Mittwoch, 7. November 2012

Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir...

Morgen ist Eltersprechtag.
Und wir haben einen langen Gesprächstermin bei der Klassenlehrerin unseres Sohnes.
Der ist eigentlich überflüssig, denn ich weiß jetzt schon genau, was die gute Frau uns zu berichten hat: unser Sohn macht keine Hausaufgaben, arbeitet schlampig und stört den Unterricht. Das sei sehr schade, denn er sei ja ein intelligentes Kerlchen und könne mit Leichtigkeit ein guter Schüler sein, wenn er denn nur wolle.
Und das ist das Problem: er will nicht. 
Er schafft es seit Beginn seiner Schulzeit, sich mit derselben Masche wochen-, ja gar monatelang vor den ungeliebten Hausaufgaben zu drücken, macht sie nur teilweise oder gar nicht und ist sehr kreativ, sich die tollsten und plausibelsten Ausreden auszudenken. Wieso seine Unterrrichtsmaterialien nicht vollständig sind - fehlen die entsprechenden, kann man natürlich keine HA machen -, wieso es diesmal keine gab - dringende Konferenzen, Lehrer erkrankt, Vertretung gibt keine auf -, wieso sein Hausaufgabenheft verschwunden ist etc., seine Erklärungen klingen recht einleuchtend. Daneben unterschlägt er auch gerne mal Post von der Schule und vertröstet seine Klassenlehrerin, die auf Antwort von uns wartet...

Spätestens dann ist Sense und die Schule schickt die bösen Briefe per Post, damit sie auch nur ja bei uns ankommen. Und wir fallen erst einmal aus allen Wolken. 
Denn er macht ja Hausaufgaben und zwar auch genau die, die in seinem Hausaufgabenheft stehen. Dummerweise stehen da nur nicht alle...
Ganz ehrlich gesagt habe ich davon die Nase voll und zwar sowohl vom Verhalten meines Sohnes, der offensichtlich nicht kapiert, daß er mit seiner Tour jedesmal auf die Fresse fällt, als auch von der Reaktion der Schule, die im Grunde überflüssig ist, weil mit keiner Konsequenz verbunden. Die Maßnahmen, die wir mit den Lehrern abgesprochen haben, werden nicht oder nur teilweise durchgeführt und diese Mauselöcher nutzt unser Sohn, um durch die Maschen zu schlüpfen und erst einmal der Arbeit zu entkommen.

Ach, Lehrer... daß mein Sohn diese traurigen Typen nicht ernst nimmt, kann ich ihm noch nicht einmal verdenken! Die Erfahrungen mit den jämmerlichen Gestalten, die in der hiesigen Grundschule ihr Unwesen treiben, sitzen noch tief. Da werden die während des Unterrichts lärmenden, spielenden, tobenden Kinder mit einem zärtlichen "Bitte, liebe Schüler, seid doch mal ruhig, sonst können wir nicht mit dem Unterricht fortfahren!" ermahnt - ja, bitte schön, wer wundert sich denn da noch, daß die Kids den angeblichen Pädagogen ignorieren?
Mein Hinweis - die damalige Mathelehrerin meines Sohnes beklagte sich einst bei mir, daß auch er zu diesen Rüpeln gehörte -, es doch einmal mit ein wenig mehr Durchsetzungskraft und energischeren Maßnahmen zu versuchen, um die Aufmerksamkeit ihrer Schüler zu erringen - unsere Lehrer warfen mit Schlüsselbunden oder knallten die Bücher auf den Tisch -, wurde mit großen, erschrockenen Kulleraugen und einem fassungslosen "Aber dann erschrecken sich die Kleinen doch und weinen!" quittiert. Aaaaaaargh!

Nun gut, aber in Zeiten, wo sich die Eltern bei der Schulleitung beschweren, weil es die Englischlehrerin wagt, den Kindern regelmäßig Vokabeln aufzugeben und Teste schreiben zu lassen, sollte man als Lehrer wohl auch nicht allzu streng sein und die Kinder am besten gleich machen lassen, was sie wollen.
Die Frage ist dann nur: warum schicke ich meine Sprößlinge dann überhaupt noch in diese Kinderverwahranstalt?
Lernen tun sie da nicht wirklich viel und ob das, was sie da lernen, sinnvoll ist, darüber kann man jetzt auch geteilter Meinung sein.

Quelle: http://www.grundschulmarkt.de/lehrercartoons.htm


Um es kurz zu machen: ich kann im gewissen Maße nachvollziehen, wieso mein Sohn sich mit seinen Aktivitäten für die Schule zurückhält. Man lernt dort nichts oder nur wenig, was einem irgendwie von Nutzen sein könnte - vom Unterrichtsstoff der Grundschule - Rechnen, Schreiben, Lesen - mal abgesehen.
Schule ist reine Zeitverschwendung und vergällt einem nur das Leben. Bei Hausaufgaben handelt es sich um eine Schikane der Lehrer, die einem nur die Nachmittagsstunden versalzen, die man eigentlich für etwas Sinnvolleres nutzen könnte.

Ja, und wenn ich so auf meine eigene Schulzeit zurückblicke: genau so ist das!
Jahrelang quält man sich mit irgendwelchem Scheiß herum, drischt ihn sich ins Hirn, damit man in der nächsten Klausur eine gute Note bekommt und ver(sch)wendet unglaublich viel Energie und Zeit damit, sich diesen Mist einzutrichtern, um ihn nach dem Abitur wieder zu vergessen.
Wahrscheinlich habe ich mehr als 75% Prozent des Lernstoffes meiner dreizehnjährigen Schulzeit aus meinem Gedächtnis gelöscht - unnützer Ballast, der nichts mit meinen Interessen und Begabungen zu tun hatte oder mit meinem (damals noch zukünftigen) Beruf.

Wieso habe ich das ganze Zeug also gelernt?
Bestimmt nicht für das Leben, MEIN Leben....

Kommentare:

  1. Dein Sohn ist ein durchaus cleveres Bürschchen! Sich so im Leben zurecht zu finden wird ihm irgendwann mal wirklich gute Dienste erweisen. Die (Volks)Wirtschaft braucht solche Menschen. Man kann nur hoffen, es wird ihm nicht ausgetrieben ;-)
    Und am Ende - im Rückblick - weiß man die Schulzeit zu schätzen und erinnert sich gern an die Zeit mit den Freunden, die Streiche und die viele freie Zeit ;-)
    Alles Gute für den Sohnemann, viel Gelassenheit und gute nerven für die Eltern. Take care.

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    1. Tja, nur leider sind Cleverness und Kreativität keine besonders gefragten Eigenschaften in der Schule. Das, was bei diesem Unterricht vom Fließband herauskommt, sehen wir in der Uni: Studenten, die keinen Deut von der gängigen Lehrmeinung abweichen, weil die hehren Worte unendlicher Weisheit ja in einem (Betonung liegt auf einem!) Buch niedergelegt wurden und nicht hinterfragt oder gar kritisiert werden dürfen. Gott sei Dank gibt es Ausnahmen, sonst würde das ja Stagnation und das Ende der Wissenschaften bedeuten! Die leben doch gerade vom Diskurs, vom Nachforschen und Hinterfragen - eben das, was Kindern, die im Grunde neu- und wißbegierig sind, in der Schule ausgetrieben wird. Es gilt also, einen Mittelweg zu finden, die Schule einigermaßen vernünftig abzuschließen und sich dabei diesen kindlichen Wissensdurst zu bewahren. Aber wie macht man das einem Elfjährigen klar?

      Der zeitliche Abstand zu meiner eigenen Schulzeit, die der reinste Horror für mich war, hat an meiner Haltung nix geändert. Das Beste daran war der Tag, als ich endlich mein zugegebenermaßen recht mittelmäßiges Abizeugnis in der Hand hielt und die blöde Pauke verlassen konnte, um mich in der Uni endlich mit sinnvollen Dingen, die mir auch noch Spaß machten, beschäftigen zu können. Hätte ich dieses Ziel nicht gehabt, wäre ich nach der 5. oder 6. Klasse bestimmt nicht mehr zur Schule gegangen...
      Naja, so gesehen, darf es mich nicht wundern, daß auch mein Sohn so drauf ist *GG*

      Danke für deine guten Wünsche, besonders Gelassenheit können wir brauchen, wenn mal wieder ein Brief von der Schule hier eintrudelt! ;-)

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