Mittwoch, 14. November 2012

Mit 35 ist man alt...

Das war wohl das Fazit, das sich aus einem interessanten Gespräch zweier Dumpftrutschen schließen ließ, die ich neulich im DM belauscht habe. Die eine war wohl Ende 30 - sie jammerte nämlich, daß sie schnurstracks auf die 40 losgehe -, die andere, wohl eine Bekannte und Verkäuferin im DM, war schätzungsweise irgendwas über 50.
Es ging um Haare, genauer gesagt um Frisuren, die für alte Frauen ab Anfang oder Mitte 30 infrage kommen.
Die Jüngere klagte der Älteren ihr Leid, daß man ab 30 ja generell an starkem Haarausfall leide, die Haare dünner, brüchiger, empfindlicher, trockener und wasweißichnochalles würden und sie ja neulich beim Friseur gewesen wäre, um sich einen "flotten Kurzhaarschnitt" verpassen zu lassen. Die Ältere nickte dazu, murmelte etwas von Wechseljahren (mit 30??? WTF!!!) vor sich hin und lobte, als die andere endlich mal Luft holte, die tolle, neue und "flotte" Frise ihres Gegenübers. 
Bei dieser "flotten" Kreation kleinstädtischer Coiffeurskunst handelte es sich um einen 0815-Wischmop à la Prinz Eisenherz mit blonden Strähnchen, eben jene Unfrisur, die ungefähr 90% aller Mütter der Schulkameraden meiner Kinder tragen. Anscheinend ist das die einzige, vom Gesetz zugelassene Haartracht für die Frau ab 30, 35. Erlaubte Haarlänge laut der "flotten" Enddreißigerin im DM: maximal Kinnlänge. Da man ja ab 30, 35 ohnehin kein gesundes Haar mehr hätte und Langhaarfrisuren nur etwas für junge Mädchen bis 20 wären, bliebe einem ja nichts anderes übrig, als sich einen "flotten Kurzhaarschnitt" verpassen zu lassen, damit man jünger wirke, so jammerte sie. Wirklich glücklich schien sie mit ihrer flotten Frisur jedoch nicht zu sein, sonst hätte sie sich bei der anderen nicht so ausführlich ausgeheult. Und so oft wie das Wort "flott" in dieser Elegie vorkam, hatte ich den Eindruck, sie wollte sich ihren Haarschnitt schönreden...

Als jedoch das Statement "Lange Haare stehen ja nur jungen Mädchen blablabla" fiel, konnte ich nicht widerstehen...
Dazu muß man wissen, daß ich mit meinen fast schon scheintoten 42 Jahren fast taillenlanges Haar habe, sehr dick, sehr gesund (zumindest so gesund, wie man das von gefärbten Haaren behaupten kann) und glänzend. Ich pflege mein Haar sehr, damit sich an dem jetzigen Zustand nichts ändert, aber färbe seit Jahrzehnten regelmäßig, da ich meine Naturhaarfarbe, eine Art Honigblond, auf den Tod nicht ausstehen kann.

Nun also war der Zeitpunkt gekommen, als ich das teilweise doch recht gehässig klingende Gefasel der Enddreißigerin nicht mehr ertragen konnte...
Ich ging also an den beiden Trutschen vorbei, schüttelte demonstrativ meine lange Mähne, die ich an jenem Tag halboffen trug, und zwinkerte ihnen zu.
Uih, die giftigen Blicke der beiden hättet ihr sehen sollen!
Im Fortgehen hörte ich dann noch, wie die DM-Verkäuferin ihrer Bekannten ein neues Shampoo empfahl, das sie unbedingt mal ausprobieren müsse...

Gut, ich habe Glück, von der Natur mit dieser Haarfülle gesegnet zu sein und ich kann mir auch vorstellen, wie belastend es ist, wenn man dank einer hormonellen Problematik oder einer anderen Erkrankung und deren Folgen an Haarausfall o.ä. leidet, aber was um Himmels Willen hat das Geburtsjahr damit zu tun? Und vor allen Dingen damit, welche Frisur ich trage? Wer legt diese Richtlinien fest?
Jünger wirken, frischer wirken, flotte Haarschnitte für die Frau ab 30, 40, 50 etc. sind häufige Schlagworte, mit denen div. Frauenzeitschriften langweilige und teilweise trutschige Frisuren für ältere Semester anpreisen, wobei darunter wohl alles fällt, was die 25 überschritten hat. Grausam!

Wer damit glücklich ist, sich dem Schönheitsdiktat der Massen blondgesträhnter Bobträgerinnen unterzuordnen und sich dabei attraktiv findet, bitte! Das bleibt jedem selbst überlassen! Dafür erwarte ich aber auch, daß man mir nicht vorschreibt, daß ich meine langen Loden altersgerecht kürzen und mir statt "Schwarze Kirsche" lieber blonden Sonnenglanz in die Haare tünchen soll, weil mich das angeblich jünger macht. Pfffff...
Wer mit 30+ solche Maßnahmen nötig hat, sollte sich weniger um sein Aussehen als vielmehr um seine Einstellung Sorgen machen...

Kommentare:

  1. Das hast Du gut gemacht. Kann mir die Blicke richtig vorstellen. ;) Ich denke auch, dass da mal an der Einstellung gearbeitet werden muss. Oh, man ...
    LG Nati

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    1. Tjaaa, ich finde das schlimm. Wenn man bedenkt, daß man mit Ende 30 noch nicht einmal die Hälfte seines Lebens* hinter sich gebracht hat und sich dann offensichtlich so fühlt, als stünde man schon mit einem Bein im Grabe - oh wei!
      Was stellt man denn dann mit der zweiten Hälfte seiner Lebenszeit wohl an? Frust schieben, bis man endlich unter der Erde liegt?
      Was für eine Verschwendung!

      *Die statistische Lebenserwartung von Frauen in Deutschland betrug im Jahr 2010 82,74 Jahre, Tendenz steigend.
      Quelle: http://www.lebenserwartung.info/index-Dateien/ledeu.htm

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  2. gute reaktion !

    ich bin 43 und habe selber auch fast taillenlange, gefärbte haare und so dumme sprüche zum thema "ab 40 ist frau alt und trägt prinz-eisenherz-schnitt" kenne ich bis zum erbre**en.

    LG matilda

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