger im Sortiment befindliche promotet, kommen zwei unvermeidliche Fragen: 1.) Ist das auch tierversuchsfrei? und 2.) Ist das vegan?
Zu Frage 2: ja, die Faulheit der Fragesteller, die sich nicht die Mühe machen wollen, die INCI des betreffenden Produkts nachzulesen, nervt mich persönlich, aber nun ja, die Frage ist durchaus berechtigt, handelt es sich bei besagter Marke nicht um ein vegane.
Zu Frage 1: ebenso gut könnte man auch die Frage stellen: "Bin ich doof?" und beide könnte man mit "JA!" beantworten. Läge einem das Thema Tierversuche und Kosmetik wirklich am Herzen, wüsste man, daß in Deutschland Tierversuche für Kosmetik schon seit Ende der 90er und europaweit seit 2004 verboten sind. Und ab März 2013 dürfen dann endlich auch europaweit keine Kosmetika mehr verkauft werden, die an Tieren getestete Inhaltstoffe enthalten. 
Die Frage "Seid ihr eine tierversuchsfreie Kosmetikmarke?" ist also so überflüssig wie ein Kropf - vor allem, wenn es sich um zertifizierte Naturkosmetik handelt. Die Kriterien des BDIH z.B. schließen Tierversuche aus. Siehe http://www.kontrollierte-naturkosmetik.de/richtlinie.htm 
Ob der Fragesteller nun meint, sich so als Gutmensch profilieren zu können, sei dahingestellt, ich rolle nur noch mit den Augen über so viel Unfähigkeit, sich selbst Informationen zu beschaffen und ernsthaft mit einem Thema zu befassen, das einen angeblich doch soooo sehr beschäftigt!

Quelle: vebu.de


Auch an der beständigen Kritik an den Rohstoffen tierischen Ursprungs wie Bienenwachs können sich endlose Debatten entzünden, die häufig in Schlammschlachten ausarten. Da wirft man dann mit Halbwahrheiten, die als Fakten dargestellt werden, um sich und schwingt die Moralkeule. Nicht nur einmal hatte ich den Eindruck, der ein oder andere Veggie würde am liebsten den Heiligen Krieg gegen die Metzgerinnung ausrufen und am besten sofort alle Konsumenten von Rohstoffen und Produkten, die aus oder von Tieren hergestellt werden, auf den Scheiterhaufen bringen. 
Ich verstehe durchaus, daß es sich hierbei um ein emotional belastetes bzw. belastendes Thema für Vegetarier/Veganer handelt. Die Polemik, mit der jedoch die Gemüsetaliban neue Anhänger für ihren Kult zu gewinnen suchen, schreckt eher ab und provoziert das genaue Gegenteil.
Seltsamerweise begegnet mir ein solches Verhalten beinahe ausschließlich von dieser Seite aus, die Fleischverzehrer bleiben eher gelassen - meine subjektive Beobachtung wohlgemerkt!

Quelle: toonpool.de


Ich finde es ziemlich erschreckend, mit welcher Radikalität und Kompromißlosigkeit von veganer Seite aus Forderungen aufgestellt werden, die allerhöchstens in unseren reichen Industriestaaten - wenn überhaupt - durchgesetzt werden könnten. Das Konstrukt einer Welt, in der Mensch und Tier gleichberechtigt existieren und kein Lebewesen mehr ausgebeutet wird, dürfte utopisch bleiben, solange es immer noch Menschen gibt, deren (Über-)Leben vom Tier und dessen Produkten abhängig ist, oder solche, die ihre Mitmenschen versklaven und ausbeuten. 
Glücklicherweise sind diese Extremisten - die gibt es ja in jeder Religion - eher selten, dummerweise sind es jedoch die Krachschläger, die einem im Gedächtnis bleiben...

Gemäß dem kölschen Motto "Jeder Jeck ist anders" hüte ich mich davor, meinen Mitmenschen meinen Lebensstil aufzudrängen. Wenn jemand auf sein Schnitzel und Rumpsteak nicht verzichten mag, bitte schön, solange er mich nicht dazu zwingen will, das Fleisch zu essen! Es ist jedem Individuum selbst überlassen, mit welchen Lebensmitteln es sich ernährt. Hierzulande haben wir glücklicherweise die Möglichkeit, wählen zu können! 
Und deshalb werfe ich auch meinen mit Karmin gefärbten Lippenstift nicht weg, auch wenn ein paar Oberschlaue meinen, der bestünde aus gemahlenen Läusen, weil sie keine Ahnung haben, wie der rote Farbstoff gewonnen wird* oder weil sie einfach nur Stunk machen  wollen.
Wer weiß, welches Massaker die jede Nacht anrichten, wenn sie sich im Schlaf auf ihrer Matratze umdrehen und dabei Millionen von Spinnmilben plattwalzen! Solche Massenmörder, pfui!

* Karmin wird tatsächlich aus Cochenilleläusen gewonnen. Siehe http://www.seilnacht.com/Lexikon/Cochenil.htm
Es befinden sich jedoch keine ganzen, zermahlenen Läuseleichen im Lippenstift oder im Campari!

Kommentare:

  1. Ach, die Veggiematics, Gesundfutter-Zombies und Müsli-Taliban.
    Mir werden auch weiterhin das leckere Steak vom Grill und der selbstgemachte Burger schmecken.
    Ich schreibe denen nicht vor, wie sie leben wollen und erwarte, daß sie mich in Ruhe lassen.
    Eigentlich sollte man diesen militanten Veganisten mit oder ohne Migrationshintergrund eine Handvoll Hackfleisch (gemischt, wegen des Fettgehalts) in den Mund stopfen. Nur mal so. Schaden wird's nicht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Also, neeee, das ist ja eklig! *würg*
      Wir wollen uns doch nicht auf das Niveau der Tofuterroristen begeben?
      Die schießen nachher mit Vollkornburgern zurück!

      Löschen
  2. Ich finde das ist ein super Post, und es freut mich ehrlich mal so eine ruhige und gelassene Meinung zu dem Thema zu lesen :D
    Ich persönlich kann der Diskussion auch nichts abgewinnen. Ich würde militanze Veganer ja dann immer gerne fragen, ob sie denn auch keine Meidkamente nehmen (die müssen ja an Tieren getetstet werden bevor sie auf den Markt kommen) wenn sie krank sind, und ob ihnen klar ist dass auch "tierversuchsfreie Kosmetik" nur bedeutet dass der Stoff eben früher irgendwann mal schon auf seine Verträglichkeit (an Tieren) getestet wurde, und ob sie dann in der Konsequenz auch nur Medikamente nehmen würden, die seit Jahren am Markt sind und keine zukünftigen, die von der aktuellen Grundlagenforschung (an Tiermodellen) abhängen, nehmen würden... und so weiter und so fort. Leider wird es dann schnell mal brenzlig, weil solche Leute auch gerne die "Alles was Chemie ist ist Böse!" schiene fahren und wirklich keine Medis nehmen wenn sie krank sind, sondern lieber die absolut unchemischen *hust* Homöopathika, und diese dann auch ihren kranken Kids geben anstatt zum Arzt zu gehen -
    Naja. Ich mische mich in solche Diskussionen gar nicht mehr ein. Ich habe meinen Standpunkt den ich im Falle eines Falles verteidigen kann, aber sonst belasse ich es dabei. Solche Diskussionen bringen auch genau nichts, und vielen Veganern ist glaube ich auch einfach nicht klar dass sie mit aggressiver Werbung weniger erreichen als mit neutralen Argumenten und langsamer Annäherung an einen Nicht-Veganer. Weil es einfach mehr bringt zu sagen "Weißt du, du könntest ja deinen Fleisch-Konsum von 7x die Woche auf nur 3x die Woche reduzieren. Das ist gesund und auch besser für die Umwelt" als "FLEISCH IST MORD UND MILCH GEHÖRT DEN KÄLBERN UND DER MENSCH IST DIE EINZIGE SPEZIES DIE DIE MUTTERMILCH EINES ANDEREN TIERES TRINKT; IST DAS NICHT EEEEKELIG?"
    Joa, denke ich mir dann immer, der Mensch ist auch die einzige Spezies auf diesem Planeten die Hosen trägt und Satelliten ins All schießt. Wo war da jetzt der Vergleich? :'D

    Anway. Langer Kommentar, kurzer Sinn.
    Danke. Einfach nur Danke! ^^

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ooooh, Medikamente, das ist ein heikles Thema, das Hardcore-Veggies gerne ausklammern, so scheint es mir. In den zahlreichen Endlosthreads über vegane Lebensweise o.ä., die ich in diversen Tierschutzforen mitverfolgt habe, wird die Problematik nur am Rande bzw. gar nicht behandelt - da geht es dann eher um die Frage: wen soll der Feuerwehrmann zuerst retten, wenn das Haus brennt? Das Baby oder den Hund?

      Tierversuche werden in derlei Debatten generell abgelehnt, so auch solche, die für medizinische Zwecke durchgeführt werden. Ich muß gestehen, daß mir auch noch die furchtbaren Bilder im Kopf herumspuken, mit denen man während meiner Kindheit in den 70er und 80er Jahren durch die Medien bombadiert wurde. Folterungsmethoden in Tierversuchslaboratorien à la Dr. Frankenstein wurden gezeigt, je blutiger und grausamer, desto besser. Von daher beschleicht mich auch jedes Mal ein mulmiges Gefühl, wenn ich darüber nachdenke, daß es Tieren immer noch so ergehen könnte. Das Kaninchen mit den hoch entzündeten, verquollenen Augen, in die man Nagellackentferner träufelte, um zu testen, wie hautreizend das Zeug ist, ist mir im Gedächtnis kleben geblieben.
      Btw wieviele Tierschützerinnen lackieren sich eigentlich die Fingernägel und benutzen Nagellackentferner? ;-)
      Gut, Nagellack und Nagellackentferner sind jetzt nicht wirklich überlebensnotwendig, darauf kann man verzichten. Tu ich aber auch nicht - trotz des Kaninchens!

      Aber was passiert, wenn sich ein Veganer, der an einem bösartigen Tumor oder einer lebensbedrohlichen Infektionskrankheit leidet, vor die Entscheidung gestellt sieht: Chemotherapie/Antibiotika oder Tod?
      Ist man dann tatsächlich konsequent genug, bei seiner Überzeugung zu bleiben, versagt sich selbst jeglicher Medikation und wählt freudig sein eigenes, unter Umständen qualvolles Ende?
      Ist m.E. nur eine Frage der Zeit, wann das passiert und wann dieser Held von den Tofutaliban zum Märtyrer hochstilisiert wird, einer Ikone des Heiligen Kriegs, der den Fleischessern zum Opfer fiel, die nicht willens waren, vegane und tierversuchsfreie Medikamente herzustellen.
      Ach ja, vielleicht sollte man am Rande mal bemerken, daß auch Globuli nicht ausschließlich aus Blümchen hergestellt werden ;-)

      Die pseudoreligiösen Züge, die dieser Veganismus-/Tierschutzwahn bei vielen angenommen hat, sind wirklich erschreckend und ich frag' mich oft, wie weit diese Extremisten gehen wollen, wenn schon "Wen soll die Feuerwehrmann retten, wenn das Haus brennt?" mit "Ist das Leben deines Haustiers weniger wert als das deines Kindes?" beantwortet wird.
      Dazu muß man wohl nichts mehr sagen...

      LG nach Österreich!

      P.S. Ich kenne übrigens deinen langen Blogpost über Tierversuche, fand ich sehr interessant und aufschlußreich!

      Löschen
  3. Ich bin seit über 7 Jahren Vegetarierin und mag auch nicht unbedingt Eier und Milch, aber das ist ja irgendwie überall drin und Käse zB liebe ich überalles^^
    Die Hardcore- Veganer können einem schnell ein schlechtes Gewissen einreden, aber ich sehe das mittlerweile recht locker. Bei Kosmetik kaufe ich zB was mir gefällt und achte da jetzt nicht so großartig drauf, ob das nun explizit vegan ist... wobei ich auch vieles an Naturkosmetik gar nicht vertrage.
    Ich predige auch nicht, weil ich gar nicht wüsste, was ich den Fleischessern sagen soll... mir ist es relativ egal was andere machen, muss ja jeder selbst mit seinem Gewissen vereinbaren^^ Ich habe genug mit meinem zu tun, gerade was zur Zeit die Bio-Eier- Sache betrifft und Milch ist ja auch sowas schreckliches...

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.